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Klima: Biosprit heizt Treibhaus

27.09.2007 | 12:07 |  JÜRGEN LANGENBACH (Die Presse)

Nobelpreisträger Crutzen warnt vor Nebenfolge der Agrar-Treibstoff-Produktion: Sie setzt starke Treibhausgase frei, N2O.

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Zur Rettung der Welt vor der Hitze werden viele Ideen geboren, etwa die, Treibstoffe auf dem Acker wachsen zu lassen. Das mag Altväterische grämen, die Nahrung nicht gerne verbrannt sehen, aber Regierungen fördern es nach Kräften. Und bewirken womöglich das Gegenteil: Biosprit heizt das Treibhaus weiter auf. Zu diesem Befund kommt eine Gruppe um Paul Crutzen, der das Ozonloch mit entdeckte und dafür den Nobelpreis erhielt. Dabei ging es um Distickstoffoxid (N2O), das aus Agrarböden aufsteigt, wenn sie mit Stickstoff gedüngt werden.

Sie sind auch Treibhausgase – 296 Mal stärker als CO2 –, ihre Menge wurde bisher unterschätzt: Der UNO-Klimabeirat IPCC hat sie in seinen Rechnungen, aber er stützt sich bei der Abschätzung der N2O-Emissionen auf Experimente mit Pflanzen. Crutzen hat die Konzentrationen in der Atmosphäre gemessen und höhere Werte gefunden. Demnach ist Biodiesel aus Raps bestenfalls klimaneutral, eher schädlich: Der Klimaschaden durch N2O ist 1,0 bis 1,7 Mal so groß wie der Klimanutzen, der durch das eingesparte CO2 entsteht. Beim Bio-Ethanol aus Mais sieht es ähnlich aus (0,9 bis 1,5). Nur Bio-Ethanol aus Zuckerrohr entlastet das Klima (ACPD, 7, S.11191).

Also bleibt Crutzen bei seinem Rettungsvorschlag: Er will Vulkane simulieren, den Himmel verdunkeln, um die Erwärmung abzuwenden. Nun bekommt er Konkurrenz von einem anderen Giganten, James Lovelock. Der sah die Erde lange als selbstreguliertes System („Gaia“), in dem Algen für konstante Temperaturen sorgen: Kommt viel Sonne, produzieren sie viel Methyldisulfid (DMS), das sie in die Atmosphäre entlassen, es bildet Wolken, es wird kühler, die Algen werden weniger, die Wolken auch etc.


Lovelock hat auch eine Patentlösung

Aber so geht es nicht, Lovelock hat es verbittert konstatiert und der Menschheit ein heißes Ende prognostiziert. Nun hat auch er einen Plan, in einem Leserbrief an Nature (449, S.403): Man möge riesige Rohre – 200 Meter lang, zehn Meter Durchmesser – so in die Ozeane hängen, dass sie nährstoffreiches Tiefenwasser zu den Algen bringen. Dann würden die mehr DMS produzieren.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.09.2007)

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14 Kommentare
Gast: AEIOU
06.05.2008 09:02
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Dem Grünschnabel ins Tagebuch.

Die "Altväterischen" sind nicht vergrämt über den Umgang mit Nahrungsmitteln. Sie sind entsetzt. Denn wer weiß, was für das Fleischlaberl mit Cocasaft alles getan werden muß, der ist über die sattgefressenen Burscherln, die sich rotzfrech zu Schrift melden, mehr als angefressen. Eine Hungersnot für den Westen wäre heilsam. Aber vielleicht erleben unsere "Modernen" das noch. Ich wünsche es ihnen von ganzem Herzen.

koerbitz
19.10.2007 21:01
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Lachgas? - längst bekannt

Biodiesel wird die Welt nicht retten, aber auch nicht zum Untergang beitragen, wie es auf Spenden angewiesene Welterrettungsorganisationen schwarzmalen.
1. Energiebilanz: Biodiesel zeigt eine positive Bilanz von ca. 1:3, d.h. eine Einheit Energie um 3 zu produzieren.
2. Mineralöl-Einsparungseffekt: beim Einsatz von 1 kg Biodiesel werden 0,8 kg Mineralöl eingespart.
3. Treibhausgasbilanz: 3,20 kg CO2-Gase pro 1 kg Biodiesel werden eingespart. Inklusive Lachgas (N2O)!

Gast: Lacher
06.10.2007 21:54
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N2O

... das ist ja zum Lachen!


vx
27.09.2007 15:49
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...

Kann es sein, daß DMS für Dimethylsulfid und nicht für Methyldisulfid steht?

[http://de.wikipedia.org/wiki/Dimethylsulfid]

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Agrar-Treibstoffe als Klimawitz

Es ist leider wie immer, die Agrar-Mächtigen setzen alles durch, was ihnen Geld verspricht. Mit unheimlicher Geschwindigkeit - siehe "Bio-Sprit" usw. Was passiert sonst eigentlich für's Klima - nix, denn dort gibt's keine so machtvollen Lobbies. Und die Landwirtschaft, soweit man das Macht-Geld-Chemie-Maschinen-Konglomerat noch so nennen kann, zerstört die Natur weiter. Die Brachflächen werden jetzt wieder vergiftet und niedergewalzt, die Wälder abgeholzt, Natur+Tierschutz ignoriert - und dem Bürger (und "echten" Bauern) die Klimarettung versprochen. Das Gegenteil ist wahr, leider - wir werden alle büssen. Nicht nur in den Entwicklungsländern, wo sich die grossen Agrar-Investoren ja auch schon mehr als breit machen und alles niederwalzen. Inklusive Bevölkerung, eh klar.

