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Meteorologie: Mini-Ozonlöcher über Österreich

18.11.2008 | 18:30 |  VERONIKA SCHMIDT (Die Presse)

Neben dem großen – vom Menschen verursachten – Ozonloch, kommt es wetterbedingt regelmäßig zu kleineren Stellen, an denen die Ozonwerte drastisch sinken und die UV-Strahlung daher ansteigt.

Schon mal von Mini-Ozonlöchern gehört? Das große Ozonloch, das über der Antarktis erstmals 1985 entdeckt wurde, ja das kennt man. Doch dass auch Österreich regelmäßig mit den Auswirkungen anderer Ozonlöcher und damit mit einem Steigen der UV-Strahlung zurecht kommen muss, weiß kaum jemand. Stana Simic vom Institut für Meteorologie an der Universität für Bodenkultur kennt die Mini-Ozonlöcher sehr gut, schließlich forscht sie seit fast 15 Jahren an Ozon- und UV-Belastung in Österreich. Und bei der Erklärung, was Mini-Ozonlöcher sind, nimmt sie gleich den Menschen in Schutz: Denn während das große Ozonloch auf den Gebrauch von FCKW-hältigen Gasen, deren Chlorbestandteile das Ozon langfristig abbauen, zurückzuführen ist, können wir für die Ozon-Mini-Löcher ausnahmsweise mal nichts.

„Durch den Transport von Luftmassen aus den Tropen oder dem Polarbereich, wo die Luft ozonarm ist, oder durch Tiefdruckwirbel über dem Atlantik können die Ozonwerte über Österreich so absinken, dass sie denen vom Ozonloch der Antarktis entsprechen“, so Simic. Auf den Satellitenkarten sehen Mini-Ozonlöcher aus wie Hochs oder Tiefs beim Wetterbericht, sie ähneln diesen in ihrer Fläche und wie sie über Europa wandern. Sie betreffen – wie Wetterfronten – Österreich nie länger als ein bis fünf Tage.

Welche Auswirkungen diese Ozontiefstwerte in höheren Atmosphärenschichten auf die Bevölkerung haben, sollte von Simic und ihren Kollegen in einem StartClim-Projekt (gefördert unter anderem vom Wissenschafts- und vom Wirtschaftsministerium) geklärt werden. Das war gar nicht so einfach, denn Messungen der Ozonwerte gibt es noch nicht lange. Während allgemeine Daten über Klima und Wetter zum Beispiel am Sonnblick in den Hohen Tauern seit über 120 Jahren gemessen werden, kann die Ozonmessung ebendort nur auf eine Zeitreihe von 14 Jahren zurückgreifen. Denn nachdem in den 1980er-Jahren erste Bedenken geäußert wurden, dass die schützende Ozonschicht rund um den Erdball bald nicht mehr so gut schützen könnte, dauerte es eine Weile, bis überall Messungen des Ozons gestartet werden konnten, da solche technisch sehr anspruchsvoll sind. Am Sonnblick wird nun seit 1994 jeden Tag, alle 30 Minuten gemessen, welche Dichte das Gesamtozon über Österreich hat.

 

Das „gute“ und das „böse“ Ozon

90 Prozent des Ozons befindet sich in der Stratosphäre, also in zehn bis 50 Kilometer Höhe – im Volksmund das „gute Ozon“ genannt. Das „böse Ozon“, nämlich das bodennahe Ozon, macht nur drei Prozent des Gesamtozons aus. An heißen Tagen mit hoher UV-Belastung kann das „böse“ Ozon zu Reizungen der Schleimhäute bei Tier und Mensch führen und auch Pflanzen schädigen. Das „gute“ Ozon in der Stratosphäre ist hingegen für unseren Planeten lebenswichtig, denn es filtert den Anteil des Sonnenlichts heraus, der auf biologische Systeme eine schädigende Wirkung hat. UV-Strahlen (mit einer Wellenlänge von 280 bis 400 Nanometer) machen in hoher Dosis den Zellen und ihrer DNA zu schaffen. Beim Menschen verursachen sie Sonnenbrand und Hautkrebs. Je weniger „gutes“ Ozon nun vorhanden ist, umso stärker kommen die UV-Strahlen durch und richten hier Schaden an. Ob die Mini-Ozonlöcher der österreichischen Bevölkerung schaden, konnte im aktuellen Projekt nicht signifikant belegt werden. Jedoch kam klar heraus, dass im Zeitraum von 1995 bis 2005 besonders viele Tage mit sehr dünner Ozonschicht über Österreich gemessen wurden. „Am kritischsten ist, dass Mini-Ozonlöcher verstärkt im Spätwinter und im Frühjahr auftreten“, sagt Simic. Denn zu diesen Zeiten ist die Bevölkerung nicht an starke UV-Belastung gewöhnt, die Haut ist noch blass vom Winter und ein plötzlicher Anstieg der UV-Strahlung kann zu unerwartetem Sonnenbrand führen.

