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Kosmologie: Angriff auf die Dunkle Energie

18.06.2008 | 19:29 |  THOMAS KRAMAR (Die Presse)

Die beschleunigte Ausdehnung des Universums ist nur eine Täuschung, hervorgerufen durch die blasenartige Struktur, sagt David Wiltshire, derzeit in Wien.

Das Universum besteht zu 72 Prozent aus Dunkler Energie, einer völlig seltsamen Form von Energie, die überall ist, aber nicht – wie alle Materie und Energie, die wir kennen – anziehend wirkt, sondern abstoßend, die alles auseinandertreibt. Denn das Weltall dehnt sich nicht nur aus, es dehnt sich immer schneller aus. Bis in ferner Zukunft kein Teilchen mehr vom anderen weiß.

Fürwahr ein unheimliches Weltbild, das sogenannte Standardmodell der Kosmologie. Es ist gar nicht alt: Die ersten Messungen an Supernovas, die für eine beschleunigte Expansion des Universum sprachen, wurden 1998 publiziert. Dass die Kosmologen so schnell mit dem Postulat einer Dunklen Energie antworten konnten, hat historische Gründe: Schon Albert Einstein hatte die Einführung einer „kosmologischen Konstante“ vorgeschlagen (die bei ihm allerdings das Weltall davor bewahren sollte, in sich zusammenzustürzen), er widerrief dies aber in berühmten Worten: Das sei seine „größte Eselei“ gewesen.


Uhren gehen nicht überall gleich

Da hatte Einstein gar nicht so unrecht, sagt David Wiltshire, theoretischer Physiker an der University of Canterbury in Christchurch, Neuseeland, derzeit auf Einladung der Uni-Gruppe für Gravitationsphysik in Wien. Er ist zur Überzeugung gekommen: Man braucht keine Dunkle Energie. Denn die beschleunigte Ausdehnung des Universums findet nicht statt, sagt er: „Sie ist nur eine naive Ableitung aus dem Versuch, ein Modell des Universums auf der Annahme aufzubauen, dass die Krümmung des Raums überall gleich ist und die Uhren aller typischen Beobachter synchronisiert sind.“

Und das ist nicht der Fall. Das weiß man, seitdem Einstein 1915 seine Allgemeine Relativitätstheorie aufgestellt hat. Die sagt im Grunde zweierlei: 1) Die Krümmung der Raumzeit beeinflusst die Verteilung der Materie/Energie. 2) Die Verteilung der Materie/Energie beeinflusst umgekehrt die Krümmung der Raumzeit. Simpelstes Beispiel: Ein Apfel fällt auf die Erde, weil diese den Raum um sich herum so krümmt, dass der Apfel nicht anders kann als fallen.

Wenn die Materie/Energie überall im Universum gleich verteilt wäre, dann wäre die Raumkrümmung überall gleich – und man könnte aus den Supernova-Daten unbesorgt schließen, dass das Weltall sich beschleunigt ausdehnt. Sie ist aber nicht überall gleich verteilt, das Universum ist nur im allergrößten Maßstab (über 700 Millionen Lichtjahre) homogen.

Es ähnelt vielmehr einem Schwamm, in dem relative dünne Wände große Leerräume einschließen. Die Wände sind aus Galaxien und Galaxienhaufen, die Leerräume sind – nun, sie sind wirklich ziemlich leer. Und sie dominieren das Universum.

Wir respektive unser Sonnensystem respektive unsere Milchstraße sitzen natürlich in einer der dünnen Wände. Unsere Galaxie ist ein (durch Gravitation) gebundenes System, das, wie die Physiker sagen, abgekoppelt ist von der allgemeinen Expansion. Das prägt unseren Blick und unsere Raumzeit. So laufen unsere Uhren langsamer als die eines fiktiven Beobachters in einem der kosmischen Leerräume.


