Smart Homes: Die Zukunft des Wohnens

Kaffeemaschine, Bügeleisen, Herd oder Heizung mit dem Smartphone bedienen – das ist schon längst möglich, jedoch in den wenigsten Haushalten üblich. Zwei Wiener Start-ups wollen das ändern und zeigen, dass Smart Homes nicht nur komfortabel, sondern auch energieeffizient sein können.

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Es klingt nach einem perfekten Start in den Tag: Der Wecker läutet, die Rollos öffnen sich wie von Zauberhand, das Radio schaltet sich ein, und der Lieblingssender läuft. Trotz der Kälte draußen ist es in der Wohnung wohlig warm, denn die Heizung hat sich, während man selbst noch tief und fest schlief, von allein eingeschaltet. Man verlässt gut gelaunt das Haus, auf dem Weg in die Arbeit muss man sich nicht ständig fragen, ob der Herd abgedreht ist, denn ein Blick auf das Smartphone genügt, um alle Geräte zu kontrollieren.

Das, was wie ein schöner Traum klingt, ist in Smart Homes schon längst Realität. Smart Homes sind Häuser und Wohnungen, in denen verschiedenste Geräte vernetzt und kontrolliert werden können. Simon Hönegger ist einer der Gründer des Wiener Start-ups Guh und überzeugt davon, dass intelligentes Wohnen auch in Mitteleuropa bald Standard sein wird.

Während eines Auslandsemesters in Südkorea wurde er auf Smart Homes aufmerksam. Damals studierte er noch mit Guh-Mitgründer Bernhard Trinnes Mechatronik auf der FH Technikum Wien. „In Asien sind Hausroboter nichts Ungewöhnliches mehr, Smart Homes sind dort alltäglich geworden. Eigentlich ist der Begriff dort schon wieder out“, so Hönegger. Österreich scheint davon aber noch weit entfernt zu sein. Das junge Team von Guh will das aber ändern. Und zwar mit einem Drehknopf namens Tune, der wie ein Lichtschalter funktioniert und jeden Haushalt in ein Smart Home verwandelt. Über Tune lassen sich verschiedene Geräte, wie zum Beispiel Kaffeemaschine, Fernseher oder Beleuchtung, verbinden und steuern. Eine Verkabelung ist dafür nicht notwendig, der Drehknopf wird einfach anstelle eines herkömmlichen Lichtschalters eingesetzt. Das Guh-Team glaubt daran, dass Menschen, obwohl sie immer mehr mit dem Handy erledigen, nie ganz auf Haptik verzichten werden wollen, deswegen versucht es beides miteinander zu kombinieren: „Wenn man nach Hause kommt, ist es einfach natürlicher, zum Lichtschalter als zum Handy zu greifen, um das Licht einzuschalten“, ist Hönegger überzeugt.

Tune soll den Handlungsspielraum eines regulären Lichtschalters einfach erweitern. Das Gehirn von Tune ist eine intelligente Software namens GuhOS. Sie ist offen für sämtliche Hersteller, kann über Plugins jederzeit erweitert werden und per Handy oder Computer bedient werden. Fast wöchentlich unterstützt die Software neue Geräte. „Die Zukunft ist Open Source“, sagt Simon Hönegger überzeugt.

Der Knopf, der lernt. Neben der Benutzerfreundlichkeit ist dem Guh-Team bei der Entwicklung ihrer Produkte eines besonders wichtig: Der Mensch mit seinen Gewohnheiten und Bedürfnissen. So kann man Tune Raumstimmungen oder Moods sehr einfach einlernen. „Für uns stellt sich immer die Frage, wie Mensch und Technik interagieren und nebeneinander leben können – das ist für uns eine emotionale Frage“, so Hönegger. Tune ermöglicht es, für jede Situation die perfekte Raumstimmung zu schaffen. „Kommt man von der Arbeit nach Hause, genügt ein Knopfdruck, und man kann entspannt den Feierabend genießen“, so Hönegger. „Der richtige Film läuft schon – nur das Gläschen Wein muss man sich noch selbst holen.“.

