Die Zahl der Krebserkrankungen im Mund- und Rachenraum hat sich seit Anfang der 70er Jahre verdoppelt. Als eine Ursache für diese Entwicklung gilt die Zunahme oraler Sexualpraktiken, mit deren Hilfe das Humane Papillomvirus (HPV) von den Genitalien auf die Schleimhäute des Mundes übertragen werden kann, wie der Berufsverband der Frauenärzte unter Berufung auf eine US-Studie berichtet. Eine HPV-Infektion ist bisher vor allem als wichtiger Faktor bei der Entstehung von Gebärmutterhalskrebs bekannt.
Die Wissenschafter hatten 45.000 Krebserkrankungen im Mund- und Rachenraum auf Basis mehrerer Datenbanken analysiert. Darunter waren rund 17.600 Erkrankungen, die mit dem HP-Virus verbunden waren und mehr als 28.000 Tumorfälle, bei denen HPV scheinbar keine Rolle spielte.
Zahl der Sexualpartner ist ausschlaggebend
Die Analyse machte den Angaben zufolge Unterschiede im Profil der Patienten mit der einen oder anderen Krebsvariante deutlich: Betroffene mit einer Krebserkrankung, an der HP-Viren beteiligt waren, hatten im Gegensatz zu den anderen Patienten mehr orale Sexualpartner, öfter ungeschützten Sex mit häufig wechselnden Partnern und eine höhere Zahl an weiteren sexuell übertragbaren Erkrankungen.
"Bei diesen Faktoren handelt es sich jeweils um Verhaltensweisen und Einflüsse, die dafür bekannt sind, bei Frauen eine Krebserkrankung am Gebärmutterhals zu fördern", erklärt der zweite Vorsitzende des Berufsverbandes, Klaus König. "Es überrascht daher keineswegs, dass sie auch im Zusammenhang mit oralen Krebserkrankungen zu finden sind, die durch HPV verursacht werden." Grundsätzlich erhöhten sie die Wahrscheinlichkeit, sich mit einem gefährlichen Typen aus der Virenfamilie anzustecken und dauerhaft infiziert zu bleiben.
Weitere Risikofaktoren für Krebs im Mund- und Rachenraum sind vor allem langjähriges Rauchen und exzessiver Alkoholkonsum. (Ag.)

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