In Fragen jener Intelligenz, die der IQ misst, liegen die Österreicher im Spitzenfeld, 100 Punkte pro Kopf, das ist soviel wie in Großbritannien, Holland und Dänemark, nur wenige der 137 Länder des Erdenrunds haben einen noch höheren Durchschnitt (Singapur: 108, Südkorea: 106, Taiwan und China: je 105, Italien: 102, Schweiz: 101). Ganz unten hingegen die Armenhäuser Afrikas: Mozambique (64), Kongo (64), Simbabwe (66), Senegal (66), Guinea (67), Angola (68).
Aber die soziale Lage ist nicht alles – so reich ist China nicht –, es gibt noch eine Variable, die mit dem IQ korreliert: In Guinea bekennen sich ganze 0,5 Prozent als Atheisten, im Kongo und in Angola 1,5. In Südkorea hingegen sind es 30 Prozent, in Großbritannien 41, in Holland 42, in Dänemark 48. Österreich bildet in dieser Gruppe – IQ um 100 – eine Ausnahme, 18 Prozent sind Atheisten, eine noch größere Ausnahme ist Italien, wo 94 an Gott glauben.
Glaube schwindet, IQ steigt
Dass diese Länder eine Ausnahme sind bzw. dass es eine Regel gibt – „negative Korrelation zwischen Intelligenz und religiösem Glauben“ –, davon sind die Forscher, die die internationalen Statistiken zusammengetragen haben, überzeugt: „Nur in 17 Prozent aller Länder liegt der Anteil derer, die nicht an Gott glauben, über 20 Prozent. Diese Länder sind fast alle die mit dem höheren IQ.“
Das gleiche Korrelations-Bild zeigt sich, wenn man in die Geschichte schaut, zunächst in die jedes Individuums: Der Kinderglaube geht vielen in der Pubertät verloren. Der Glaube schwindet aber weltweit auch, seit die Intelligenz steigt, das tut sie seit etwa 150 Jahren, man weiß nicht recht warum, hat aber wenigstens einen Namen dafür: „Flynn-Effekt“. Die Forscher sehen auch hier die Korrelation: In England etwa gingen 1850 noch 40 Prozent regelmäßig zur Kirche, es sank kontinuierlich, 1990 waren es zehn Prozent (Intelligence, 25.6.).
Die Forscher? Einer der Studien-Verfasser heißt Richard Lynn, lehrt an der University of Ulster (Coleraine) und ist immer für Kontroversen gut. So schlug er sich im Streit um die Intelligenz ganzer Rassen – „The Bell Curve“, 1994 – auf die Seite derer, die das für möglich halten. Er ist aber auch kein Gen-Freak, führte etwa den Flynn-Effekt auf verbesserte Ernährung zurück. Nun wirft er sich für Richard Dawkins ins Gefecht, der in seinem Buch „Der Gotteswahn“ u.a. zeigen will, dass Glaube nicht intelligent ist. jl
("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.06.2008)

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