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Mediziner entschlüsselt Klang-Geheimnis alter "Stradivaris"

02.07.2008 | 11:35 |   (DiePresse.com)

Ein niederländischer Arzt hat Stradivari-Geigen mit dem CT durchleuchtet. Alte Violinen haben eine gleichmäßigere Holzdichte als neue und klingen deshalb besser.

Ein Mediziner hat jahrhundertealte Stradivari-Geigen in einen Computertomographen durchleuchtet und ist damit ihrem Klang-Geheimnis auf die Spur gekommen. Die Untersuchung mehrerer Exemplare habe Unterschiede in der Dichte des Holzes zutage gebracht, berichtete Berend Stoel von der Universitätsklinik in der niederländischen Stadt Leiden. Im Durchschnitt sei die Holzdichte der alten Geigen zwar ähnlich gewesen wie die der modernen, schreibt er zusammen mit einem Geigenbauer im Online-Journal "PLoS ONE". Die alten Violinen hätten jedoch eine gleichmäßigere Holzdichte als die neuen.

Da die Dichte des Holzes dessen Vibration und damit den Ton beeinflusse, könne hier eine Erklärung für den einzigartigen Klang der Stradivari-Instrumente liegen, schlussfolgern die beiden Autoren. Diese Erkenntnis öffne neue Möglichkeiten, den bisher nie wieder erreichten Klang einer Stradivari zu reproduzieren.

Stoel nutzte für die Untersuchung ein Verfahren, dass er von einem Computerprogramm zur Messung der Lungendichte abgeleitet hatte. Gemeinsam mit dem Geigenbauer Terry Borman steckte er sieben neue und fünf alte Violinen in den Computertomographen. Die alten Instrumente stammten aus dem italienischen Cremona, wo Antonio Stradivari, aber auch andere Geigenbauer, im 17. Jahrhundert ihren Ruhm erwarben.

 

(Ag.)


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3 Kommentare
 
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Von Gast: grubenhund am 02.07.2008 um 20:43

meine güte, rote hüte,

führt Euch endlich zu Gemüte, daß eine Geige nur so gut klingen kann als man auf ihr spielt. Kremer hat es von höchster Stelle postuliert: spielen lernt man auf einem Besenstiel. Perlman ist im Zweiteiler "Die Kunst des Geigenspiels" zu vernehmen: hast du es hier (Fingerzeig aufs Hirn), aber es klingt hier (linke Hand) nicht so, then leave it! Man tut nur sich und der lärmgeplagten Welt einen Riesendienst, wenn man das beherzigt.
Eine Stradivari hat in einem CT-Tunnel ebensoviel verloren wie der Patient in der Werkstatt eines luttiere, merkt Euch das endlich!

Antworten Von Gast: David am 03.07.2008 um 03:26

Re: meine güte, rote hüte,

Prinzipiell richtig, allerdings sind Begabung und Können ebenso wie die Güte des Instruments Komponenten, die zusammen ein bestimmtes Ergebnis bringen: Klar, ich würde lieber einen guten Violinisten auf einer schlechten Violine hören als einen schlechten Violinisten auf einer Stradivari, dennoch denke ich, dass ein Meister auf einem guten Instrument noch mehr herausholen kann -- gerade dieses Ergebnis gibt einem in physikalischer Hinsicht Recht. Mich wundert vielmehr, dass vorher noch niemand auf diese Idee gekommen ist...

Antworten Antworten Von Gast: grubenhund am 03.07.2008 um 08:06

Re: Re: meine güte, rote hüte,

Selbstverständlich wünscht man sich den besten Geiger auf der besten Stradivari (Amati, Guarneri). Leider ist in Zeiten, da ein weniger vorteilhaftes Aussehen, wie bei der jungen (und damals echt göttlichen Callas), Sängerinnen zum Gang in die Umschulung auf das AMS schickt, das Holz wichtiger geworden als die Fingerkuppe. Jenes muß allererste Güte haben, letztere trimmt die Agentur schon hin. (Bände spricht der Selbstversuch eines notorischen amerikanischen Geigers mit seinem exquisiten Instrument, an einem ungemütlichen Januarmorgen vor einem U-Bahneingang als Straßenmusikant zu reüssieren).
Dem Geheimnis der cremonesischen luttieri ist man schon seit längerer Zeit auf der Spur, ich erinnere mich an eine einschlägige TV-Sendung, in der ein junger Elektronikingenieur mittels Zerlegung der Schallwellen die genaue Konstruktion nachstellen konnte, die in einem Vergleich einige alte Stücke auszustechen vermochte.

 
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