Nexus 4: Googles Preisbrecher-Flaggschiff im Test

04.12.2012 | 08:16 |  von Daniel Breuss (DiePresse.com)

Das von LG produzierte Smartphone weiß mit flotter Leistung und neuen Funktionen in Android 4.2 zu gefallen. Allerdings ist nicht alles optimal. DiePresse.com hat das Gerät getestet.

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Mit der steigenden Beliebtheit des Android-Betriebssystems steigen auch die Anforderungen der Nutzer. Google trägt dieser Entwicklung damit Rechnung, dass jedes Jahr ein neues Smartphone-Flaggschiff vorgestellt wird, das die Vorzüge der zu dem Zeitpunkt aktuellen Android-Version präsentieren soll. Aktuell nennt sich das Gerät Nexus 4 und wird von LG produziert. DiePresse.com hat vom Mobilfunker 3, der das Gerät vorerst exklusiv anbieten wird, ein Testexemplar erhalten und geprüft, ob es mit der deutlich teureren Konkurrenz mithalten kann.

Günstig aber schwer verfügbar

Der größte Nachteil des Nexus 4 ist derzeit wohl seine Verfügbarkeit. "Ausverkauft", "lieferbar ab ..." oder einfach nur "coming soon" heißt es bei den Händlern. Österreichische Kunden müssen ohnehin auf diese zurückgreifen, da der Verkauf über den Google Play Store hierzulande nicht funktioniert. Über Deutschland könnte man sich das Gerät für 299 beziehungsweise 349 Euro besorgen, je nachdem ob man 8 oder 16 Gigabyte Speicher haben möchte. Bei den Händlern kostet das Nexus 4 bereits rund 400 Euro für die Version mit 16 GB - die auch die zu empfehlende Variante ist.

Nexus 4: Die Bilder zum Testbericht

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Ungewöhnliche Rückseite

Rein äußerlich reiht sich das neue Nexus-Modell in die Riege der schwarzen Monolithen. Die andernorts erwähnte Ähnlichkeit mit dem Vorgänger Galaxy Nexus besteht nur insoweit, als dass sehr viele Smartphones heute sich ähnlich sehen - Stichwort "Quader mit runden Ecken". Eine Besonderheit hat sich LG aber mit der Rückseite einfallen lassen. Unter deren Glasoberfläche befinden sich unzählige winzige Quadrate, die das Licht je nach Einfall anders reflektieren. Ein bisschen erinnert das an die Code-Säulen, die im Kultfilm "Matrix" über den Bildschirm geflackert sind. Einen Sinn hat das nicht, es macht das Nexus 4 aber eindeutig identifizierbar - zumindest von hinten. Aufgrund des Designs ist das Nexus 4 recht glatt und liegt nicht so angenehm in der Hand wie etwa der Vorgänger Galaxy Nexus. Dafür wirkt es optisch ansprechender.

Großer Bildschirm ohne "Zuckerloptik"

Mit fast 140 Gramm bei 134 x 69 x 9 Millimetern entspricht das neue Google-Flaggschiff den gängigen Smartphone-Boliden. Die Größe ist auch erforderlich, um den 4,7-Zoll-Touchscreen unterzubringen. Dieser bietet unter einer Schicht Gorilla Glas eine Auflösung von 1280 x 768 Bildpunkten. Im Gegensatz zu den von Samsung und manch anderen Herstellern favorisierten AMOLED-Displays ist das hier genutzte Panel mit IPS-Technologien weniger kontrastreich, bietet aber dennoch ein vergleichsweise sattes Schwarz und in den Augen der Redaktion die realistischere Farbdarstellung. Insbesondere bei Samsung sind die Farben oft stark übersättigt. Das hat dem Nexus 4 bei manchen Testern den Ruf eingehandelt, es würde "flaue" Farben anzeigen. Diesen Eindruck können wir aber nicht bestätigen.

Vier Kerne für flotte Leistung

Im Inneren des Smartphones werkt ein Quad-Core-Prozessor vom Typ Snapdragon S4 ("Krait"), der mit 1,5 Gigahertz getaktet ist. Er sorgt zusammen mit der modernen Adreno-320-Grafikeinheit für ordentlich Leistung. Das Nexus 4 reagiert auf jegliche Eingaben blitzschnell, Apps und auch anspruchsvolle Spiele werden flüssig wie selten ausgeführt. Das war auf Android-Geräten nicht immer selbstverständlich. Auch Datendienste werden mit HSPA+, sofern verfügbar, flott abgewickelt. LTE ist nicht dabei, obwohl findige Nutzer herausgefunden haben, dass der Funkchip die Technik unterstützt - allerdings nur auf einem Frequenzband, das in Österreich nicht für LTE genutzt wird.

