Ein Psychologenteam um Denise Chen und Wen Zhou von der Rice University in Texas hat entdeckt, dass auch Menschen den Geruch der Angst wahrnehmen können. Allerdings ist das System der chemischen Fährten bei Angst nicht so ausgeprägt wie bei Tieren. In zuvor durchgeführten Studien hat die deutsche Psychologin Bettina Pause von der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf herausgefunden, dass Menschen den Angstschweiß anderer bewusst nicht identifizieren können, dass er aber unbewusst wahrgenommen und im Hirn gespeichert wird.
Männlicher Angstschweiß in weiblichen Nasen
Viele Tiere reagieren bei Gefahr damit, chemische Substanzen in die Umwelt abzugeben, um andere Artverwandte von der Bedrohung in Kenntnis zu setzen. Die Forscher um Chen haben nun untersucht, ob bei Menschen ähnliche Reaktionen hervorgerufen werden, wenn es um die Wahrnehmung des Angstgeruchs geht. Dazu haben sie bei Männern Schweißproben genommen, nachdem diese Filmmaterial ausgesetzt wurden, das erwiesenermaßen Angst auslöst. Anschließend wurden Frauen bestimmten Chemikalen aus dem "Angstschweiß" ausgesetzt. Zusätzlich wurden ihnen noch Fotos von Gesichtern in verschiedener Mimik gezeigt. Anschließend wurden sie beauftragt, die Bilder nach den Emotionen zu beurteilen.
Angst ruft negative Emotionen hervor
Das Interessante daran war, dass die Frauen, die Angstschweiß rochen und nicht eindeutig zu identifizierende Gesichtsausdrücke zu sehen bekamen, diese negativ beurteilten. Es hatte keine Bedeutung, ob die Emotionen als Gesichtsausdrücke deutlich erkennbar waren oder nicht. "Unsere Entdeckungen beweisen, dass menschlicher Schweißgeruch auch emotionale Bedeutung hat", so Chen.
Angst macht Körper aktiver
Zu ähnlichen Schlüssen kommt auch Pause: "Angstschweiß kann eine Gefahr signalisieren. Eine solche Information besitzt im Menschen einen Verarbeitungsvorteil. Sie kommt sozusagen zuerst dran." Angst sei eine Vorbereitung. "Der Organismus wird wacher, aktiver, vigilanter. Er wird dafür gebahnt, schneller reagieren zu können, wenn wirklich eine Gefahr eintritt", so die Psychologin.
Sinnvolle Übertragung
Es sei sinnvoll, dass man Angst empfindet, wenn man auf einem Wolkenkratzer steht oder wenn in einer Unterführung vier bullige Männer auf einen zukommen. "Ebenso ist es sinnvoll, dass solche Angst sich überträgt." Angst helfe allerdings nur in punktuellen Situationen. Chronische Angstzustände schaden dem Menschen hingegen.
(pte)

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