Orange-Übernahme wackelt

21.06.2012 | 18:06 |  Von Norbert Rief (Die Presse)

Die Übernahme von Orange durch Hutchison könnte wegen Problemen an einer Nebenfront scheitern. Wettbewerbskommission drängt in einer Stellungnahme auf eine „vertiefende Prüfung“ des Verkaufs von „yesss!“ an A1.

Drucken Versenden AAA
Schriftgröße
Kommentieren

Wien. Der größte Mobilfunkdeal in Österreichs Geschichte wackelt: Die Übernahme von Orange durch Hutchison („3“) könnte wegen Problemen an einer Nebenfront scheitern. Die Wettbewerbskommission schlägt in einer aktuellen Stellungnahme nämlich eine „vertiefende Prüfung“ des Verkaufs der Orange-Diskonttochter „yesss!“ an A1 vor. Das deutet auf eine Ablehnung hin. Doch ohne den Yesss-Verkauf will „3“ Orange nicht übernehmen.
Die Wettbewerbskommission befürchtet in einem Schreiben vom 19. Juni an die Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) „negative Auswirkungen auf den Wettbewerb“, wenn der größte Mobilfunkbetreiber die Billigsparte mit etwa 750.000 Kunden übernimmt. Daher wolle man die „vertiefende Prüfung“, heißt es in dem Brief.

Das bedeutet, dass die Kommission ein Verfahren vor dem Kartellgericht befürwortet. Ein solches Verfahren gibt es nur dann, wenn die BWB binnen vier Wochen keine Entscheidung über den Zusammenschluss trifft oder negativ entscheidet. Ein Kartellverfahren würde die Übernahme massiv verzögern. Experten rechnen damit, dass sich dann eine Entscheidung bis ins Frühjahr 2013 ziehen würde.

Der Vorschlag der Wettbewerbskommission, der acht Vertreter des Finanzministeriums und der Sozialpartner angehören, ist für die BWB nicht bindend. Teilweise folgt die Behörde den Empfehlungen, teilweise nicht.

Behörde will bald entscheiden

Im Fall des Orange- und Yesss-Verkaufs hatte die Wettbewerbsbehörde aber von Beginn an Bedenken geäußert. „Ein Okay für dieses Paket ist, so wie es derzeit ausschaut, schwer vorstellbar“, meinte Vizechef Stefan Keznickl bereits im Februar zur „Presse“. Auch er nannte damals Wettbewerbsbedenken.

Anfang dieses Monats hatte die BWB der Telekom Austria eine „List of Concerns“ übermittelt und das Unternehmen aufgefordert, Maßnahmen zu präsentierten, wie der Wettbewerb auf dem österreichischen Mobilfunkmarkt nach der Yesss-Übernahme sichergestellt werden kann. Weder bei der Telekom noch bei der BWB wollte man sagen, ob bereits Vorstellungen übermittelt wurden und wie sie im Detail aussehen.



Wenn die BWB mit den Maßnahmen einverstanden ist, muss sie den Deal bis Ende Juni genehmigen. Passiert das nicht, beginnt das Kartellverfahren. Aus der Wettbewerbsbehörde heißt es, dass man „auf jeden Fall“ noch in diesem Monat „Klarheit schaffen will“.
Die Übernahme von Yesss ist nur eine Hürde. Eine weitere betrifft den Verkauf der Mutter Orange an „3“ um 1,3 Milliarden Euro, der in Brüssel geprüft wird. Experten vermuten hier keine Probleme, weil „3“ bisher der kleinste und Orange der zweitkleinste Mobilfunkanbieter Österreichs ist. Mit der Übernahme würde das fusionierte Unternehmen immer noch kleiner als A1 oder T-Mobile sein.

Hutchison machte aber zur Bedingung, dass Yesss verkauft wird, um die Kosten unter eine Mrd. Euro zu drücken. A1 erklärte sich bereit, für die Orange-Tochter 390 Millionen Euro zu bezahlen. Damit würde Österreichs größter Handyanbieter noch größer werden. Der Marktanteil von A1 würde von 42 auf 47 Prozent steigen.

