Auch in der Wissenschaft wird am Ende des Jahres Bilanz gezogen, und schon der Titel signalisiert den Wandel der Forschung: In Science, der führenden US-Zeitschrift, hieß es früher „Molecule of the year“. Dort wurde alles hineingepresst – Biologie, Astrophysik etc. –, irgendwann nahm man zur Kenntnis, dass die große Zeit der Chemie vorbei ist und taufte auf „Breakthrough of the year“ um, zehn Ergebnisse werden gereiht. Nature, die ehrwürdige britische Konkurrenz nennt man es weitsichtiger und weniger leicht missverständlich „Research Highlights“ und listet 20 Punkte auf.
Auf beiden Listen weit vorn – Nature: Platz eins, Science: zwei – rangieren die embryonalen Stammzellen (ES), bei denen es nach vielen Rückschlägen 2007 zwei Erfolge gab: Zum einen gelang die Verjüngung von Hautzellen in Stammzellen, zum anderen konnten erstmals ES von Menschen gezogen werden. Ansonsten sind sich die Redaktionen wenig einig: Science würdigt an der Spitze eine Erkenntnis der Genetik – dass Menschen viel unterschiedlicher sind als bisher geglaubt, und das die Unterschiede nicht nur in den Genen liegen, sondern auch darin, wie viele Kopien eines bestimmten Gens ein Mensch hat –, bei Nature kommt das gar nicht vor, Platz zwei hat dort ein Medikament für bestimmte Formen von Lungenkrebs.
Ansonsten sind die Mischungen bunt und ganz verschieden – nur der Fund der Quelle höchstenergetischer kosmischer Strahlung wird von beiden gewürdigt –, und Science hat etwas Tröstliches: Der Angriff der künstlichen Intelligenz auf die echte wurde noch einmal abgewehrt: Ein Programm für das Brettspiel Dame spielt zwar fast perfekt, unterlag aber doch den weltbesten Berufsspielern.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.12.2007)

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