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Welcher Gott regierte vor Zeus?

06.02.2008 | 18:28 |  JÜRGEN LANGENBACH (Die Presse)

Ein Fund auf dem Berg Lykaion deutet darauf, dass es dort einen älteren Kult als den der Olympier gab. Die entdeckten Tonscherben sind etwa 1.000 Jahre älter als die Spuren der Griechen.

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Zeus tötete seinen Vater Kronos, der hatte seinen Vater Uranos getötet, so wird auch am Himmel innerhalb der Sippen um die Macht gekämpft. Und nach außen? Hat Zeus nicht nur das eigene Haus übernommen, sondern auch die Kultstätten früherer Religionen? „Auf der höchsten Kuppe des Gebirges befindet sich eine Erdaufschüttung, der Altar des Lykaischen Zeus. Von dieser Stelle aus ist der größte Teil des Peleponnes sichtbar. Vor dem Altar, zur aufgehenden Sonne hin, stehen zwei Säulen, auf denen sich früher zwei vergoldete Adler befanden. Sie opfern dem Zeus Lykaios auf diesem Altar im Geheimen; mir war es unangenehm, neugierig danach zu fragen, wie es sich mit diesem Opfer verhält.“

Der Berg heißt Lykaion („Wolfsberg“), der Berichterstatter Pausanias (etwa 155n.Chr. bis 180n.Chr.), und die Frage, die er sich verkneift, ist die nach dem Opfer. Mythen berichten (nicht vom Opfer, aber) vom Verzehr von Menschen-, gar von Götterfleisch: Ein gewisser Lykaon habe Zeus solches Fleisch vorgesetzt, in einer Variante ordinäres Menschenfleisch, in einer anderen Fleisch eines Sohnes („Arkas“, wie Arkadien), den der Gott mit der Nymphe Kallisto hatte. Die Rache war hart, Zeus schleuderte Blitze in den Palast des Lykaon und verwandelte den selbst in einen Wolf. Darauf nahm später ein Ritual Bezug, in dem junge Männer auf dem Berg gemeinsam einen Eintopf löffelten, in dem ein Stück Menschenfleisch war. Wer das in den Mund bekam, wurde für einige Jahre zum Werwolf.

Man deutet das als Metapher für einen temporären Ausschluss gefährlicher Gesellschaftsmitglieder, und aus der gesamten griechischen Antike gibt es keine Funde, die auf Menschenopfer deuten. Gab es sie in früheren Religionen, irgendwoher müssen die Mythen ja kommen? Auch darauf deutet nichts, aber immerhin deutet nun etwas darauf, dass es auf dem Lykaion, einem der höchsten Heiligtümer des Zeus, lange vor ihm die Kultstätte einer Religion gab, die von ihm übernommen wurde.


Repräsentant(in) von Sturm und Beben?

Und zwar mit hoch emotionalen Mitteln: „Lykaion ist einer der mythologischen Geburtsorte von Zeus, der andere ist in Kreta“, berichtet David Gilman Romano (Penn State University), der seit einigen Jahren am Berg gräbt (zuletzt waren Archäologen zu Beginn des 20.Jahrhunderts dort). Er hat an den Resten des Zeus-Altars Tonscherben gefunden, die 5500 Jahre alt sind – die Griechen, und mit ihnen Zeus, kamen erst vor 4500 Jahren aus dem Norden. Wer vorher dort war, ist nicht klar, klar hingegen ist, dass die 1420 Meter hohe Bergspitze für eine Siedlung zu rau war. Für ein Heiligtum nicht. Wen hätte man verehren sollen? „Das wissen wir noch nicht“, erklärt Romano: „Es könnte in Zusammenhang mit Naturphänomenen wie Sturm, Gewitter oder Erdbeben gestanden sein, ein Gott – oder eine Göttin – könnte diese Naturgewalten repräsentiert haben“ (www.museum.upenn.edu).

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.02.2008)

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6 Kommentare
Gast: Ludwig Ammer
09.02.2008 17:38

Was ist los?

Warum wird hier nicht diskutiert? Früher hat man sich gefreut, wenn Fragen auftauchten, die wirklich noch ungelöst waren. Ich will ja nicht alleine den Pan mit Vorläufer Phan aus dem Osten auf den Tisch werfen sondern auch noch die minoisch orientierte Variante mit der Brücke Kreta zu Lybien und Ägypten: Seth. Steininger, ich wollte ihnen nicht in die Gedanken rauben und hoffte, daß Sie noch Ihre Spekulationen beitragen, weil das ist ja wirklich eine Sache, mit der man sich beschäftigen kann, auch wenn man diese griechischen Mythologien gar nicht mag. Seth kommt als Zerstückler seines Bruders sehr in Frage für diesen pervers verbrecherischen Kult, wie er genau so beim Seth Ägyptens auftaucht. Ein bisserl blöd ist das schon von den Verfassern der Genesis gewesen, wie sie dann Set übernommen haben. Der Kult um Seth ist 6000 Jahre nachweisbar und würde noch besser als Phan/Pan hier hinein passen. Ich habe kein Griechisch und leider nicht einmal Latein gelernt und habe keinerlei klassische

Gast: eh klar
07.02.2008 09:02

ist ja nicht unbekannt

... dass vor Zeus primitive Mutter- und Fruchtbarkeitsgottheiten mit kannibalistischen Ritualen verehrt wurden ist ja nicht unbekannt. Im Übrigen verläuft die Entwicklung der Menschheit ja überall nach diesem Schema. Am Anfang stehen sozialistische Urhorden mit primitiv-kannibalistischer Mutter- und Fruchtbarkeitsverehrung.

Antworten TheAlien
08.02.2008 11:23

Ähnlichkeiten

Im Prinzip also wie die Grünen, nur halt zusätzlich Kanibalismus also? ;-)

Gast: Ludwig Ammer
06.02.2008 22:14

Pan

Ich bin im Landkreis Pfarrkirchen in Niederbayern aufgewachsen, und da fährt man das Kennzeichen, das in diesem faden Bildungsspiel gefragt ist. Pan ist so unendlich oft in die saudepperte griechische Mythologie eingewoben worden, daß nur er der ältere Arkadier vor Zeus sein kann, auch wenn er gelegentlich als Sohn des Zeus auftaucht. Hebräisch erschreckt der Arkadier Phan am siebten Tag, wer sich nicht in G-tt wiederfindet. Um den Lykaionberg werden immer noch Orgien gefeiert mit Tierverkleidungen, die nur einen vieltausende alten Pan als Hintergrund.

Antworten Steininger
07.02.2008 09:30

Re: Pan, hm das ist ziemlich beliebig

Im Artikel steht doch, daß die Überreste vor-hellenisch sind. Ein Fund könnte sogar Minoisch sein.

http://lykaionexcavation.org/


Antworten Antworten Gast: Ludwig Ammer
08.02.2008 17:05

Ägäis

Irgendwo hinter der Ägäis wird der Tiermensch Phan wohl hergekommen sein. Einige Jahrtausende hatte er fernab der griechischen Hand schon hinter sich, bis er als beliebiger Pan adoptiert wurde.

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