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

9 Kommentare
Gast: TripppleA1
22.06.2012 15:51
0 0

Gott behüte ...

... es passiert weiterhin nichts. Das Orange-Netz wird deutlich schlechter (Abbrüche, SMS-Zustellung verspätet, versäumte Anrufe werden nach drei Stunden mitgeteilt etc.) und die Versorgung scheint tatsächlich zurückgenommen zu werden: Kein 3G mehr in den U-Bahnen (ausgenommen einige Stationen)?

Andererseits: je länger es dauert, umso biliiger wird der Laden, der ohnedies schon, wie man hört, an der Existenzgrenze angelangt ist. kein Wunder, daß die A! soviel für die Markenrechte ONE zahlen will - back to the rooots!!

Vielleicht kommt ja doch noch KPN?

Antworten Gast: Edmund_Edmund
22.06.2012 17:13
0 0

Re: Gott behüte ...

KPN versucht derzeit zu verkaufen. Zuletzt haben sie versucht die deutsche E-Plus mit o2 zusammen zu legen. Das ist aber gescheitert, o2 bzw. Eigentümer Telefónica ist selbst zu stark verschuldet ist. Jetzt versucht KPN sein Geschäft in Belgien loszuwerden.

Der Chef von France Telekom bzw. Orange, Stephane Richard, hat für heuer weitere Sparmassnahmen angekündigt. Das Joint Venture "Everything Everywhere" in Großbritannien, dass den Zusammenschluss von T-Mobile und Orange dort gebracht hat soll weitergeführt werden.

D.h. es schaut eher nicht so aus als würde der Eigentümer fleissig in Orange Österreich investieren falls sich kein Partner/Käufer findet. Eher das Gegenteil.

Gast: Andere Lösung...
22.06.2012 11:41
0 0

Geht wahrscheinlich nicht, wegen EU und so...

Zur not soll halt Hofer Yesss! selbst Virtuell betreiben und sich im A1 Netz einmieten, btw. ein 100% Tochter gründen die das Übernimmt, wäre ja nicht die erste Fall, Beispiel Hofer Reisen.

Yesss! ist ohnedies im Mobilfunk Netz ein Sonderfall, selbst dem Mutterkonzern Aldi gelang das nicht, viele andere Kaufhausketten sind detto auf diesen Zug aufgesprungen, das mehr schlecht als recht funktioniert.

Mittelfristig ist überhaupt ein eigener Konzern intelligent der die Infrastruktur Betreibt in der sich dann A1, Orange, "3" und T-Mobil einmieten zu gleichen Konditionen, diese Lösung hätte auch Vorteile für die Touristen, wenn sich die Heimatnetze zu gleichen Konditionen einmieten können, von Japan über Rußland bis hin zu den USA.

Der Gedanke das das gefälligst Papa Staat unter dem Kapitel Infrastruktur selbst machen sollte liegt nahe, ich fresse einen Besen ohne Essig, Öl, Salz und Pfeffer wenn es nicht gelingt, das dann rote Zahlen geschrieben werden.

1 0

Am Rücken der Kunden

Als leidgeprüfter Orange-Kunde kann ich mich nur ärgern.
Gefühlt investiert Orange schon seit Monaten keinen müden Cent mehr, Netzausbau ist nicht vorhanden, eher im Gegenteil wie mir scheint...

Was helfen mir mehrere Anbieter in Österreich, wenn dann manche nur in den Ballungszentren funktionieren, bzw. selbst da öfter als einem lieb ist, mehr schlecht als recht.
Jetzt ein weiteres Jahr zu warten ist wie wenn ich nen Fußballer unter Vertrag hab, der eigentlich getradet werden will, ich aber auf den Vertrag poche. Da darf ich mich nicht wundern, wenn der dann keine Leistung mehr bringt...

Und was LTE angeht, da hinken wir eh schon hinterher, als ob sich da jetzt zwischenzeitlich noch viel tun wird, bevor das nicht geklärt ist. Österreich war mal ein wichtiger Testmarkt, aber das ist so auch bald nicht mehr wahr.

