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Roaming: Das Phone darf im Urlaub smart bleiben

21.06.2012 | 18:12 |  Von Andreas Tanzer (Die Presse)

Amtliche Kostenbremsen und spezielle Urlaubspakete machen mobiles Internet in Europa erschwinglich. Wer ferner reist, nutzt besser Alternativen.

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Auf Facebook posten, Mails abfragen oder auf Google Maps ein Restaurant suchen – für Smartphonebesitzer Selbstverständlichkeiten, auf die man gerade im Urlaub nicht verzichten will. Wären nur nicht die hohen Roaminggebühren... Zumindest innerhalb der EU ist das Schreckgespenst der Horrorrechnungen nach dem Urlaub einigermaßen gebannt. Ab 1. Juli dürfen Telefonate zwischen den Mitgliedstaaten maximal 35 Cent pro Minute, gesendete SMS maximal zehn Cent kosten. Auch die Kosten für mobile Datenverbindungen sind mit höchstens 83 Cent pro Megabyte billiger geworden – können bei entsprechender Nutzung dennoch rasch teuer werden, auch weil der Datenkonsum schwerer einzuschätzen ist als die Gesprächszeit. In diesem Zusammenhang empfiehlt das Forum Mobilfunk, dass Eltern Kinder und Jugendliche auf die möglichen Kosten des mobilen Internets im Ausland aufmerksam machen. Um ruinöse Rechnungen zu verhindern, gilt innerhalb der EU ein Limit von 60 Euro. Wird dieses überschritten, so muss der Kunde erst bestätigen, bevor weitere Kosten anfallen können.

 

Pakete meist nur für Europa

Dennoch ist es ratsam, eines der Urlaubspackages der Provider zu buchen, falls man sein Smartphone im Ausland als solches nutzen will. Orange, seit längerem mit regulärem Europatarif, bietet Roamingpakete für Europa (ohne Überseegebiete) inklusive Liechtenstein, Schweiz, Norwegen und Island an. Die gleichen 31 Länder zählen auch bei T-Mobile und „3“ zu Europa.

Bei Orange stehen drei Datenpakete mit 50 MB bis zu einem GB für fünf bis 50 Euro zur Auswahl. T-Mobile bietet für Smartphones zwei Tagespässe, die für zwei oder fünf Euro drei oder 30 MB freischalten, 100 MB für eine Woche bekommt man um 20 Euro. Für Notebooks und Businesskunden gibt es Pakete mit jeweils doppeltem Datenvolumen zum doppelten Preis.

„3“ punktet in einigen Ländern, darunter Italien und Großbritannien, mit „3LikeHome“ – man telefoniert und surft wie zuhause. Daneben gibt es für Europa Datenpakete, ab 1. Juli von 20 MB/drei Euro bis 250 MB/19 Euro und ein Kombipaket mit 30 Minuten, 30 SMS, 30 MB und 5 MMS um neun Euro. Bei den Diskontern bietet Telering ein EU-Datenpaket mit 50 MB um 15 Euro.

Am weitesten herumkommen können Smartphone-User mit A1. Hier gelten die Roamingpakete in insgesamt 60 Ländern und anlässlich der EURO 2012 bis Ende August auch in der Ukraine. Limits und Preise liegen zwischen 100 und 600 MB für 15 bis 50 Euro. Alternativ gibt's für 30 Euro ein Set aus je 100 Minuten, SMS und MB. Zudem gilt das 60-Euro-Limit bei A1 ab 1. Juli weltweit.

Nach Erreichen der Paketgrenzen surft man bei fast allen Anbietern zu den teuren Normaltarifen. T-Mobile steigt als einziger nur auf die Bandbreitenbremse. Bei Orange, A1 und T-Mobile können die Pakete auch per SMS aus dem Ausland gebucht werden. Bei allen per Internet oder (Gratis-)Hotline. T-Mobile leitet seine Kunden im Ausland auf eine eigene Seite für Roamingangebote, noch bevor der Datenzähler tickt. In Zukunft soll es noch mehr Auswahl geben. Neben dem Fernziel, innerhalb der EU ganz auf Roamingaufschläge zu verzichten besteht der Plan der Entbündelung, sprich jeder Handynutzer soll Zusatzpakete jedes Providers nutzen können, und zwar mit seiner eigenen Rufnummer. Allerdings ab 2014 – frühestens.

 

Gratisalternative WLAN

Und was ist außerhalb der EU beziehungsweise in Ländern, für die es kein Roamingpaket gibt? Hier ist zuallererst Vorsicht geboten – je nach Land können selbst kurze Gespräche oder geringe Datenmengen noch immens teuer werden. Das gilt selbst für beliebte Urlaubsländer wie Türkei, Tunesien oder Kroatien. Hier bleibt der Rückgriff auf WLAN. Diese Alternative empfiehlt sich selbst mit Roamingpaket, sobald größere Datenmengen übertragen werden. An vielen Urlaubsorten finden sich in Cafés, Hotels und anderen Lokalitäten Hotspots, die frei zugänglich sind. In den USA etwa kommt man so meist recht gut zurecht, solange man nicht gerade Anwendungen wie Online-Navis nutzt. Überhaupt ist darauf zu achten, dass keine App von sich aus Daten austauscht, das heißt Datenroaming sollte generell deaktiviert werden. Selbst mit Roamingpaketen empfieht es sich, die Datenübertragung per Mobilfunk immer nur bei Bedarf zu aktivieren, da sonst eventuell Anwendungen im Hintergrund die oft knapp bemessenen Kontingente aufbrauchen. Vorsicht auch bei Pushmail – wenn große Nachrichten im Eingang auftauchen, sind sie bereits heruntergeladen.

Vor allem für längere Aufenthalte ist eine lokale Prepaid-Card überlegenswert. Damit sind die Kosten auch außerhalb der EU begrenzt. Nachteil: Man ist nicht unter der eigenen Nummer erreichbar. Und schließlich gibt es noch eine ganz verwegene Option: Das Smartphone mal für ein, zwei Wochen beiseite legen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.06.2012)

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