Smarte Lösungen für die Stadt

Sie helfen Autofahrern einen Parkplatz zu finden und bringen wetterabhängigen Öko-Strom günstig zum Verbraucher. Immer mehr Start-ups versuchen, das Leben in Städten effizienter und angenehmer zu gestalten.

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Parklücke – (c) Stanislav Jenis

Jeder, der in Wien ein Auto besitzt, kennt die Situation: Man kommt am Ende eines langen Wochenendes nach Hause, will das Auto nur mehr einfach parken und kurvt dann noch einmal 20 Minuten im Grätzel herum, weil partout keine Parklücke frei werden will. Und die, die frei wird, hat man gerade eben versäumt – der nächste fährt schon rein.

So einen Moment erlebte Christian Adelsberger, als er vor zweieinhalb Jahren nach einem Urlaub in Zagreb mit seiner Frau und seinem kleinen Sohn in Wien ankam. Vier Stunden Fahrt – und dann musste er noch einmal eine halbe Stunde in Wien herumkurven, bis er einen Parkplatz fand.

Das muss doch anders zu lösen sein, überlegte der heute 39-Jährige damals, und begann sich verschiedene Techniken anzusehen. Herausgekommen ist Parkbob, eine App, die den Wienern freie Parkplätze anzeigen soll.

Wichtiges Werkzeug dabei ist das Smartphone. Die Autofahrer sind bei Parkbob nicht nur die Nutzer, sondern auch die Informationensammler. Wer die App herunterlädt, aktiviert fünf Sensoren, die mittlerweile standardmäßig im Smartphone integriert sind.

Sie scannen die Umgebung automatisch nach freien Parkplätzen, die Technik macht es möglich. „Das Service ist völlig anonym. Wir sammeln Parkplatzdaten und keine Userdaten. Bei Parkbob muss man sich nicht mal anmelden“, erklärt Adelsberger das System. Das Bewusstsein für Datensicherheit wird immer größer, das weiß auch er.

Intelligente Auswertung. Die Rohdaten, die die Start-up-Zentrale erhält, werden dann „intelligent“, wie er sagt, weiterverarbeitet. „Nur weil ein Parkplatz frei wird, heißt das ja noch nicht, dass man da parken darf.“

Deswegen werden die Daten analysiert: Handelt es sich um einen Behindertenparkplatz, einen Anrainerparkplatz, eine Ausfahrt etc. Möglich ist das mit einem Abgleichen von Geoinformationsdaten. „Die haben wir mühsam gesammelt“, sagt Adelsberger, der Hornbrille und Vollbart trägt. Einerseits von der Stadt Wien, die die Daten im Rahmen von Open-Government-Projekten zur Verfügung stellt, andererseits hätte man Studenten engagiert, die tatsächlich vor Ort die Parkplätze begutachteten. Als letzte Zutat wird dann noch berechnet, wie lange der Parkplatz mit großer Wahrscheinlichkeit frei sein wird. Im ersten Bezirk ist er schneller weg als in den äußeren Bezirken. Am Sonntag ist sowieso das ganze Parkverhalten anders. Am Ende schlägt das System dem Nutzer mögliche Parkplätze vor.

Die Sache hat freilich einen Nachteil. Damit auch genügend Parkplätze vorgeschlagen werden, braucht Parkbob zirka 40.000 Nutzer. Weswegen die App im September nur im Softlaunch startet. Heißt, vorerst werden nur Features wie eine Warnung, wenn man falsch parkt (etwa am Anrainerparkplatz) oder wenn das Parkticket abläuft, bereitgestellt. Die Parksuchfunktion soll erst im Dezember online gehen. In der Zwischenzeit setzen Adelsberger und sein sechsköpfiges Team (mehr als die Hälfte sind Frauen mit internationalem Backround, eine Tatsache, die er in der männerlastigen Start-up-Szene gerne betont) auf Partnersuche. Wie die Firma Car2Go, die aufgrund einer Partnerschaft ständig Rohdaten an die Start-up-Zentrale im 20. Bezirk schickt.

App soll gratis bleiben. Bereits jetzt sammeln Adelsberger und sein Team die Parkplatzdaten von Städten in München und Zürich. Langfristig sollen die Metadaten (etwa das Wissen um Ladezonen in der Stadt) das Überleben des Unternehmens sichern. Parkbob will die Geoinformationsdaten an Unternehmen verkaufen, für die diese einen Mehrwert haben. Automobilhersteller und Navigationshersteller etwa. Für die User soll die App kostenlos bleiben. „Wir sagen, ihr generiert die Infos. Da kann man dann nicht auch noch was verlangen“, sagt Adelsberger.

Durch die App sollen die User sich aber nicht nur Ärger ersparen. 20 bis 25 Prozent des innerstädtischen Verkehrs (in Wien wären das die inneren Bezirke) kommt laut mehreren Studien durch parkplatzsuchende Autofahrer zustande. Fällt die Suche weg, dann werden auch die Abgase weniger.

