Orange-Übernahme wackelt

Die Übernahme von Orange durch Hutchison könnte wegen Problemen an einer Nebenfront scheitern. Wettbewerbskommission drängt in einer Stellungnahme auf eine „vertiefende Prüfung“ des Verkaufs von „yesss!“ an A1.

Symbolbild
Schließen
Symbolbild
(c) AP (DAVE THOMSON)

Wien. Der größte Mobilfunkdeal in Österreichs Geschichte wackelt: Die Übernahme von Orange durch Hutchison („3“) könnte wegen Problemen an einer Nebenfront scheitern. Die Wettbewerbskommission schlägt in einer aktuellen Stellungnahme nämlich eine „vertiefende Prüfung“ des Verkaufs der Orange-Diskonttochter „yesss!“ an A1 vor. Das deutet auf eine Ablehnung hin. Doch ohne den Yesss-Verkauf will „3“ Orange nicht übernehmen.
Die Wettbewerbskommission befürchtet in einem Schreiben vom 19. Juni an die Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) „negative Auswirkungen auf den Wettbewerb“, wenn der größte Mobilfunkbetreiber die Billigsparte mit etwa 750.000 Kunden übernimmt. Daher wolle man die „vertiefende Prüfung“, heißt es in dem Brief.

Das bedeutet, dass die Kommission ein Verfahren vor dem Kartellgericht befürwortet. Ein solches Verfahren gibt es nur dann, wenn die BWB binnen vier Wochen keine Entscheidung über den Zusammenschluss trifft oder negativ entscheidet. Ein Kartellverfahren würde die Übernahme massiv verzögern. Experten rechnen damit, dass sich dann eine Entscheidung bis ins Frühjahr 2013 ziehen würde.

Der Vorschlag der Wettbewerbskommission, der acht Vertreter des Finanzministeriums und der Sozialpartner angehören, ist für die BWB nicht bindend. Teilweise folgt die Behörde den Empfehlungen, teilweise nicht.

Behörde will bald entscheiden

Im Fall des Orange- und Yesss-Verkaufs hatte die Wettbewerbsbehörde aber von Beginn an Bedenken geäußert. „Ein Okay für dieses Paket ist, so wie es derzeit ausschaut, schwer vorstellbar“, meinte Vizechef Stefan Keznickl bereits im Februar zur „Presse“. Auch er nannte damals Wettbewerbsbedenken.

Anfang dieses Monats hatte die BWB der Telekom Austria eine „List of Concerns“ übermittelt und das Unternehmen aufgefordert, Maßnahmen zu präsentierten, wie der Wettbewerb auf dem österreichischen Mobilfunkmarkt nach der Yesss-Übernahme sichergestellt werden kann. Weder bei der Telekom noch bei der BWB wollte man sagen, ob bereits Vorstellungen übermittelt wurden und wie sie im Detail aussehen.

Schließen


Wenn die BWB mit den Maßnahmen einverstanden ist, muss sie den Deal bis Ende Juni genehmigen. Passiert das nicht, beginnt das Kartellverfahren. Aus der Wettbewerbsbehörde heißt es, dass man „auf jeden Fall“ noch in diesem Monat „Klarheit schaffen will“.
Die Übernahme von Yesss ist nur eine Hürde. Eine weitere betrifft den Verkauf der Mutter Orange an „3“ um 1,3 Milliarden Euro, der in Brüssel geprüft wird. Experten vermuten hier keine Probleme, weil „3“ bisher der kleinste und Orange der zweitkleinste Mobilfunkanbieter Österreichs ist. Mit der Übernahme würde das fusionierte Unternehmen immer noch kleiner als A1 oder T-Mobile sein.

Hutchison machte aber zur Bedingung, dass Yesss verkauft wird, um die Kosten unter eine Mrd. Euro zu drücken. A1 erklärte sich bereit, für die Orange-Tochter 390 Millionen Euro zu bezahlen. Damit würde Österreichs größter Handyanbieter noch größer werden. Der Marktanteil von A1 würde von 42 auf 47 Prozent steigen.

Kommentar zu Artikel:

Orange-Übernahme wackelt

Schließen

Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.

Meistgelesen