Online: Mit Wiener Lokalkolorit gegen die Internetriesen

Die Post startet einen Onlinemarktplatz nur für Wien. Regionalität sieht Post-Chef Pölzl als Chance – solang die Post das Paket bringt.

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Georg Pölzl – APA/ROLAND SCHLAGER

Wien. Nicht einmal zwei Wochen ist es her, da hatten sich Rainer Trefelik, Handelsobmann in der Wiener Wirtschaftskammer, und Post-General Georg Pölzl zusammengefunden, um das Minieinkaufszentrum Post am Rochus zu eröffnen. Diesen Montag brachte dieselbe Besetzung, ergänzt um Stadträtin Renate Brauner, am selben Ort die 600 Mio. Euro zur Sprache, die die Wiener laut einer aktuellen Studie gerade nicht auf dem Rochusmarkt oder in heimischen Onlineshops, sondern bei internationalen Konkurrenten von Amazon bis Zalando ausgeben.

„600 Millionen, das ist nicht banal. Zumindest einen Teil wollen wir nach Wien zurückholen“, sagte Brauner, deren Wiener Wirtschaftsagentur den Abfluss erhob. Die Menschen würden auch im Internet regional einkaufen wollen. Hier kommt die Post ins Spiel. Diese hat im April mit Shöpping ihren rot-weiß-roten Gegenentwurf zu internationalen Riesen wie Amazon lanciert. Aktuell findet sich rund eine Million Artikel von mehr als 200 Unternehmen auf der Plattform, die sich ausschließlich an österreichische Kunden und Händler richtet. Der Zeitpunkt der Wiener Initiative passt Shöpping gut in die Strategie, der Zuschlag für die österreichische Post nach der internationalen Ausschreibung ebenso. Dort hat man schon vor einiger Zeit angekündigt, regionale Untermarktplätze zu starten. Die Wiener werden 2018 den Anfang machen. Weitere Ableger werden folgen, sagt Pölzl. Konkret wollte er nicht werden. Bis Mitte 2018 soll der Marktplatz 2000 Händler beherbergen, dann will die Post auch erstmals Umsätze nennen. Die 20 Jahre Vorsprung der Großen habe man jedenfalls nicht in einem Jahr aufgeholt, bat Pölzl um Geduld.

Diesmal blieb es bei einem Appell: „Wir kriegen nur gemeinsam die kritische Größe. Österreich ist zu klein für zwei, drei Plattformen“, sagte der Post-Chef. „Wir gehen sogar so weit, dass wir sagen, spart euch den eigenen Webshop, wir geben euch die Plattform.“ Er sieht Shöpping nicht als Wettbewerb zu den ausländischen Händlern, „die sind ja zum Glück unsere Kunden“. Und für das eigene Unternehmen sei Regionalität ein Gewinn – solang die Ware mit der Post kommt. (loan)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.10.2017)

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