Interessant liest sich jedenfalls die Hautkrebsstatistik, die im StartClim-Projekt ausgewertet wurde: Seit Beginn der 1990er-Jahre gibt es einen Anstieg der Erkrankungen an bösartigem Melanom – bei Männern stärker als bei Frauen. Ob es für den Geschlechtsunterschied eine biologische Erklärung gibt oder es vom Verhalten in der Freizeit und Arbeit abhängt (wie dem Spruch: „Eincremen ist was für Mädchen“), wurde nicht geklärt. Auffällig ist, dass das Melanomrisiko mit der Seehöhe des Wohnbezirks zunimmt: Am höchsten ist es in Tirol und Vorarlberg. Jedoch auch innerhalb von Wien wurden Unterschiede gefunden: In Hietzing, der Inneren Stadt und Penzing tritt Hautkrebs am häufigsten auf, am seltensten in der Brigittenau, Leopoldstadt und Simmering. Die Korrelation zwischen dortigen Immobilienpreisen und Hautkrebsfällen deutet auch darauf hin, dass der Lifestyle der Bevölkerung eine große Rolle spielt: Können es sich die „Reichen“ leisten, mehr in der Sonne zu liegen? Simic ist sich nicht sicher, dazu fehlen genaue Analysen des Freizeitverhaltens.

 

UV-Information im Wetterbericht?

Sie glaubt aber, dass man die Bevölkerung durch bessere Aufklärung vor Hautschäden bewahren kann. In Australien zeigt sich, wie große Informationskampagnen das Verhalten der Menschen so änderten, dass die Anzahl der Hautkrebsfälle zurückgeht. In Österreich können sich die Menschen derzeit nur auf dem Teletext (Seite 644) oder auf der von der Innsbrucker Biomedizinischen Physik geführten Homepage (www.uv-index.at) informieren, wie stark die UV-Belastung des jeweiligen Tages ist. „Leider fehlt in Österreich eine Information der UV-Belastung als Teil des Wetterberichtes“, sagt Simic.

Es soll noch gesagt sein, dass UV-Strahlung nicht nur „böse“ ist – im Gegenteil, wir brauchen sie zum Leben: UV-Strahlung regt die Vitamin-D-Produktion an, stärkt unser Immunsystem und ist dafür verantwortlich, dass die Pflanzen unseres Planeten Fotosynthese betreiben. Es kommt eben – wie immer – auf die richtige Dosis an.

AUF EINEN BLICK

Das große Ozonloch wurde erstmals 1985 über der Antarktis entdeckt. FCKW-hältige Gase gelangen in die Stratosphäre und bauen das „gute“ Ozon ab. Durch die dünnere Ozonschicht nimmt der Schutz vor zellschädigender UV-Strahlung ab.

Mini-Ozonlöcher ziehen wie Wetterfronten über uns, wenn ozonarme Luft vom Polarbereich hereinströmt. Sie verursachen starke Anstiege der UV-Belastung.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.11.2008)


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6 Kommentare
 
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Von rwmeilen am 19.11.2008 um 10:15

Die Bewirtschaftung des Ozons und ihren Löchern

Das Ozonloch über der Antarktis wurde nach allgemein zugänglicher Fachliteratur von Dobson im Jahr 1956 entdeckt, dasjenige über der nördlichen Halbkugel spürten in den dreissiger(!) Jahren unabhängig voneinander Tönsberg und Hamilton auf. Beide Phänomene wurden übrigens schon damals als Ozonlöcher bezeichnet, und die heute als Verursacher der Ozonlöcher hingestellten FCKW hatten damals noch praktisch keine Bedeutung. Warum eigentlich werden diese Tatsachen verschwiegen? Vielleicht damit die medial sehr aktive Ozonlochlobby ihre Daseinsberechtigung weiterhin mittels zweimal jährlichen Einschüchterungsaktionen untermauern kann?