Adelsberger ist damit nicht der Einzige, der mit seinem Start-up das Leben in der Stadt intelligenter und vor allem effizienter gestaltet will. Die Stadt Wien rühmt sich seit geraumer Zeit, eine Smart City sein zu wollen und hat mit Projekten wie der Digital City Vienna auch entsprechende Initiativen gesetzt. Der Bedarf ist da. Laut Schätzungen der UN werden in 35 Jahren zwei Drittel der Menschen in Städten leben. Knappe Ressourcen sinnvoll zu nützen steht ganz oben auf der Liste jeder „schlauen“ Stadt. Hier setzt auch das Wiener Start-up Awattar an.

Wetterabhängiger Strom. Das Start-up will den Österreichern beim Stromsparen helfen – und gleichzeitig das effiziente Nutzen von erneuerbarer Energie fördern. Am Anfang des Unternehmens stand auch hier eine Beobachtung, die Firmengründer Simon Schmitz gemacht hat. Bei schönem Wetter und viel Wind produzieren Solar- und Windkraftwerke mittlerweile so viel Strom, dass in Summe mit anderen Kraftwerken ein Überschuss produziert wird. Das lasse sich auf der Börse nachvollziehen, wo die Strompreise bei Schönwetter regelmäßig fallen, erzählt Kogründer Peter Votzi.

Awattar will diese Energie nun besser nützen. Und ist damit in einem ersten Schritt ein Öko-Stromlieferant. Beim Tarif Hourly wird der Strompreis stündlich abgerechnet. Voraussetzung dafür ist ein Smartmeter, das laut EU-Verordnung 95 Prozent aller Stromzähler bis 2019 haben müssen. Je mehr stromfressende Geräte wie Geschirrspüler oder Waschmaschine zu windigen, sonnigen Stunden benutzt werden, desto billiger wird es. Der Strompreis steht am Vortag fest, man kann sich also aktiv danach richten.

Freilich, das klingt nicht ganz praktikabel, das weiß auch Votzi. Weswegen sich Awattar gleichzeitig auf die automatisierte Verlagerung des Stroms zu günstigem spezialisiert hat.

Ein erster Schritt ist der Syncer, ein Gerät, das Wärmepumpen effizient zu den billigsten Ökostromstunden betreibt. Beim Verbrauch eines Durchschnittsösterreichers könne der Syncer mit dem Hourly-Tarif eine Einsparung von bis zu 30 Prozent bedeuten, wirbt das Unternehmen. Verglichen wurde der Wert mit dem firmeneigenen Monatstarif Monthly, wo monatlich abgerechnet wird und kein Smartmeter Voraussetzung ist. Aber auch gegenüber anderen Anbietern kann der wetterabhängige Strom Vorteile bringen.

Ein Preisgefälle zwischen Winter (weniger Sonne) und Sommer gäbe es laut Votzi zwar, der sei aber geringer als man glauben möge. „Im Winter und Herbst gibt es etwa mehr Wind, und nur weil es im Sommer heiß ist, heißt das nicht, dass durch die Hitze mehr Strom erzeugt wird“, sagt Votzi.


Neue Geräte geplant. Das Angebot von Awattar ist erst seit Anfang April 2015 auf dem Markt – österreichweit – und stößt auf Nachfrage. Derzeit bekäme die Firma laut Votzi etwa zwei bis drei Neuanmeldungen pro Tag. Überrascht hätte Simon Schmitz und ihn, dass gerade seitens Klein- und Mittelbetrieben die Nachfrage groß sei. Die Einsparungen sind dort am größten, erklärt Votzi. Weswegen das Start-up derzeit vermehrt mit Restaurants und Gewerbebetrieben zusammenarbeitet, um Geräte zu entwickeln, die den Firmen helfen, ihren Stromverbrauch automatisiert zu optimieren.

Doch nicht nur sie sind die Zielgruppe der beiden Gründer, die sich in Wiens Start-up-Drehschreibe ImpactHub kennengelernt haben. Auch für Privatpersonen sollen weitere Geräte entwickelt werden, die das Nutzen des wetterabhängigen Stroms leichter machen. „Jeder Art von Speicher“, könne sich dafür eignen, sagt Votzi. Langfristig ist es auch ihr Ziel, den Nutzern so viel Zeit und Nerven wie möglich zu ersparen.

Smarter leben

Parkbob will genervten Städtern helfen, einen Parkplatz zu finden. Das funktioniert aber nur, wenn in Wien 40.000 User die App benutzen. Die App zeigt an, wo der nächste Parkplatz zu finden ist.
parkbob.com

Awattar liefert wetterabhängigen Ökostrom. Je schöner das Wetter, desto billiger ist der Strom aus Solar-, und Windenergie.
awattar.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.08.2015)

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