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Biologie: Bienen berechnen blitzartig

28.01.2009 | 10:27 |   (Die Presse)

Die BEEgroup der Uni Würzburg zeigt, dass nicht nur Wirbeltiere, sondern auch Insekten kleine Mengen blitzschnell abschätzen können. Außerdem haben Bienen ein gutes Kurzzeitgedächtnis.

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Wenn der Kellner auf dem Bierdeckel vermerkt, wie viel der Gast getrunken hat, dann macht er bei jedem Glas einen Strich, die ersten vier sind senkrecht nebeneinander, der fünfte geht schräg von unten links nach oben rechts. Das ähnelt verblüffend den geschrieben Zahlen der Römer – die alten Chinesen, Maya und Skandinavier hielten es im Prinzip genauso –, offenbar können wir bis zu vier Gegenstände oder Symbole auf einen Blick präzise auf ihre Menge abschätzen, dann wird es schwierig.
Dass das bei uns so ist, bemerkte 1871 der Ökonom W. S. Jevons: Er zeigte Testpersonen eine gewisse Menge Bohnen in Schachteln, ganz kurz, dann verschloss er sie. Bis zu vier wurde die Menge immer exakt erkannt, ohne zu zählen, blitzschnell, deshalb nannte man das Phänomen „Subitizing“ (vom lateinischen „subito“). Später zeigte sich, dass viele andere auch über die Fähigkeit verfügen, Menschenbabys etwa und eine breite Palette von Tieren, von Affen bis zu Tauben. Aber bisher waren das alles Wirbeltiere, nun kommt eines der ohnehin erstaunlichsten Insekten dazu: „Auch Bienen sind gar nicht schlecht beim raschen Abschätzen einer Anzahl von Objekten“, berichtet Jürgen Tautz, Chef der BEEgroup der Uni Würzburg, der „Presse“.

Er hat es gemeinsam mit Kollegen aus Australien erhoben, „wir haben uns länger Zeit gelassen als gewöhnlich, um jede Irrtumsmöglichkeit auszuräumen“, zu oft schon haben Forscher fälschlich Intelligenzleistungen bei Tieren gesehen. Das Experiment ging so: Man hat Bienen darauf trainiert, zwischen zwei möglichen Zielen zu unterscheiden, die optisch verschieden gekennzeichnet waren, mit verschieden vielen Objekten. Die Bienen mussten durch ein Plexiglas-Rohr fliegen, an dessen Eingang ein Schild hing, das beispielsweise zwei Objekte zeigte.s

Rasche Erfassung, gutes Gedächtnis

Am Ende verzweigte sich das Rohr nach rechts und links, es kamen wieder Schilder, eines zeigte zwei, das andere drei Objekte. Hinter dem mit Zweien gab es Futter. Die Tiere lernten rasch, zwei und drei zu unterscheiden, es gelang auch noch bei drei und vier, dann war Schluss. Aber bis zu der offenbar quer durch das Tierreich geltenden Grenze schafften sie es, es bezeugt nebenbei ein gutes Kurzzeitgedächtnis. Sie schafften es auch dann, wenn die Objekte im nächsten Versuch ganz anders aussahen, eine andere Form, Farbe etc. hatten, es zählt nur die Zahl. Sie können es also, aber wozu?

Das weiß auch Tautz nicht, aber er hat „mehrere Hypothesen“: In früheren Versuchen hat sich etwa gezeigt, dass Bienen bei der Auswahl einer Blüte darauf achten, wie viele andere Bienen dort schon sind, es sollten einige sein – gute Futterquelle! –, aber nicht zu viele. Man könnte sich auch vorstellen, dass Bienen die Morphologie von Blüten einschätzen, die Zahl ihrer Blätter etc.
sSchließlich wäre es möglich, dass das Abschätzen beim Orientieren hilft: Wenn Bienen ausfliegen, und vor allem wenn sie wieder zurück zum Stock fliegen, achten sie auf Landmarken, Bäume etwa. „Es wäre möglich, dass sie die in Gruppen zusammenfassen, drei mal vier merkt sich einfacher als zwölf, wir ordnen auch so“, erwägt Tautz: „Aber all das sind nur Ideen, es könnte auch etwas ganz anderes dahinterstecken.“

 

("Die Presse", Printausgabe, 28.01.2009)

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