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Re: Agrar-Treibstoffe als Klimawitz

Fordern Sie endlich wieder Urwälder in Österreich statt Bio-Sprit-Plantagen der Bauern beim nächsten Partei-Tag der Grünen!!!!!!

In 100 Jahren könnte das Weinviertel wieder Urwald werden.

Im Waldviertel ginge es noch schneller,wenn dort die menschliche Nutzung eingestellt wird.

Warum soll es Urwälder nur in Entwicklungsländern geben?

Noah von der Arche am Berg der Freude

Antworten Antworten Gast: Fuß der Leber
06.10.2007 21:57
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Re: Re: Agrar-Treibstoffe als Klimawitz

Leute, ersetzt doch das Heizöl durch Säge- und Hobelspäne!

Antworten Antworten Antworten Gast: Lacher
09.10.2007 20:11
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Re: Re: Re: Agrar-Treibstoffe als Klimawitz

Heizöl durch altes Frittieröl substituieren ...
und Furze einfangen statt Ergasheizung!

Gast: W.A.
27.09.2007 08:01
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Sunfuel aus Biomasseabfällen herstellen!

Mit Sorge sehe ich, wie hier undifferenziert "gegen Biotreibstoff" zu Felde gezogen wird. Dabei kann Biotreibstoff - richtig erzeugt - einen sehr wertvollen Beitrag zur zukünftigen Energieversorgung leisten und zwar ohne negativen Einfluss auf das Weltklima! Es kommt nämlich ganz auf die Art der Herstellung an: Wenn in Südamerika und Afrika Urwälder niedergebrannt werden, um Anbauflächen für Ölpflanzen zu erhalten, ist das natürlich ein gewaltiges Verbrechen an unserer Umwelt. Wenn Biomasse, die in Land- und Forstwirtschaft oder in der Gastronomie als Abfall anfällt, zu sunfuel, einem hochwertigen Treibstoff, verarbeitet (veredelt) wird, ist das einfach genial. Angesichts der bevorstehenden globalen Energiekrise (peak oil ist erreicht!) werden wir ohne BTL-Treibstoffe gar nicht auskommen. Gleichzeitig muss natürlich unser Energiebedarf drastisch vermindert werden (durch Nullheizenergie-Häuser, 1-Liter-Autos (Verbrauch, nicht Hubraum!) etc.) Das Solarzeitalter möge beginnen!

Antworten vx
27.09.2007 16:33
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Re: Sunfuel aus Biomasseabfällen herstellen!

Oft wird aber dieser Abfall zur Düngung der Ackerböden verwendet. Wird er dagegen zu Treibstoff verarbeitet, fehlt er für die Düngung und diese muß dann durch Kunstdünger erfolgen. Also schieben wir unsere Probleme damit nur weiter.

'Als Ausgangsmaterial finden sowohl Biomasseabfälle, wie Stroh oder Restholz, als auch speziell für die Kraftstofferzeugung angebaute Nutzpflanzen Verwendung.'
Eine Verwendung von Gastronomieabfall ist nicht möglich.

Dazu kommt noch wie freeman erwähnte die Unwirtschaftlichkeit und die geringen herstellbaren Mengen im Vergleich zum Verbrauch.
Meiner Meinung nach also nur eine Teillösung.

Möge daher lieber ein Zeitalter des geringeren Energieverbrauchs beginnen.

[http://de.wikipedia.org/wiki/Sunfuel]

Antworten Antworten Gast: W.A.
01.10.2007 09:12
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Re: Re: Sunfuel aus Biomasseabfällen herstellen!

@ vx: Das Zeitalter des geringeren Energieverbrauchs möge beginnen! Vollste Zustimmung meinerseits! Wie ich regelmäßig poste: Energiebedarf minimieren ist ein Gebot der Stunde! Die Zeiten, wo Wirtschaftswachstum mit Hilfe billiger fossiler Energie gepusht wurde, sind vorbei! Weil es keine billige fossile Energie mehr gibt! Entweder wir (die Menschen dieses Planeten) lernen, auch mit viel weniger Energieeinsatz zu wirtschaften (zu leben) oder es sieht sehr düster aus. Die erneuerbaren Energien müssen JETZT strukturell aufgebaut werden. Später wirds VIEL teurer.Am Verkehrssektor wird es ohne BTL kaum gehen. Mit BTL schon. In LOREMOs und Co. Wasserstoff-Antrieb bleibt aber utopische Sackgasse, solange H nur mit viel Energie hergestellt werden kann.
Zu BTL aus Gastro-Abfällen: Jedenfalls kann man mit Alt-Speiseöl fahren. Ich denke aber, dass man auch andere Speisereste zu BTL verarbeiten kann. Schließlich besteht unser Essen auch aus Biomasse.

Antworten freeman
27.09.2007 10:16
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Und?

Ich nehme an, Du hältst ein Patent über die wirtschaftliche Herstellung von Sunfuel aus Biomasse - oder?

Sicher wäre es eine gute Sache, aber derzeit ebenso Zukunftsmusik wie die Kernfusion.

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Wie krank sind eigentlich

diese "Klima-Experten"?

Wollen sie unbedingt noch schneller eine neue grausliche Eiszeit?

Die kommt auch ohne ihre lächerlichen Vorschläge durch verringerte Sonnen-Aktivität.

Noah von der Arche am Berg der Freude

Antworten da wuzzi
27.09.2007 10:07
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Was hast eigentlich gegen eine ordentliche Eiszeit?

Da ist doch wenigesten genug Material zum Bau von Iglus und Schneemännern da! (für dich soll es auch Schneefrauen geben)