Was von der jetzigen Desinformationskapagne zu den Mini-Ozonlöchern zu halten ist, wird im Text auch gleich nachgeliefert: "Ob sie der österreichischen Bevölkerung schaden, konnte im aktuellen Projekt nicht signifikant belegt werden." Na also, einmal mehr, nur warme Luft!

Antworten Von TheAlien am 20.11.2008 um 13:18

Re: Die Bewirtschaftung des Ozons und ihren Löchern

Das Problem ist ja nicht die Existenz der polaren Ozonlöcher (die früh entdeckt wurden), sondern dass diese durch höchstwahrscheinlich menschlichen Einfluss deutlich größer werden.

Kausalität nicht verstanden. Nichtgenügend. Setzen.

Antworten Antworten Von rwmeilen am 20.11.2008 um 16:11

Re: Re: Die Bewirtschaftung des Ozons und ihren Löchern

<Höchstwahrscheinlich> war schon vieles auf dieser Welt. Bis sich dann die Sache als grossen Irrtum wie das Waldsterben herausstellte. Und die oft nicht ganz uneigennützig handelnden, professionellen Verbreiter der Hysterie sich beschönigend herausredeten "Anders als bisher angenommen...".

Wegen der Kausalität: Könnte das nicht auch auf einer Scheinkausalität beruhen, wurden doch die Löcher früher nicht mit Satelliten ausgemessen und somit das wahre Ausmass sowie die Schwankungen damals unterschätzt?


Antworten Antworten Antworten Von TheAlien am 20.11.2008 um 16:35

Re: Re: Re: Die Bewirtschaftung des Ozons und ihren Löchern

Ich kann Ihnen insofern auf jeden Fall zustimmen, als in einer stochastischen Realität wie dieser nichts 100% sicher ist und sich somit als Irrtum herausstellen kann.

Manche dieser "Irrtümer" sind sicher auch auf bewusste Irreführung zurückzuführen.

Allerdings bin ich kein Freund einer globalen Verschwörungstheorie zur sinistren Bruderschaft der Sonnencremefabrikanten und Pressluftspraydosenhersteller.

Antworten Antworten Antworten Antworten Von rwmeilen am 21.11.2008 um 08:27

Re: Re: Re: Re: Die Bewirtschaftung des Ozons und ihren Löchern

Auch volle Zustimmung! Von wegen Interessen: Ich bin weder Politiker noch Vertreter irgendwelcher Interessen. Meine Motivation gründet vielmehr auf der leider betrüblichen Tatsache, dass einzelne Teile der Wissenschaft immer mehr zu Prostituierten der Politik verkommen (sorry), insbesondere im Bereich des für uns eigentlich überlebenswichtigen Umweltschutzes. Für solche Spielchen ist mir aber die Umwelt einfach zu schade, und der weiterer Rückgang der intellektuellen Redlichkeit lässt mich mit Blick auf die Verscharrer der Atomabfälle, die Genmanipulatoren, die an ein funktionierendes Prinzip des Kettenbriefes glaubenden Wachstumsideologen usw. erschaudern.

Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Von TheAlien am 25.11.2008 um 13:50

Re: Re: Re: Re: Re: Die Bewirtschaftung des Ozons und ihren Löchern

Naja, mir als aussenstehendem Beobachter war die Menscheit auch deutlich sympathischer, als noch aus Neugier geforscht wurde.
Das Neu ging verloren, nun forscht man aus Gier.

@ Forschung und Ökologie: das macht leider wenig Sinn.
Es gibt wohl nur eine Möglichkeit, diesen Planeten noch zu retten: die ganzen Homo QuasiSapiens werden plötzlich zu Homo VereSapiens und erfinden ein Wirtschaftssystem, das nicht auf immerwährendes Wachstum aufbaut (womit auch eine Reduktion der Überbevölkerung möglich würde). Wahrscheinlichkeit < 0,0000000000001%

Da kann man forschen, was man will - das Wundermittel zur Intelligenz-(faktische und soziale)-Steigerung wird man nicht finden.
Und selbst wenn (da bin ich bei Ihrer Theorie): die Mächtigen dieser Welt brauchen vor allem dummes Wahl- und Konsumvieh.
An mündigen, kritischen, intelligenten Menschen herrscht kein Bedarf.

 
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