Dass in Smart Homes nicht nur das Wohnen gemütlicher wird, sondern auch Energie und Geld gespart werden kann, das zeigen die Produkte des Wiener Start-ups Twingz. Gründer Werner Weihs-Sedivy und sein Team bieten Geräte zum Monitoring und zur Optimierung elektrischer Energie an, wie etwa den sogenannten E-Butler oder den E-Coach. 2011 hat Twingz eine umfangreiche Konsumentenbefragung gestartet, um den Bereich zu finden, der Menschen im Umgang mit technischen Geräten besonders interessiert, erzählt Werner Weihs-Sedivy. Dabei stellte sich heraus, dass die Nachfrage nach neuen Formen des Energiemanagements besonders groß ist: „Viele Menschen wollen weniger Geld für Energie ausgeben und gleichzeitig CO2-bewusster leben. Hier helfen die Produkte von Twingz weiter, denn mit dem E-Butler und E-Coach kann man seine Haushaltsgeräte nicht nur energieeffizient steuern, sondern auch mit ihnen kommunizieren.“ Weihs-Sedivy und sein Team wollten von Anfang an ein „Twitter für Dinge“ erschaffen: „Denn viele Dinge um uns herum hätten Wichtiges zu berichten, wenn sie das nur könnten“, so der CEO. Mit dem E-Coach lassen sich beispielsweise die Geräte im Haushalt finden, die besonders viel Strom verbrauchen, gleichzeitig schlägt der E-Coach Möglichkeiten vor, wie man mehr Energie sparen kann.

Die App überwacht den Verbrauch. Das Produkt E-Coach besteht aus einem Gateway, das mit dem Internet verbunden wird, als auch einem Sender- und Datenlogger, der am Stromzähler befestigt wird.

Über eine Gratis-App lässt sich der Stromverbrauch im Haushalt beobachten. Je länger die App in Betrieb ist, desto genauer werden ihre Ergebnisse. „Nach und nach bekommt man Hinweise, wie man den Energiehaushalt kostengünstiger gestalten und den CO2-Ausstoß reduzieren kann. Der E-Coach ist ein aktiver Fitnesstracker für den Energiehaushalt, also so etwas wie Runtastic für elektrische und thermische Energie“, so Weihs-Sedivy.

In Form von Text-Messages lassen sich Echtwerte aus dem inneren Betriebszustands der Geräte kommunizieren, so erfährt man etwa, wann der Wäschetrockner oder die Waschmaschine wieder gewartet oder entkalkt werden muss. Der E-Coach interpretiert Monitoringergebnisse und wandelt diese in Hinweise um, die über Smartphone oder Tablet kommuniziert werden.

Ferngesteuerte Haushaltsgeräte.Das zweite Twingz-Produkt ist der E-Butler. Dieser erweitert die Funktionen des E-Coach und setzt die von ihm kommunizierten Hinweise in konkrete Steuerungsimpulse um. Mit ihm lassen sich Geräte über die Message-Plattform fernsteuern.

Ob Klimaanlage, Heizung oder Wärmepumpe, auch wenn man nicht zuhause ist, kann man mit Hilfe des E-Butler alle Haushaltsgeräte kontrollieren und mit ein paar Handgriffen über das Smartphone steuern. „Wenn man sich wieder einmal am Flughafen fragt, ob das Bügeleisen wirklich aus ist, kann man in Zukunft per Twingz das Bügeleisen direkt fragen oder ausschalten“, so Weihs-Sedivy. Der Service läuft über eine eigens entwickelte Cloud, dort kann man auch seine Ergebnisse mit anderen sharen, wenn man will. Obwohl die Nachfrage nach energieeffizienten Smart-Home-Produkten in Österreich im Vergleich zu Ländern wie Deutschland, Großbritannien und Tschechien noch nicht all zu groß ist, ist Weihs-Sedivy davon überzeugt, dass Twingz auch hierzulande Erfolg haben wird.

Dass zumindest Bedarf besteht, darauf deutet die Crowdfunding-Kampagne zur Herstellung des E-Butlers hin: Innerhalb kurzer Zeit konnte das Start-up das Dreifache des notwendigen Budgets einsammeln.

Schlauer Wohnen

Guh. Mit Hilfe des Drehknopfs Tune wird der Haushalt in ein Smart Home verwandelt. Tune verbindet und steuert Geräte wie zum Beispiel Kaffeemaschine, Fernseher oder die gesamte Beleuchtung. Die Produktion von Tune soll Ende August mit einer Kickstarter-Kampagne vorfinanziert werden. Im Frühjahr 2016 sollen die ersten paar Hundert Stück ausgeliefert werden.
www.guh.guru
Twingz.
Mit dem E-Coach des Start-ups lassen sich Geräte im Haushalt finden, die besonders viel Strom verbrauchen, der E-Coach schlägt dann Möglichkeiten vor, wie man mehr Energie sparen kann. Mit dem E-Butler lassen sich Geräte über das Smartphone fernsteuern. Erhältlich ist der E-Coach über den Webshop der Vertriebspartner, der E-Butler wird im kommenden Herbst gelaunched.
twingz.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.06.2015)

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