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Zelltherapie: „Das ist bitte kein Ärztestreit“

27.06.2007 | 10:22 |  THOMAS KRAMAR UND CLAUDIA DANNHAUSER (Die Presse)

Die Ärzte Johannes Huber und Sepp Leodolter, die sich für „Cell Med“ medial engagiert haben, sind an der Firma selbst beteiligt. Das hätten sie ihm nie mitgeteilt, bedauert AKH-Direktor Krepler.

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Wir haben international anerkannte Forschung und ein Gesundheitssystem, das letztlich Arm und Reich ermöglicht, an Therapien heranzukommen. Das müssen wir verteidigen: verhindern, dass ein schwarzes Schaf danebenhaut. Das ist bitte kein Ärztestreit! Die meisten Kollegen sind diesseits der Linie der Seriosität.“ Michael Gnant, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Chirurgische Onkologie, findet deutliche Worte zum „Fall Cell Med“ – wie auch Gesundheitsministerin Andrea Kdolsky, die laut „Österreich“ sagte: „Es ist eine Gemeinheit, wie hier mit den Hoffnungen und Ängsten der Betroffenen gespielt wird.“

Gemeint sind Johannes Huber und Sepp Leodolter, Abteilungsleiter an der Frauenklinik des Wiener AKH: Sie hatten in einem Bericht der Zeitschrift „News“ (Titel: „Neue Waffe gegen Krebs“) für „Zelltherapie“ gegen Krebs – und die Kremser Firma „Cell Med“, die diese praktiziert – geworben.

Er habe die Methode „zum Selbstkostenpreis angeboten“, aber „daran nichts verdient“, sagte Huber letzten Mittwoch zur „Presse“, und „Cell-Med“-Geschäftsführer Wolfgang Huber (nicht mit J.H. verwandt) sekundierte: Die Ärzte hätten es als ihre „ethische Pflicht“ gesehen, „die Zelltherapie den Patienten zugänglich zu machen“.


„Offensive Promotion“

Inzwischen wurde bekannt, dass die beiden Frauenärzte nicht nur ideell an „Cell Med“ beteiligt sind, sondern auch ganz materiell: als Gesellschafter – Leodolter direkt, Huber über die Firma „Tagos“ (siehe Kasten). Leodolter gab gegenüber der Apa auch zu, er habe in einem Brief an Ärztekollegen um Verständnis für die „offensive Promotion“ für „Cell Med“ gebeten, sie sei nötig gewesen, „um über Sponsoren weiter nötiges Geld zu gewinnen“. „Pleitegefahr“ habe keine bestanden, obwohl er im Brief die „Gefahr einer Liquidation“ beschworen hatte.

Für Reinhard Krepler, den ärztlichen Direktor am AKH, ist all das „in dieser Form sicher nicht okay“, sagt er der „Presse“. Es sei zwar rechtlich kein Problem, dass ihm Huber die Beteiligung an „Cell Med“ nicht gemeldet hat: „Jeder Dienstnehmer hat das Recht, sich an Unternehmen zu beteiligen.“ Er bevorzuge aber den US-Standard: Ärzte machen von sich aus Beteiligungen transparent. Es sei üblich, dass Ärzte bei unternehmerischen Ambitionen an ihn herantreten. Huber hat das nicht getan. „Auf der Website der Firma ist von Beratung durch Huber die Rede. Dass es um Eigentümerschaft geht, habe ich erst aus dem Firmenbuch erfahren“, so Krepler: „Das kann ich ja nicht bei allen Ärzten so machen.“

Für ihn ist es ohnedies schwierig, sich ein Bild über die Nebenbeschäftigungen seiner Ärzte zu machen: Sie sind nur gegenüber dem Rektor der medizinischen Universität verpflichtet, Nebenbeschäftigungen genehmigen zu lassen. Krepler: „Mit diesem Zustand bin ich nicht einverstanden. Schließlich könnten nicht nur die Uni-Interessen, sondern auch jene des AKH gefährdet sein.“


Mussten Patienten die Therapie zahlen?

Unklar ist, ob und wie viel die Patientinnen, die in „News“ als geheilt präsentiert wurden, für die Therapie bezahlt haben. Während Wolfgang Schütz, Rektor der Medizin-Universität, von 14.000 Euro sprach und Johannes Huber von 3900 Euro, erklärt ein „Cell-Med“-Pressesprecher, die Patientinnen seien im Rahmen einer Studie kostenlos behandelt worden. Daneben führe die Firma „individuelle Heilbehandlungen“ durch, für die der Arzt, der die Patienten zuweist, die Rechnung bekomme. Dieser Unterschied ist wichtig, weil es, so Gnant, „undenkbar ist, dass Patienten für eine klinische Studie zahlen müssen“. AKH-Chef Krepler lässt nun überprüfen, ob seine Patienten bezahlen mussten oder nicht.

