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Geodynamik: Neue Inseln in der Adria?

28.01.2008 | 11:40 |  JÜRGEN LANGENBACH (Die Presse)

An der kroatischen Küste ist die Erde aktiver als bisher gedacht.

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„Es wird wohl neue Inseln in der kroatischen Adria geben“, berichtet Erdkundler Richard Bennett (Tucson) der „Presse“: „Wann sie kommen, wissen wir nicht, es wird eher langsam und Hunderttausende bis Millionen Jahre gehen, bis sie aus dem Wasser steigen.“ Aber dass der Meeresboden dort überhaupt noch in Bewegung ist, kommt überraschend. Bisher ging man davon aus, dass seit 30 bis 40 Millionen Jahren Ruhe herrscht an der Adria, die einmal ein Vorgebirge der afrikanischen Platte war (Platten sind Teile der Erdkruste, auf denen die Kontinente sitzen, mit ihnen wandern sie auch).

Irgendwann kollidierte die afrikanische Platte mit der eurasischen, dabei türmten sich die Berge auf – die Alpen und Dinarischen –, dabei brach ein Stück der afrikanischen Platte ab, es wurde zur Mikroplatte der Adria, die wieder in zwei Platten zerriss. In deren Gegeneinander wuchsen die Inseln, 1185 sind es heute.

Hvar wandert

Dass sie nicht so ruhig daliegen, wie das Touristenauge meint, zeigte sich im Rahmen eines Projekts, das mit Platten gar nichts zu tun hatte. Seit 1994 installieren kroatische Geodäten zur Vermessung des Landes Messpunkte und bestimmen deren Lage mit GPS. Dabei zeigte sich die Bewegung, etwa an einem Punkt auf der Insel Hvar: „Vier bis fünf Millimeter pro Jahr wandert sie“, berichtet Tomislav Basic (Zagreb), Geodät, der sich zur näheren Erkundung mit dem Geodynamiker Bennett zusammentat.

Gemeinsam fand sie den übersehenen Graben zwischen den Mikroplatten, er zieht sich, nahe der Küste, 200 Kilometer lang (Geology, 36, S.3). Bisher zieht er sich ruhig, in den letzten 2000 Jahren zumindest hat er kein Erdbeben ausgelöst. Das tat hingegen ein Graben, mit dem der neue im Süden in Verbindung steht, Dubrovnik wurde 1667 schwer erschüttert, Montenegro 1979. „Mit den vorhandenen Daten können wir nicht abschätzen, ob der Graben je schwere Erdbeben produzieren wird“, erklärt Bennett: „Aber wenn er es könnte, müsste man auch die Tsunami-Gefahr neu einschätzen.“

Exakter kann man schon berechnen, wie lange es die Adria überhaupt geben wird: Die beiden Küsten – italienische und kroatische – rücken mit 4,5 Kilometern pro Jahrmillion aufeinander zu. In 50 bis 70 Millionen Jahren werden sie sich nach Bennetts Kalkulation vereinen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.01.2008)

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