Das Blasenmodell des Universums

Diese besondere Lage prägt damit auch, wie wir Licht sehen, das aus dem Weltall zu uns kommt. Wir sehen es anders, mit anderen Wellenlängen, als wir es sehen würden, wenn wir in einem Leerraum wären. Aus dieser Überlegung hat Wiltshire ein Modell des Universums gebastelt, das aus Wänden und Leerräumen besteht: „Fractal Bubble Model“ nennt er es.

Man konnte damit zeigen, dass ein Beobachter, der sich in einer Wand befindet, eine scheinbare Beschleunigung der Expansion sieht, im Gegensatz zu einem – fiktiven – Beobachter in einem Leerraum: Er könnte keine Beschleunigung feststellen. Es kommt eben ganz auf den Standpunkt an.

Und er destillierte daraus – und aus den diversen Daten von Supernovas und kosmischer Hintergrundstrahlung – neue Werte für die kosmologischen Parameter. So erhält er als Alter des Universums 14,7 Milliarden Jahre statt 13,7 Milliarden Jahre, das passt, ganz pragmatisch gesehen, den Astrophysikern gut, da haben die Galaxien mehr Zeit, um sich so zu entwickeln, wie man sie heute sieht. Willkommen ist auch ein anderer Wert, nämlich der für das Verhältnis von Dunkler Materie zu normaler Materie: 3:1 zu 5:1.

(Zur Erklärung: Die Dunkle Materie ist zwar auch unbekannt, aber deutlich weniger mysteriös als die Dunkle Energie: Sie verhält sich „normal“ zur Schwerkraft. Im – wankenden – Standardmodell der Kosmologie stellt sie ca. 23 Prozent des Universums, damit bleiben nur ca. fünf Prozent für „normale“ Materie, die unsere Augen respektive unsere Messinstrumente sehen können!)


Erklärung diverser Anomalien

Mit seinem Modell kann Wiltshire laut eigener Aussage nicht nur die Daten (auch die berüchtigten Supernova-Messungen) erklären, auf die sich die Theorie der Dunklen Energie stützt, sondern auch einiges, an dem diese bisher gescheitert ist. Zum Beispiel diverse Anomalien in der beobachteten kosmischen Hintergrundstrahlung. Oder das Ausmaß der Entstehung des chemischen Elements Lithium im frühen Universum.

„Manche Physiker erfinden ja neue Teilchen, um das Lithium-Problem zu erklären“, sagt Wiltshire nicht ohne Ironie. Er erfindet keine Teilchen – und ist auch für weitreichende Vorhersagen über die Zukunft der Welt nicht zu haben. „Sie ist nicht vorhersagbar, eben weil das Universum so inhomogen ist“, sagte er bei einem Vortrag im (überfüllten) großen Seminarraum der theoretischen Physiker der Uni Wien.

Wo kein Kollege einen fundamentalen Einwand erhob. Eigentlich überraschend für eine Theorie, die 72 Prozent des Weltalls mit einem Streich abschafft.

KLEINE WELTGESCHICHTE

Das Universum dehnt sich aus – seit ungefähr 14 Milliarden Jahren, seit einem Urknall („big bang“). Darauf können sich fast alle Kosmologen einigen, auch David Wiltshire. Er leugnet nur, dass sich das Universum immer schneller ausdehnt.

Die beschleunigte Expansion ist seit ca. zehn Jahren „Standardmodell“. Zu ihrer Er-klärung wurde die Dunkle Energie eingeführt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.06.2008)


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8 Kommentare
 
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Von Aaron Fishhof am 19.06.2008 um 07:27

Die beschleunigte Expansion

ist ja deshalb schon unwahrscheinlich,weil die Expansions-Energie nach dem Big Bang kontinuierlich abnehmen muß, die Gravitation dadurch stärker wird und der Kosmos in einem Big Crunch wieder kollabieren wird.

Dann kommt wieder ein neuer Big Bang.

