
12.000 Korallenlarven fischte Michael Henley im August bei Puerto Rico, er brachte sie nach Washington in den Zoo. Er sorgte gut für sie, simulierte die Karibik – bis zu Lampen, die das Wasser bestrahlen wie die Tropensonne –, gab den Larven passendes Futter und Symbionten, Algen, ohne die Korallen nicht leben können. Aber nach einem Monat hatte er nur noch 158 Individuen, nach zweien zwei.
Ganz so dramatisch ist es in der Natur noch nicht, aber 20 Prozent der Korallen sind verloren, vor allem durch Zerstörung der Küsten, Überfischung und die Erwärmung, die Korallenbleichen gebracht hat. Und: CO2 macht nicht nur warm, es bedroht die Algen auf einem zweiten Weg, versauert das Wasser, erschwert so den Bau der Kalkstöcke, mit denen die Polypen sich schützen (Science, 318, S.1737). Manche Forscher, unter ihnen Henley, richten sich darauf ein, dass den Korallen nur noch mit künstlicher Vermehrung zu helfen ist. Sie haben ein Konsortium gegründet – SECORE, Sexual Coral Reproduction –, und Aliza Smant, Meeresbiologin an der University of North Carolina, erklärt das Ziel: „Wir haben die Vision, für Korallen das zu machen, was andere für Wälder machen“, Setzlinge ziehen, mit denen im Meer wieder aufgeforstet werden kann (Science, 318, S.1712).
„Moonlight romance“
Aber erst muss man herausfinden, wie die Tiere sich reproduzieren. Das tun sie meistens asexuell. Aber einmal im Jahr kommt das Mirakel, das erstmals in den 80er-Jahren am Great Barrier Reef beobachtet und „coral spawning“ oder auch „moonlight romance“ genannt wurde: Tausende Korallen entlassen riesige Mengen von Eiern und Sperma ins Wasser, alle zur gleichen Zeit, ein paar Tage nach Vollmond im späten Frühling, kurz nach Sonnenuntergang.
Lange vermutete man, dass das von der Wassertemperatur synchronisiert wird, aber sie ist es nicht, es ist das Licht. Wie das, Korallen haben doch keine Augen? Sie haben etwas anderes, Proteine, die Blau detektieren können (Science, 318, S.467).
Könnte man also mit dem richtigen Licht das „spawning“ auslösen, könnte man genetisch vielfältigen Nachwuchs ziehen (ungeschlechtlich vermehren kann man sie, aber damit wäre nicht viel gewonnen). Der muss sich dann irgendwo niederlassen, und dabei spielen Algen mit, gefährliche rote, die die Korallen oft überwachsen. Sie riskieren trotzdem die Nachbarschaft, weil die Algen mit Bakterien besetzt sind, die Korallen für ihre Entwicklung brauchen.
Dafür brauchen sie noch die guten Algen, mit denen sie in Symbiose leben, offenbar läuft die Kommunikation über noch nicht identifizierte Signalstoffe. Und schließlich ist die Bandbreite der Korallen groß, manche verkümmern bei Umweltstress rasch, andere halten viel aus, sie will man mit Genanalysen aussuchen. jl
("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.12.2007)

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