Handwärmer mit unterdurchschnittlichem Akku

Die ganze Hightech im Nexus 4 führt dazu, dass das Gerät unter Belastung gerne recht warm wird, insbesondere im Bereich der Kamera, neben der LG auch den Prozessor auf die Platine gelötet hat. Zehn Minuten "Angry Birds Space" reichen, um das Handy auf eine ungewöhnlich hohe, aber nicht zwingend unangenehme Temperatur zu bringen. Und natürlich will das Gerät dann auch Strom. Nach rund zwölf Stunden Nutzung (je 40 Minuten Spotify auf dem Weg Arbeit/Wohnung, gleichzeitig Spielen in der U-Bahn, dazu Bluetooth-Audio, Push-E-Mail konstant aktiviert, ein paar kurze Telefonate, sonst Standby) war die Akkukapazität auf 20 Prozent gerutscht. Der eingebaute 2100-mAh-Akku ist jetzt nicht gerade unterdimensioniert. Dennoch ist die Laufzeit nicht gerade das Highlight des Nexus 4.

Android 4.2 mit neuen Funktionen

Dieses ist das neue Betriebssystem. Android 4.2 "Jelly Bean" kommt ab Werk mit dem neuen Smartphone und soll darauf besonders glänzen. Gleich beim Aufwecken des Geräts aus dem Standy-Modus fallen zwei Neuerungen auf: Das geänderte Design der Uhr-App. Und dass kurz links und rechts zwei Rahmenlinien aufblitzen. Diese deuten an, dass die Software nun gewissermaßen auch Home-Screens im Sperrbildschirm besitzt. Google nennt das "Lock Screen Widgets". Die Uhr und die Kamera-App sind bereits angelegt, die aktuell aktivierte Musik-App wird automatisch angezeigt. Wahlweise lassen sich auch der Kalender und die Posteingänge von Gmail und SMS anzeigen lassen. Bei diesen beiden macht es aber wohl kaum Sinn, dann noch ein Sperrmuster oder einen Code einzugeben, wenn man Teile seiner persönlichen Informationen so offen legt. Weitere Lock Screen Widgets sind über den App Store erhältlich.

Panorama und "Photo Sphere"

Die Kamera-App bietet gleich weitere Neuerungen. Die Einstellungen sind jetzt über einen langen Fingerdruck erreichbar, was die Bedienung erheblich beschleunigt. Und Google hat einen 360°-Panorama-Modus eingebaut, der sogar eine Kugelansicht ermöglicht, wenn man genügend Fotos an einander stückelt. Die dann entstehende "Photo Sphere" funktioniert aber in engen Räumen weniger gut, da sich die einzelnen Bilder gelegentlich mehr störend als nützlich überlappen. Ein Stativ ist für diese Funktion empfehlenswert. Die Bildqualität ist in Ordnung, wenn auch nicht überragend. Seit dem Galaxy Nexus hat sich aber einiges getan. Allerdings gibt es immer wieder Aussetzer beim automatischen Weißabgleich bei schlechten Lichtverhältnissen, so dass aus Menschen auf einmal grüne Marsmännchen werden. Wenn er funktioniert sind die Farben aber recht natürlich. Der Autofokus könnte flotter sein.

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Auch die Tastatur hat etwas neues dazugelernt. Ähnlich wie beim separat erhältlichen Swype lassen sich Wörter einfach eingeben, indem man mit dem Finger über die jeweiligen Buchstaben wischt. Das funktioniert erstaunlich flott und zuverlässig. Generell wird Android immer stabiler und schneller. Was Googles Entwickler hier seit 2008 aufgebaut haben, ist beeindruckend und schlägt sich auch im exponentiellen Erfolg des Betriebssystems nieder.