Noah von der Arche am Berg der Freude

Antworten Von Gast: p.pacher am 19.06.2008 um 12:39

Re: Die beschleunigte Expansion

Könnte ja sein dass das Universum ein Art Lichtbogen ist indem die Materie von der Anode zur Kathode wandert. Je näher zur Kathode, desto schneller der Fluß. Spannungsbedingt. Dann würde die Beschleunigung Sinn machen. Nur so eine Idee von einem Laien

Antworten Antworten Von Aaron Fishhof am 19.06.2008 um 13:10

Re: Re: Die beschleunigte Expansion

Der Kosmos ist aber kein Lichtbogen,wie in einem Labor -Experiment der relativ primitiven Menschenkinder.

Noah von der Arche am Berg der Freude

Antworten Antworten Antworten Von quantenhmaschine am 17.09.2008 um 16:37

Re: Re: Re: Die beschleunigte Expansion

siehe:

http://www.quantenmaschine.at/Kritik_Standardmodell_Kosmologie.html
http://www.quantenmaschine.at/Herleitung_exakten_Planck_Temperatur.html
http://www.quantenmaschine.at/Parameter_Problem_Standard_Modell_Kosmologie_Teilchenphysik.html


Antworten Antworten Antworten Von Gast: P.Pacher am 19.06.2008 um 17:06

Re: Re: Re: Die beschleunigte Expansion

Wirklich? Warum könnte der Big Bang nicht der Zündfunke dieses Lichtbogens gewesen sein und warum sollte ein in sich zusammengefallendes Universum so ganz mir nix dir nix auf einmal wieder explodieren? Wissen Sie die Antwort?

Antworten Antworten Antworten Antworten Von Aaron Fishhof am 21.06.2008 um 08:24

Re: Re: Re: Re: Die beschleunigte Expansion

Weil ein riesengroßes kosmisches Schwarzes Loch nach der Kontraktion des Universum´s durch kleinste Gravitonen-Inhomogenitäten nicht stabil sein kann und deshalb wieder bald explodieren muß,wenn der Strahlungs-Druck dadurch lokal größer wird und quasi eine Kettenreaktion auslöst.

Ein Beispiel für die Folgen von Gravitonen-Inhomogenitäten sind ja auch Super-Nova-Event´s.

Nach Ihrer Vorstellung dürften Riesen-Sterne
ja auch nicht

durch die extrem starke Gravitation im Zentrum explodieren dürfen!?

Sie tun es aber doch.

Noah von der Arche am Berg der Freude

Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Von Dr. Dieter Zakel MA am 22.06.2008 um 07:00

Re: Re: Re: Re: Re: Die beschleunigte Expansion

http://de.wikipedia.org/wiki/Apostrophitis

Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Von Gast: denkmal am 24.06.2008 um 09:25

Re: Re: Re: Re: Re: Re: Die beschleunigte Expansion

schonmal darüber nachgedacht das das uns umgebende All kein Quantum Vacuum ist sonder vielleicht ein Quantum Plenum? F.Wheeler hat zwei Nobel Preise gewonnen - den ersten dadurch das er (vereinfacht) behauptet und bewiesen hat das jeder cm³ 'leerer' Raum nach Einsteins Relativitätstheorie unheimliche Energie gespeichert hat. Das Universum ist ein Frequenzberg - in dem alle Frequenzen unaufhörlich in jedem Winkel mit der gleichen ungeheuren Kraft aufeinanderstoßen und sich auslöschen. Materie ist demnach nichts anderes als 'stehende Verwirbelung' in einem Reibungsfreien Fluiden Haufen von Frequenz.
Zwei Photonen die aufeinander treffen und sich um 90° Phasenverschoben vereinigen bilden ein Elektron, das ist wissenschaftlich anerkannt. Dieses Elektron (als nunmehr masse-Teilchen) beeinflußt den Atomkern eines Elementes x den man auch das 'blackHole' des Element x nennen könnte in der Weise das dieser Atomkern schwingt und andere Atome ... Licht ist überall ! Quantum Plenum!

 
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