Assange nennt WikiLeaks „neutrale digitale Schweiz“

Enthüllung von Sicherheitslücken geschah ohne Information Betroffener.

Auch als Wachsfigur in China zieht Trump das Interesse der Öffentlichkeit auf sich.
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Auch als Wachsfigur in China zieht Trump das Interesse der Öffentlichkeit auf sich.
Auch als Wachsfigur in China zieht Trump das Interesse der Öffentlichkeit auf sich. – (c) APA/AFP/STR (STR)

Washington. Der Gründer der Veröffentlichungsplattform WikiLeaks hat am Donnerstag implizit zugegeben, dass seine Organisation Tausende Dokumente über die Ausnutzung von Sicherheitslücken der führenden Technologiekonzerne Apple, Microsoft und Google veröffentlicht hat, ohne die betroffenen Unternehmen zuvor zu informieren. „Wir haben beschlossen, mit den Herstellern zusammenzuarbeiten, damit sie Fixes entwickeln können. Sobald dieses Material erfolgreich entschärft ist, werden wir weitere Dokumente veröffentlichen“, sagte Assange bei einer im Internet übertragenen Pressekonferenz von der ecuadorianischen Botschaft in London aus, wo er sich seit dem Jahr 2012 einem schwedischen Auslieferungsgesuch wegen des Verdachts der sexuellen Nötigung entzieht.

WikiLeaks hat am Montag unter dem Titel „Vault 7“ mehr als 8000 Schriftstücke publiziert, die von Computern des US-Geheimdienstes CIA beziehungsweise eines seiner privaten Zulieferer stammen. Diese Dokumente beschreiben die umfassenden Bemühungen der CIA, Mobiltelephone von Apple und Google zu hacken, um Gespräche und schriftliche Nachrichten noch vor ihrer etwaigen Verschlüsselung aufnehmen zu können. „Vault 7“ enthält zudem eine umfassende digitale Bibliothek zahlreicher Viren und anderer Cyberwaffen, die bereits von anderen Nationen eingesetzt worden sind. Für Laien besonders erstaunlich war die Enthüllung, dass die CIA Samsung-Fernsehgeräte, die der Spracherkennung fähig sind, heimlich und aus der Ferne als Wanzen verwenden kann.

 

FBI sucht Quelle des Lecks

Die CIA gab die Echtheit dieses veröffentlichten Materials entsprechend ihrer langjährigen Gepflogenheit nicht ausdrücklich zu. Das „Wall Street Journal“ berichtete, die CIA habe schon im vorigen Jahr von dieser Hackerattacke Kenntnis gehabt. Das FBI ermittle und ziehe in Betracht, alle rund 1000 Personen zu befragen, die Zugang zu diesen Daten hatten.

„Das ist ein historischer Akt von verheerender Inkompetenz“, kritisierte Assange die CIA. „WikiLeaks hat dieses Material deshalb erhalten, weil es herumgereicht wurde.“ Er wolle WikiLeaks zu einer „digitalen neutralen Schweiz“ machen. „Wir möchten sichere Kommunikation ermöglichen, denn ohne sie können Journalisten die Mächtigen nicht zur Verantwortung ziehen“, sagte er bei seiner Pressekonferenz, im Rahmen derer er handverlesene schriftliche Fragen beantwortete, von denen keine die Rolle von WikiLeaks kritisch adressierte.

US-Präsident Trump hat zu WikiLeaks ein sprunghaftes Verhältnis. 2010 forderte er nach der Enthüllung von US-Regierungsdaten durch den Soldaten Bradley Manning, diesem gebühre die Todesstrafe. Als WikiLeaks jedoch im Präsidentschaftswahlkampf private E-Mails von Hillary Clintons Wahlkampfleiter John Podesta veröffentlichte, konnte Trump sich mit Lob über Assanges Organisation kaum zurückhalten. Zudem rief er den russischen Geheimdienst auf weiterzuwühlen.

 

Farage in Ecuadors Botschaft

Bemerkenswert ist, dass der britische Rechtspopulist, Brexit-Wortführer und enge Trump-Vertraute Nigel Farage am Donnerstag unmittelbar vor Assanges Medienauftritt die ecuadorianische Botschaft besuchte. Was er dort tat, beantwortete er einem Reporter des Onlinemediums Buzzfeed so: „Ich kann mich nicht erinnern.“

AUF EINEN BLICK

„Vault 7“ nennt WikiLeaks jene Masse an Schriftstücken, welche die Bemühungen der CIA um das Knacken von iPhones und Android-Smartphones, die Manipulation von Samsung-TV-Geräten für Lauschangriffe und das Knacken verschlüsselter Kommunikationsdienste wie Telegram, Signal und WhatsApp dokumentieren. WikiLeaks hat am Montag begonnen, dieses Material zu veröffentlichen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.03.2017)

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