Nokia 808 PureView im Test: Was bringen 41 Megapixel?

Mit der bisher höchsten Auflösung bei einem Kamerahandy versucht Nokia Fotografen anzusprechen. Die Qualität ist in Ordnung, der Preis wird aber viele abschrecken.

Nokia PureView Test bringen
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Nokia PureView Test bringen
(c) Presse Digital (Daniel Breuss)

Dieses Handy ist ein Exot. Gar nicht einmal deswegen, weil es so schwer ist, auf das nicht mehr ganz zeitgemäße Symbian-System setzt oder einen Buckel auf der Rückseite hat. Nein, schuld daran ist das, was sich in diesem Buckel versteckt: Eine Kamera mit einem 41-Megapixel-Sensor. Das ist nicht nur für ein Handy sehr viel. Die derzeit höchste Auflösung bei Spiegelreflexkameras bietet Nikons D800 mit 36 Megapixel. Aber das Nokia 808 PureView nutzt in den meisten Fällen nicht die volle Pixelanzahl - mehr dazu später.

Schweres Geschütz

Einmal ausgepackt, fällt gleich das Gewicht des Geräts auf. Mit 170 Gramm gehört es definitiv zu den wuchtigsten Vertretern der Gattung Smartphone. Es fühlt sich aber wertig verarbeitet an, die griffige, raue Kunststoffrückseite liegt gut in der Hand. Der Kamerabuckel auf der Rückseite fällt besonders dann auf, wenn man es in die Hosentasche stecken will. Obwohl es nicht gerade klein ist, akzeptiert das Nokia 808 PureView nur Micro-SIM-Karten. Diese ist, genauso wie die optionale microSD-Karte nur dann erreichbar, wenn man den Akku entfernt.

Nokia 808 PureView: Die Bilder zum Testbericht

Bei einem Gerät, das sich mit der Aufschrift "41MP Sensor" rühmt, könnte man erwarten, dass auch das Display eine hohe Auflösung bietet. Dem ist aber nicht so. Mit 640 x 360 Bildpunkten unterbietet das Nokia 808 PureView viele andere Geräte in seiner Preisklasse. Diese ist mit 640 Euro (UVP, ohne Vertrag) nämlich sehr hoch angesetzt. Der kapazitive 4-Zoll-Touchscreen mit AMOLED-Technik sieht aber dennoch recht gut aus.

Symbian Belle

Apropos Anzeige. Hat man das Nokia 808 PureView Einmal aktiviert, begrüßt einen ein alter Bekannter: Das Symbian-Betriebssystem. In seiner aktuellen Ausprägung "Belle" und dank der Prozessor-Taktfrequenz von 1,3 Gigahertz ist es deutlich flotter als frühere Vertreter dieser Gattung. Dennoch ist es weit nicht so reaktionsfreudig wie aktuelle Smartphones mit Android-System, Apples iPhone oder auch Geräte aus Nokias eigener Produktion mit Windows Phone an Bord. Vor vier Jahren hätte Symbian Belle deutlich mehr Pluspunkte abräumen können.

Dabei funktioniert einiges ja recht gut. Die Karten-App ist von jeher eine der Stärken von Nokia, genauso wie die integrierte Offline-Navigation. Diese beherrscht sogar eine passable Spracheingabe für die Zielführung. Viele wichtige Anwendungen sind auf dem Nokia 808 PureView bereits vorinstalliert, darunter auch eine Variante des beliebten Spiels "Angry Birds". Der Nokia Store bietet zwar Nachschub, allerdings findet man weit nicht so viel wie für Konkurrenzplattformen. Und es gibt (scheinbare) Kompatibilitätsprobleme. Skype etwa wird (obwohl im Store verfügbar) gar nicht für das Nokia 808 PureView angezeigt. Lädt man es sich aber über Umwege per USB-Kabel aufs Handy und installiert es manuell, läuft die App problemlos.

