26.05.2012 17:18 | Meine Presse Merkliste 0

Stammzellen aus verletztem Gehirn

26.02.2008 | 09:17 |   (Die Presse)

Münchner Forscher zogen bei Mäusen multipotente Zellen aus Nähr- und Stützzellen des Hirns. Diese könnten gezielt zerstörte Hirnzellen ersetzen.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Das verletzte Gewebe gegen den Rest des Hirns verschließen, die Entzündung und den Tod von Nervenzellen auf ein Mindestmaß beschränken: So muss das Zentralnervensystem höherer Tiere schnell auf Verletzungen reagieren. Dieses Erste-Hilfe-Programm nennt man „reaktive Gliose“, denn Gliazellen, die Nähr- undStützzellen des Hirns, spielen dabei eine zentrale Rolle. Unter ihnen die Astrozyten, Zellen mit sternförmigen Verzweigungen (und damit einer großen Oberfläche), die u.a. den pH-Wert und den Kalium-Haushalt im Hirn regulieren.

Diese Astrozyten teilen sich für gewöhnlich nicht. Auf Verletzungen aber reagieren sie mit Wachstum – und mit Vermehrung. Das überprüften Forscher um Magdalena Götz (München) nun an Mäusen. Dabei bleiben die Astrozyten in vivo – also im verletzten Hirn – Astrozyten, in vitro – in einem Nährmedium – aber entwickeln sie sich in andere Zellarten des Gehirns, auch in „echte“ Nervenzellen, Neuronen. Das ist neu. Und ungewöhnlich: Denn in erwachsenen Wirbeltieren bilden sich neue Neuronen für gewöhnlich nur in bestimmtem Hirnregionen, bei Menschen z.B. im Hippocampus, wo das Gedächtnis sitzt.


Chance auf Heilung?

Offenbar bewirkt die Verletzung, dass die Astrozyten sich in eine Art Stammzellen zurückentwickeln („dedifferenzieren“), die multipotent sind, sich also wieder in verschiedene Zelltypen entwickeln („differenzieren“) können. Andere Zellen im Hirn schaffen diese Dedifferenzierung nicht, auch das wiesen die Münchner nach (Pnas, online 26.2.).

Damit sind die Astrozyten neue Hoffnungsträger: Wenn man es schafft, ihre Verwandlung in Stammzellen – und in weitere Folge neue Neuronen – gezielt zu induzieren, könnten diese zerstörte Hirnzellen ersetzen. tk

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.02.2008)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo
Als Gast kommentieren

...oder einloggen um als registrierter Benutzer zu kommentieren (Vorteile dieser Variante)


Mit dem Absenden Ihres Kommentares erklären Sie sich mit den Forenregeln einverstanden.

*... Pflichtfelder

Sicherheitscode
(Was bringt das?)*



Schwer lesbar?
Neuen Code generieren

Verbleibende Zeichen

1 Kommentare
astra1971
27.02.2008 11:21
0 0

Der Mensch ist keine Maus! - Tierversuche - wissenschaftlicher Betrug:

Das beliebteste Versuchstier hat ein Gewicht von 20-30 g, sein Herz hat die Länge von 0,8 cm, der Magen ein Fassungsvermögen von 1,5 ml. Die Rede ist vom Pharmavorkoster des Menschen: Der Maus.
Obwohl diese Daten eindeutig beweisen, daß eine Maus niemals Modellcharakter für den 70.000 Gramm schweren Menschen haben kann, wird mit ihr millionenfach experimentiert - weil sie so billig ist und so handlich. Neben Meerschweinchen, Kaninchen und Ratten werden Mäuse als »klassische Laboratoriumstiere« beschrieben, »da ihre Zucht, Haltung und Pflege weniger aufwendig ist als die der größeren Tiere«. Ausschließlich wirtschaftliche Aspekte bestimmen demnach diese Auswahl, die mit wissenschaftlicher begründeter Selektion nicht das Geringste zu tun hat. (»Größere Tiere« sind übrigens auch kein Abbild des Menschen und deswegen genauso wenig geeignet.)