Johannes Huber setzt sich jedenfalls dafür ein, dass die Krankenkassen die Kosten für Zelltherapie übernehmen mögen. Dabei verschwimmt oft, was man darunter verstehen soll: die Versuche, mit dendritischen Zellen Krebs zu therapieren (siehe rechts)? Auch Therapien mit adulten Stammzellen? Dendritische Zellen sind keine Stammzellen, doch im – angeblich autorisierten – „News“-Artikel wurde die Therapie mit dendritischen Zellen als „Stammzelltherapie“ bezeichnet – was gut zu den Plädoyers des Gynäkologen und Theologen Huber passt, aus ethischen Gründen mehr in die Forschung an adulten Stammzellen zu investieren.

Huber ist Vorsitzender der österreichischen Bioethikkommission, die im Herbst neu bestellt wird. „Ich hielte es für besser, einen anderen Vorsitzenden zu ernennen“, sagt Ulrich Körtner, evangelischer Theologe und Kommissionsmitglied: „Es ist nicht ehrenrührig, dass ein Mediziner an einer Firma beteiligt ist. Das Problem ist die Transparenz.“ Schärfer formuliert es Molekularbiologin Renée Schröder: „Huber ist rücktrittsreif. Für mich ist sein Verhalten typisch für die Doppelmoral des männlichen Katholizismus.“

HUBERS BETEILIGUNGEN:

„Cell Med“, Sitz in Krems, ist eine GmbH, an der u.a. Univ.Prof. Dr. Sepp Leodolter und die „,TAGOS‘ HandelsG.m.b.H.“ beteiligt sind.

„Tagos“ hieß früher „DDr. Huber & Co. Ges.m.b.H.“ und gehört Univ.Prof. DDr. Johannes Huber (60%) und Helga Huber (40%). Beteiligt auch an „MOZAT – Endokrines Mamma-Onkologisches Zentrum G.m.b.H.“ (der gynäkologischen Ordination am Wiener Rudolfinerspital, die laut ihrer Homepage auf dendritische Zelltherapie setzt) und an „GenoSense Diagnostics“, einer Firma, die Gentests entwickelt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.06.2007)

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15 Kommentare
Gast: f
20.10.2009 15:22
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hormonkiller

wann stoppt man endlich diesen irren

Gast: aucheinmediziner
01.07.2007 16:54
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www.hormon-klinik.com

was man unter "tagos" handelsgmbh so alles findet, da kommt man aus dem staunen nicht raus:
den internetauftritt der fachklinik abtsee gibts ja nicht mehr, aber
www.hormon-klinik.com funktioniert zum beispiel noch.
am besten gefällt mir die seite für die ärzte: "Hier bieten wir Ihnen hier die Möglichkeit, häufig nachgefragte OTC-Produkte sowie auch Rezepturvorschläge zur topischen Hormon-Substitutionstherapie der Frauenklinik des AKH zu bestellen"
und drunter der grosshandelspreis der tagos handelsgmbh und der empfohlene verkaufspreis an die patienten.
ob die seite "über uns" ein impressum ist, das ist nicht ganz klar, auf jeden fall weckt es wohl den anschein, dass es sich um eine seite der universitätsklinik für frauenheilkunde, akh wien handeln dürfte.

bin schon gespannt, auf das ergebnis des uni-weisenrates. der rektor, der so gerne wieder rektor werden will, darf ja im moment wohl nirgends anecken...

Gast: Allgemeinmediziner
27.06.2007 14:59
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Wiederholungstäter

Prof. DDr Huber ist ein Wiederholungstäter. Schon in den 90er Jahren war er als "Hormonpapst" und Buchautor Mitverursacher des "Östrogenhypes". In den verschiedensten Medien wurde der Jungbrunnen Hormone von ihm verherrlicht. Zufällig war er auch Mitbegründer, meines wissens nach auch Mitbesitzer der ersten "Hormonambulanz" namens Menox, deren ärztlicher Leiter er noch immer ist.
Die Verquickung von Wissenschaftsexperte - öffentlicher Meinungsmacher - wirtschaftlicher Nutznießer mit der zusätzlichen Funktion als oberster Ethikguru und Medizintheologe beinhaltet soviele unterschiedliche Interessen und Konflikte, daß man ihn unbedingt von einigen dieser Belastungen befreien sollte.
Der Begriff Doppelmoral den Renee Schröder gewählt hat ist meiner Meinung nach untertrieben. Ich schlage dafür Triple- oder Quatromoral vor. Um damit umzugehen muß man allerdings wirklich Ethikexperte sein.

Dr. Walter Heckenthaler
2344 Ma. Enzersdorf

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Jede Science Fiction

wurde bald Realität!

Von Peterchens Mondfahrt bis zum PC und Handy.