Fazit

Das Nexus 4 ist zweifellos das beste Nexus-Smartphone, das bisher veröffentlicht wurde. Nach dem Nexus One (HTC), Nexus S und Galaxy Nexus (beide Samsung) ist mit LG nun der dritte Hersteller an der Reihe gewesen um das vierte Android-Flaggschiff zu bauen. Das kann vor allem eines: Die Latte für das Wort "günstig" ordentlich nach unten senken. Geräte vom Schlag eines Nexus 4 sind sonst ab 600 Euro ohne Vertrag erhältlich. Kein Wunder, dass das Gerät derzeit vergriffen ist. Allerdings ist nicht alles rosig. Die Akkulaufzeit ist leicht unterdurchschnittlich, die Kamera verhaut manche Aufnahmen gehörig. Wer auf ein flottes Smartphone mit einem ansprechenden Display steht, wird aber mit dem neuen Smartphone glücklich werden - oder wer für die kalte Jahreszeit einen Handwärmer sucht.

(db)

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18 Kommentare
4 10

Billig-iPhone

Der niedrige Preis ist das einzige Argument für Samsung. Wer diese Software Samsung Kies je einmal verwenden musste, weiß, warum er Apple kaufen wird

Samsung spart bei der Software, daran leidet man, solange man Samsung verwendet.


Re: Billig-iPhone

Was hat Kies mit dem Nexus 4 zu tun? Nichts! Das gerade ist ja der Vorteil von einem "reinen" Android-Smartphone wie dem Nexus 4 von Google. Aber wichtig ist es solche Geräte unqualifiziert madig zu machen und für Apple zu werben, obwohl in dem ganzen Artikel Apple bzw. dessen Smartphone nicht 1x vorkommt.

Re: Billig-iPhone

bin auch für Apple, aber das nexus 4 ist von LG und nicht von Samsung! also geben Sie ihren Senf nur dazu, wenn Sie Ahnung von der Materie haben! Echt peinlich sowas!

Re: Billig-iPhone

Für was braucht man das?
Usb-Treiber und myphoneexplorer...
Musik direkt drauf und aus. Kein root, kein Pfusch! und alle Termine in mykalender und konten synced!

4 2

auffällig...

dieser Bericht ist jetzt schon seit ca. 5 Tagen immer auf der ersten Seite der Technik News - wenn schon Werbung, dann auch bitte deklarieren!


2 10

Schweinerei

also Android ist vertrottelt... es ist zb irre umstaendlich seine android phone Kontakte auf google Kontakte in der cloud zu bringen... ein Wahnsinn...stundnlange Zeitverschwendung.... die letzte Kaperung von elektronic banking Daten lief ueber Android...waere auf iOS nie moeglich...Android ist unsicher und im Detail ein krank umstaendlicher Albtraum!

@DiePresse Daniel Breuss

Ich empfehle ihnen folgenden Fachartikel:

„Schnöseldeutsch mit wissen zu und Infinitiv“

http://www.belleslettres.eu/artikel/wissen-zu-mit-infinitiv.php

14 0

In Deutschland zu kaufen aber "Lieferung nur innerhalb Deutschlands"

Die Staaten haben die Grenzen abgebaut aber die Konzerne errichten sie wieder wenn es ihnen in den Kram passt.

akkulaufzeit

hab einen test gesehen, wo das iphone 5 bei vollbelastung schlechter aussteigt. kann das wer bestätigen?

5 0

Re: akkulaufzeit

Ich hab letztens einen Test gelesen, bei dem heraus kam, dass ein 911er mehr verbraucht als ein Polo Diesel.
Hilft ihnen das weiter?

Re: Re: akkulaufzeit

einmal Apple immer Apple egal was kommt!

Re: Re: Re: akkulaufzeit



jetzt apple, aber danach keine billige applekopie (android).

jetzt Apple, danach lumia

Galaxy Nexus 4

Hat jemand hier eine Ahnung wo man sich das Teil am besten besorgt ?

Denn scheinbar ist Google gerade dabei ganz Österreich zu übergehen.

Also wer ein paar Infos hat wo man das LG Google Nexus 4 bekommt, nur raus damit :)


Re: Galaxy Nexus 4

Ist leider nicht möglich, da Google schon vollkommen überfordert mit USA GB und Deutschland ist, da sie viel zu wenig produzieren. Ich würde noch ein wenig abwarten, bis Januar oder Februar.

Re: Galaxy Nexus 4

bei 3.

Re: Re: Galaxy Nexus 4

Ich meinte ohne Vertrag.

Re: Re: Re: Galaxy Nexus 4

Momentan gar nicht.

http://geizhals.at/eu/859912

1 1

?

Ob dieser Androide wohl "native" Videotelefonie über 3G-324M unterstützt?

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