HTC Wildfire S im Test: Sympathiezwerg mit Defiziten

Das kleinste Android-Handy der Taiwanesen punktet durch seine Hosentaschentauglichkeit, büßt aber in anderen Punkten ein. Unter anderem bei Leistung, Kamera und Display.

Wildfire Test Sympathiezwerg Defiziten
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Wildfire Test Sympathiezwerg Defiziten
(c) Presse Digital (Daniel Breuss)

Schnuckelig ist es ja, HTCs neues Mini-Smartphone.  Aber, wie so oft, wenn es darum geht, ein Extrem zu erreichen, hat die Schrumpfungskur ein paar Nachteile. Doch dazu später. Es geht um das Wildfire S, ein Gerät aus der immer größer anschwellenden Android-Armada des taiwanesischen Herstellers. Als direkter Nachfolger des Wildfire aus dem Vorjahr versucht das Handy, die Vorzüge von Smartphones in einem kompakten Format zu bieten.

Kleines Gehäuse, kleine Auflösung

Es wiegt 105 Gramm und misst 10 x 6 x 1,2 Zentimeter, sollte sich also auch für enge Hosentaschen eignen. In der Hand liegt das Gerät sehr angenehm und erinnert fast schon an nostalgische Zeiten, in denen nicht jedes Gerät unbedingt einen 4-Zoll-Bildschirm besitzen musste. 3,2 Zoll dürfen es beim Wildfire S sein, wobei die Auflösung mit 480 x 320 Pixel doch eher gering ist. Immerhin eine Verbesserung zu den 320 x 240 Bildpunkten des Vorgängermodells, aber dennoch klar hinter dem aktuellen defacto-Standard von 800 x 480.

HTC Wildfire S: Sympathiezwerg mit Defiziten

Letzteres hat auch negative Auswirkungen auf die Nutzung von Apps. Zwar gibt es die Möglichkeit, Android-Software auch für mehrere Auflösungen zu optimieren. Viele Entwickler setzen aber nur auf die gängigste Variante. Das Ergebnis: Zahlreiche Apps, darunter auch beliebte Spiele, sind "für Ihr Gerät nicht verfügbar". Das Display hat noch einen weiteren Haken. Man sieht auch aus relativ weiter Distanz einzelne horizontale Pixel-Linien. Dass es im Sonnenlicht kaum nutzbar ist, hat das Wildfire S leider mit fast allen gängigen Smartphones gemein.

Vertraute Innereien

Bei der restlichen Hardware setzt HTC Komponenten von der Stange ein. Der 600-Megeahertz-Prozessor ist schon längst bekannt und nicht mehr allzu frisch, auch die 512 Megabyte Speicher und RAM sind schon in anderen Modellen zu sehen gewesen. Dementsprechend langsam zeigt sich das Gerät auch im Vergleich zu seinen größeren Geschwistern. Leider hat der Hersteller auch beim Akku gespart, er bietet eine etwas geringere Kapazität als das Vorgängermodell. Ein direkter Vergleich der Akkulaufzeiten war im Rahmen des Tests leider nicht möglich. Allgemein hielt sich das Wildfire S aber durchaus wacker bei durchschnittlicher Beanspruchung.

Android mit Überzug

Bei der Software wird die aktuelle Android-Version 2.3.3 "Gingerbread" eingesetzt. Wie üblich hat HTC seine Benutzeroberfläche "Sense" darübergezogen. Deren Details wurden schon im Test des größeren Modells Desire S näher beschrieben. Allerdings musste HTC auch ein paar Funktionen entfernen. So fehlt etwa die Klangverbesserung für den Musikplayer. Er macht an sich einen guten Sound, die mitgelieferten Kopfhörer verderben diesen aber wieder zu einem blechernen Quaken.

Eingeschränkte Kamerafunktionen

Bei der Kamera gibt es keine Überraschungen. Sie bietet die von anderen HTC-Modellen bekannten Funktionen und wie beim Desire S eine Auflösung von 5 Megapixel mit Autofokus und LED-Blitz. Eine Frontkamera fehlt allerdings, Videochats oder -telefonate sind damit nicht möglich. Etwas kastriert wirkt die Videofunktion. Lediglich VGA-Qualität (640 x 480 Pixel) ist maximal möglich, eine Einstellung, um Videos in HD aufzunehmen, geht gänzlich ab.

Fazit

Im Vergleich zu seinen großen Brüdern aus dem Hause HTC wirkt das Wildfire S recht billig. Ist es auch. Mit einem Straßenpreis von rund 240 Euro ist es 100 Euro billiger als das nächstgrößere Modell, das Desire S. Allerdings ist das auch schon recht kompakt und bietet in vielen Bereichen schlichtweg mehr. Gigahertz-Prozessor, HD-Videoaufnahmen und eine Frontkamera, sowie die deutlich höhere Displayauflösung sprechen eher für das Desire S. Wem diese Punkte aber weniger wichtig sind, der wird mit dem Wildfire S auch seine Freude haben. Immerhin, die eingesparten 100 Euro kann man anderswo sicher gut einsetzen.

Ein Problem bleibt aber, und dem kann sich kein HTC-Smartphone entziehen. Die Update-Frage. Im Gegensatz zu den Geräten mit purem, unveränderten Android benötigt HTC Zeit, um die neueste Systemversion mit seiner Sense-Oberfläche anzupassen. So müssen Besitzer eines HTC Desire aus dem Vorjahr immer noch auf das "Gingerbread"-Update warten.

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