Re: Am Rücken der Kunden

tja, das sind Ergebnisse der negativen Preisspirale.
Kurz gesagt: wer sich außschließlich am Preis orientiert wird das bekommen wofür er bezahlt; Minimale Leistung für minimale Kosten.
Das wollen ja die österreichischen Kunden, zumindest sagen das die Zahlen über das Verhalten der Mobilfunkkunden.
Und Konzernen vorzuwerfen, dass sie Kundenwünsche befriedigen, tja, das ist lächerlich, jeder Kunde ist hoffentlich mündig genug zu entscheiden.
Leider denken halt die meisten nur über den Preis nach, die echte Leistung interessiert dann weniger, bis es dann zu spät ist und der Vertrag läuft, also; drum prüfe wer sich "ewig" bindet.....

Antworten Antworten Gast: Yesss! - Kunde.
22.06.2012 13:41
1 0

Re: Re: Am Rücken der Kunden

Mir hat einfach das Model gefallen, Karte kaufen und Aufladen, das war's und dort wo ich ohnedies die meisten Lebensmittel kaufe, das Produkt pur ohne Schnickschnack, ohne Bindung, ohne Vertrag, ohne Datensammelwut, der Preis selbst spielte eine sehr untergeordnete Rolle.

Das "3" und offensichtlich auch T-Mobil nichts damit zu tun haben wollen, obwohl Yesss! Kunden kaum wechseln, ist einerseits das die Kunden selbst kritisch sind, aber auch mit dem der dahinter steht nicht besonders gut Kirschen essen ist.

A1 paßt das offensichtlich weit mehr in den Kram, obwohl er dafür einen Preis zahlt der Wirtschaftlich kaum zu rechtfertigen ist, so koste ich mehr als ich im Jahr telephoniere, am Ende wird auch A1 ihre Yesss! Kunden haben, die Wettbewerbsaufsicht wird es einfach Zähnknirschend hinnehmen müssen, das es keine andere Lösung gibt.

Am Ende ist es mir Egal wer mich bekommt, mit der Sicherheit das die Firma die dahinter steckt mit sich sicher nicht Schlittenfahren läßt, diese hat einfach zu viele Zähne die verdammt gut beißen können!

Gast: stop monopolisierung
22.06.2012 08:41
2 1

Orange kann ja verkaufen, aber weder an Drei, noch an TMobile noch an TA


Antworten Gast: Edmund_Edmund
22.06.2012 14:08
0 0

Re: Orange kann ja verkaufen, aber weder an Drei, noch an TMobile noch an TA

Sie sind für das Modell Schweiz?

Möglichst viele Betreiber, am liebsten alle mit eigenem Netz?

In der Schweiz zahlen Sie bei Orange das vier- bis fünffache für einen Handyvertrag im Vergleich zu Orange Österreich.

Die Kosten für das Netz sind quasi immer gleich, egal wie viele Kunden darin sind.

Um die Netzkosten zurück zu verdienen brauchen Sie entweder hohe Einnahmen pro Kunde (Modell Schweiz), oder bei niedrigen Einnahmen pro Kunde dann eben mehr Kunden. Wenn alle Betreiber mehr Kunden haben sollen, dann heisst das weniger Betreiber.

Genau das passiert derzeit in Belgien und Deutschland:

"KPN stellt belgische Tochter BASE zum Verkauf"
http://www.wallstreetjournal.de/article/LL-CO-20120621-007393.html

"KPN hatte versucht, seine deutsche Mobilfunktochter E-Plus zu verkaufen, um Schulden abzubauen und die Übernahme abzuwehren. Offenbar wurde mit der spanischen Telefónica verhandelt, um O2 und E-Plus in Deutschland zu fusionieren."
http://www.golem.de/news/e-plus-mutterkonzern-am-rica-m-vil-kommt-bei-feindlicher-uebernahme-von-kpn-weiter-1206-92692.html

4 0

Schmiergeld

jetzt, wo die telekom so im rampenlicht vn schmiergeldaffären steht, tut sie sich schwer dieses thema mit schmiermitteln zu bereinigen.

früher mal wäre das ein fall für mp gewesen ;-)))

Smartphone aus Österreich

AnmeldenAnmelden