Vor 400 Jahren wäre jeder Handy-Besitzer als Mitarbeiter des Teufels von den religiös manipulierten Volksmassen sofort am Scheiterhaufen verbrannt worden,auch Sie,Mister Stöckl.

Noah von der Arche am Berg der Freude

Prof Huber war mir immer schon suspekt!

Seine ganz spezielle Unart war es immer, gesicherte medizinische Erkenntnisse in einen Brei mit reiner Science fiction zu vermengen und damit in den Medien zu renomieren! Das ist äußerst unseriös und disqualifiziert für die Ethikkommission in höchstem Grade! Wie der Mann das mit seinem katholischen Gewissen vereinbaren kann, ist eine andere Sache!

Gast: ASVG-Sklave
26.06.2007 20:52
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Ein absoluter Skandal

Wenn die Aussage Kreplers stimmt, dass die beiden Ärzte an dem Unternehmen beteiligt sind, so ist dies tatsächlich eine absolute Schweinerei. Die Bezeichnung „Schwarze Schafe“ wäre dafür noch zu milde. Gibt es gegen solche unethischen Sauereien (nämlich für das Spielen mit den Todesängsten von Krebspatienten) keine strafrechtlichen Ansatzpunkte?? Dieses Gesindel gehört umgehend aus Spitälern der öffentlichen Hand suspendiert.

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Re: Ein absoluter Skandal

Jeder der Krebs-Patienten helfen kann,der hat RECHT,nicht aber Vetreter einer veralteten religiösenn Steinzeit-Ethik diverser Hinterwäldler-Sekten,wie Sie!

Noah von der Arche am Berg der Freude

Re: Re: Ein absoluter Skandal............. Das Problem ist aber,

daß Herr "Kollege" Huber den Patienten nur hilft, ihr Geld loszuwerden, medizinische aber nahezu alles schuldig bleiben muß, weil diese Methode überhaupt noch nicht ausgereift ist!

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Re: Re: Re: Ein absoluter Skandal............. Das Problem ist aber,

Wer heilt,der hat in der Medizin letztendlich recht,nicht DER die Heilung verhindert!

Pragmatisiertes Hinterwäldlertum gibt es auch besonders in der Mediziner-Lobby.

Noah von der Arche am Berg der Freude

Re: Re: Re: Re: Ein absoluter Skandal............. Das Problem ist aber,

.......zwischen Heilung versprechen und tatsächlich heilen ist ein riesen Unterschied!!!!!

Alle Gurus behaupten von sich "geheilt" zu haben, dabei haben sie nur den Patienten von seiner Krankheit abgelenkt und deren natürlichen Verlauf abgewartet!

Antworten Antworten Gast: ASVG-Sklave
27.06.2007 09:42
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Re: Re: Ein absoluter Skandal

Bei Ihren Beiträgen kommt langsam der Verdacht auf, dass Sie an der Zersetzung anderer Kulturen und der Vernichtung anderer Völker (ausgenommen Ihrer eigenen Glaubensbrüder) größtes Interesse haben. Sie sind kein Guter.

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Re: Re: Re: Ein absoluter Skandal

Sie haben recht!

Ich zersetzte bewußt den Glauben an Ihre braune Ideologie in der Öffentlichkeit!!!!!!

Noah von der Arche am Berg der Freude


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Re: Re: Re: Re: Ein absoluter Skandal

was soll der blödsinn mit der faschismuskeule. die frage ist ja wirklich nur hilft die therapie oder hilft sie nicht. zur beantwortung braucht man nichts zu zersetzen und auch kein böser oder gutmensch sein - nur etwas wissenschaftlich untersuchen.

Gast: akh assi
26.06.2007 20:05
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Spitze des Eisbergs

Immer wieder interessant zu sehen, wie Abteilungsleiter im akh ihre Nebenbeschaeftigungen betreiben, man als kleiner und unterbezahlter Assistent zum Rektor kriechen muss um ausnahmsweise etwas dazuzuverdienen, dies aber meistens nicht genehmigt wird.
Ich hoffe diese Ungerechtigkleiten kommen jetzt mal alle ans Licht!
Genauso das Umleiten mancher Privatpatienten vom AKH aus in die nahen Privatkliniken.

Antworten Gast: skorf
11.07.2007 18:00
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Re: Spitze des Eisbergs

Sind Sie im AKH zu Hause? Kennen sie die betroffenen Ärzte? können Sie ohne Zögern sagen, dass es sich bei dieser Affäre nur um Geschäftemacherei handelt und keinesfalls um eine hoffnungsvolle Therapiemöglichkeit?? (Ich frage mich, was für komischer Zufall mich zu dem ersten Artikel über die Krebswunderwaffe geführt hat, als ich zufällig in Österreich zu Besuch war und in der Wiener U-Bahn die Gratiszeitung in die Hand gedruckt bekommen habe... aber lesen sie es und reagieren sie darauf nicht, wenn sie zu Hause krebskranke Mutter haben.