41-Megapixel-Kamera mit 5-Megapixel-Fotos

Kommen wir aber nun zum Kernstück des Geräts, der Kamera. 41 Megapixel stehen drauf, aber 2, 5 oder 8 Megapixel kommen raus. Wieso das? Nokia nutzt eine Technik, bei der zwar die volle Auflösung genutzt wird, aus dieser werden aber mehrere Pixel zu einem "Superpixel" verdichtet. Das soll die Bildqualität erhöhen, insbesondere was Details betrifft. Außerdem lässt sich dadurch der Digitalzoom deutlich besser nutzen als bei anderen Geräten, da der Qualitätsverlust nicht so ins Gewicht fällt.

Soweit Nokias Versprechen. Im Test zeigte sich ein zwiespältiges Bild. Die PureView-Kamera ist bei guten Lichtverhältnissen und unbewegten Motiven nichts anderes als großartig. Der Detailreichtum, der bei den 5-Megapixel-Aufnahmen verfügbar ist, ist beeindruckend. Nokia will mit der Qualität von Spiegelreflexkameras mithalten und kann das bei guten Verhältnissen auch. Auch die kurze Auslöseverzögerung, egal ob über die Touchscreen-Schaltfläche oder die eigene Auslösertaste, fällt positiv auf. Kritisch wird es allerdings, wenn das Licht nicht mehr passt. Mischlicht, dunklere Umgebungen oder Reflexionen wirken sich gar nicht gut auf das Ergebnis aus. Auch bei bewegten Motiven muss man ehrlicherweise sagen, dass die Kamera versagt. Es gibt keine Möglichkeit, die Belichtungszeit zu variieren, auch eine Spot-Messung fehlt. Spitzlichter lassen sich nur mit einem Regler für die Belichtungskorrektur (heller oder dunkler) vermeiden.

Nokia 808 PureView: Die Bilder zum Testbericht

Natürlich lassen sich Fotos auch mit der vollen Auflösung aufnehmen. Allerdings führt das Nokia 808 PureView dann nur 38 (16:9) oder 35 Megapixel (4:3) als Auswahlmöglichkeit an. Wirklich sinnvoll ist das aber nicht. Einerseits werden benötigen die Bilder dann bis zu 20 Megabyte pro Stück an Platz. Andererseits ist mangels des Oversamplings die Qualität auch nicht so schön wie bei den kleineren Varianten. Recht angenehm im Test hat sich die 5-Megapixel-Version erwiesen. Sie bietet einen guten Mittelweg zwischen Auflösung, Qualität und Platzbedarf.

Fazit

Für wen ist das Nokia 808 PureView also geeignet? Hobbyfotografen, die 640 Euro auf der hohen Kante haben, werden diese eher in eine Systemkamera investieren wollen. Diese bieten deutlich mehr Freiraum bei der Bildgestaltung. Eine Einsteiger-Spiegelreflexkamera mit Objektiv oder eine sehr gute Kompaktkamera sind für diesen Preis locker drin, selbst wenn man den Straßenpreis von rund 600 Euro für das Nokia-Handy als Vergleich nimmt. Smartphone-Enthusiasten werden wohl eher zu einem Galaxy S3, HTC One X oder iPhone 4S greifen. All diese Geräte verfügen über gute Kameras (wenn auch nicht auf dem Niveau des Nokia 808 PureView), bieten aber deutlich mehr drumherum. Den Anspruch, eine eierlegende Wollmilchsau zu sein, kann das Gerät nicht erfüllen.

Was bleibt, ist eine Technologieübung für Nokia. Das PureView-System wurde fünf Jahre lang entwickelt. Der Exot ist aber vielleicht ein Hinweis darauf, wie Handykameras in Zukunft funktionieren könnten. Sofern die Technik stärker miniaturisiert werden kann, wäre es eine Freude, wenn in Zukunft alle Nokia-Smartphones sie beherrschen.

(db)

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