Spitzelaffäre im Bundesheer aufgeflogen

Bundesheer-Mitglieder haben sich unerlaubt Zugriff zu den Personaldaten ihrer Kollegen verschafft. Weibliche Heeresmitglieder sollen die Datenbank als Single-Börse genutzt haben.

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APA/HERBERT NEUBAUER

Wieviel verdient der Kollege neben mir und warum ist er schon wieder auf Urlaub? Fragen, die in Unternehmen ständig kursieren. Gerüchte über Lohnerhöhungen, Vergünstigungen für andere Kollegen. In Unternehmen wird getratscht und Neid spielt dabei immer eine Rolle. Meist bleibt es aber dabei. Bei haltlosen Gerüchten. Doch beim österreichischen Bundesheer wollten es einige anscheinend nicht dabei belassen und haben sich Zugriff zum internen Personalinformationssystem verschafft. Eine Datenbank, die strenge Zugriffsbestimmungen hat und jeden Schritt dokumentiert, um zu verhindern, dass sich Unberechtigte Zugang verschaffen. Ein System mit Lücken, wie die nun aufgedeckte Schnüffel-Affäre zeigt.

Wie der "Kurier" in seiner Online-Ausgabe berichtet, wurde nun bekannt, dass in Allentsteig ein Personalvertreter sich Zugang zum Personalinformationssystem (PERSIS) verschafft hat. Oftmals wurde von einer Person auf die Daten des Systems zugegriffen, um persönliche Daten abzugreifen. Informationen, über die jetzt auch innerhalb der Truppe getuschelt wird. Betroffen von den Spähangriffen des Heeresmitglieds ist auch Vizeleutnant Christian Stadler. Er vermutet, dass gezielt versucht wurde, ihn schlecht zu machen. Immerhin sitze der Beschuldigte nun ebenfalls in der Personalvertretung; nur für eine andere politische Fraktion.

Dieser Datenmissbrauch sei laut dem Bericht des "Kurier" kein Einzelfall. Nicht immer gehe es dabei um Informationsbeschaffung, um einen möglichen politischen Gegner zu diskreditieren. So habe es den Anschein, dass weibliche Heeresmitglieder die Datenbank als Single-Börse nutzen. Potenzielle Heeresmitglieder wurden bezüglich Gehalt und Familienstatus durchleuchtet.

Das PERSIS dokumentiert jeden Zugriff und jede Bewegung. Derzeit hat es den Anschein, dass hunderte illegale Abfragen in der Vergangenheit vorgenommen wurden. Die Staatsanwaltschaften in St. Pölten, Krems, Wiener Neustadt, Linz und Klagenfurt beschäftigen sich derzeit mit einer Sammelanzeige. Indes zeigt sich Oberstleutnant Barthou erschüttert über die Vorgänge. "Das private Herumschnüffeln ist verboten", erklärt er gegenüber dem "Kurier". Auch strafrechtlich könnte es Konsequenzen geben, die dann auch Disziplinarverfahren zur Folge haben können.

>>> Kurier

(bagre)

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