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MED-UNI Innsbruck: Zeitschrift zieht Innsbrucker Arbeit offiziell zurück

05.09.2008 | 18:44 |  (Die Presse)

Weitere Vorwürfe gegen Forscher am Institut für Urologie.

Ohne die erforderliche Genehmigung der Ethikkommission sowie ohne Wissen der ärztlichen Direktion hat die Kinderurologie an der Innsbrucker Klinik 260 Kinder und zum Teil Erwachsene hormonell und operativ behandelt. Das bestätigte Wolfgang Buchberger, ärztlicher Direktor der TILAK (Tiroler Landeskrankenanstalt), der Apa. Zudem sei den Patienten bzw. ihren Eltern nicht mitgeteilt worden, dass ihre Krankheitsgeschichte für Studienzwecke ausgewertet werde. Die AGES (Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit) prüft den Fall.

Die AGES ist auch aktiv im Fall der als „Stammzellentherapie“ angepriesenen Zelltherapie von Hannes Strasser, ebenfalls an der Urologie der Med-Uni Innsbruck. Ein Patient hat bereits erfolgreich geklagt, die AGES spricht von Betrug und Dokumentenfälschung, sie hat die Staatsanwaltschaft eingeschaltet.

Strasser war trotz Aufforderung der Uni Innsbruck nicht bereit, zwei Publikationen zu seiner Zelltherapie in den Zeitschriften Lancet und World Journal of Urology zurückzuziehen. Nun hat Lancetvon sich aus die Studie zurückgezogen, was selten vorkommt und eine heftige Ohrfeige für Forscher ist.


Kritik an „Ehrenautorenschaft“

In einem Editorial kritisiert Lancet den Vorstand der Urologie, Georg Bartsch, der als Mitautor auf den Arbeiten steht, sich aber im Nachhinein davon distanzieren wollte. Bartsch behauptete, Strasser habe ihn nur „ehrenhalber“ in die Autorenzeile aufgenommen. Lancet hält nun fest, dass solche „Ehrenautorenschaft“ inakzeptabel sei; als Autor sei nur zu betrachten, wer einen „substanziellen intellektuellen Beitrag“ geliefert habe. Es sei unlauter, wenn bei unsauberen Arbeiten manche Autoren im Nachhinein ihre Verantwortung ablehnen. „With credit comes responsibility – always.“

Schon die ebenfalls höchst angesehene Zeitschrift Nature hatte Bartsch in dieser Affäre kritisiert – und eine Glosse mit der Hamlet-Variation geschlossen: „Something, it seems, is rotten in the state of Austria.“ Der Universitätsrat, der wohl selbst „disziplinarrechtliche Konsequenzen“ ankündigt, schoss zurück: „Probably there is something wrong in the journal Nature.“ apa/tk


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