Nokia: Smartphone-Verkäufe brechen um die Hälfte ein

Der Hersteller machte von Jänner bis März mehr als 1,5 Milliarden Euro Verlust. Die Lumia-Geräte mit Windows Phone retten ihn nicht. Auch die Billig-Handys bleiben hinter den Erwartungen.

Die Lumia-Handys bleiben Ladenhüter.
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Die Lumia-Handys bleiben Ladenhüter.
REUTERS (Rick Fowler)

Der finnische Handyproduzent Nokia hat seinen Abwärtstrend nicht stoppen können. Der Hersteller musste einen Verlust von 1,572 Milliarden Euro nach Steuern für das erste Quartal 2012 vermelden. Im Vorjahreszeitraum gab es noch einen Gewinn von 231 Millionen Euro. Einer der Gründe für den Absturz ist das für Nokia katastrophal verlaufende Smartphone-Geschäft. Im Vergleich zum Vorjahr sank der Absatz in diesem wichtigen Segment um mehr als die Hälfte. Statt 24,2 Millionen waren es nur noch 11,9 Millionen Stück. Im Vergleich zum doch stärkeren vierten Quartal 2011 fielen  die Stückzahlen und der Umsatz erneut um fast 40 Prozent. Die finnische Eiszeit ist also noch lange nicht vorbei.

Auch Billig-Handys bleiben liegen

Nokia bewege sich durch eine "signifikante Änderungsphase in einer Industrieumgebung, die sich weiterhin schnell entwickelt und wandelt", versucht Firmenchef Stephen Elop das schlechte Ergebnis zu begründen. Insgesamt hat Nokia im Vergleich zum ersten Quartal 2011 drei Milliarden Euro an Umsatz verloren. Statt 10,4 Milliarden sind es nun 7,4 Milliarden Euro, die der Hersteller mit seinen Produkten einnimmt - ein Minus von 29 Prozent.

Selbst die besten Kosteneinsparungen können derartige Einbrüche nicht wettmachen. Und nicht nur die Smartphone-Sparte schwächelt. Auch die günstige Schiene, die Nokia inzwischen Asha nennt, nahm um 32 Prozent weniger Geld ein als im Vergleich zum Vorjahr. Kombiniert man Smartphones und normale Handys, kann Nokia nur noch 4,25 Milliarden Euro Umsatz damit generieren. Vor einem Jahr waren es noch mehr als sieben Milliarden.

Talfahrt im Dezember kurz gebremst

Im Jänner hatte es noch so ausgesehen, als hätten die neuen Lumia-Smartphones mit Windows Phone als Betriebssystem die Talfahrt bremsen können. Der Hersteller konnte mehr Geräte absetzen als noch davor im dritten Quartal 2011. Nun sind die Zahlen aber wieder in den Keller gerasselt. 1,7 Millionen "Smart Devices", zu denen die Lumia-Geräte zählen, wurden abgesetzt. Im Vergleich dazu: Apple verkaufte von seinem iPhone 4S innerhalb der ersten Tage bereits vier Millionen Stück.

Neues Flaggschiff, neue Hoffnung

Nokia hofft nun auf das Lumia 900. Das neue Flaggschiff ist erst vor kurzem in den USA auf den Markt gekommen und konnte daher noch nicht in die Ergebnisse einfließen. Es wird demnächst auch in Europa auf den Markt kommen - allerdings ohne die in den USA angebotene LTE-Funktion. Der Hersteller wird aber wohl noch mehr tun müssen, um seine ehemalige Spitzenposition am Handymarkt zurückzuerobern. Der Ball liegt auch bei Microsoft. Derzeit wird an Windows Phone 8, Codename "Apollo" entwickelt. Zwar ist die aktuelle Version 7.5 "Mango" bei Kritikern gut angekommen. Die Konkurrenten Apple und Google konnte inzwischen aber mit iOS 5.1 und Android 4.0 die Latte wieder höher legen.

Lumia 900 und 610: Nokias jüngste Windows Phones unter der Lupe

Der Hersteller hatte erst kürzlich mit einer Gewinnwarnung seine verbliebenen Fans und die Anleger geschockt. Die Ratingagenturen Standard&Poor's und Moody's hatten die Kreditwürdigkeit des Traditionsunternehmens auf eine Stufe über Ramschstatus gestellt. Die Aktie befindet sich auf dem niedrigsten Wert seit 1997, stieg aber nach Bekanntgabe der Ergebnisse wieder ein bisschen. Vielleicht hatten die Anleger ja noch schlimmeres befürchtet.

(db)

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