Was wurde aus ... Kurt Krenn?

Galionsfigur der Konservativen, "Gott sei bei uns" der Liberalen: Der St. Pöltner Bischof hat die Öffentlichkeit bewegt und gespaltet. Heute lebt der 74-Jährige zurückgezogen in St. Pölten.

BISCHOF KURT KRENN
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BISCHOF KURT KRENN
Archivbild Altbischof Kurt Krenn – (c) APA (Harald Schneider)

Kurt Krenn hat in seiner Zeit als Wiener Weihbischof (1987 - 1991) und Bischof von St. Pölten (1991 - 2004) niemanden kalt gelassen: Er legt sich mit Laien, Priestern und anderen Bischöfen an, wettert in TV-Diskussionen und Zeitungs-Interviews gegen Islam, Abtreibungen und Scheidungen und bezeichnet sich als "Vertreter der Wahrheit Gottes". Zahlreiche mehr oder weniger geschmacklose Witze und Karikaturen haben den streitbaren Bischof im Visier. Gestolpert ist er letztlich über die "Bubendummheiten" im St. Pöltner Priesterseminar: Am 29. September 2004 tritt er auf Wunsch des damaligen Papstes Johannes Paul II. zurück.

Seither ist es still geworden um den vormals so wortgewaltigen Bischof, der heute zurückgezogen in einem Privathaus im Besitz der Diözese St. Pölten lebt. "Mit außenstehenden Personen redet er nur noch selten, nur mehr mit uns", erzählt Jutta Kern im Gespräch mit DiePresse.com. Die Sekretärin begleitet Krenn seit 1992 und informiert nach wie vor auf einer eigenen Internetseite über aktuelle Stationen im Leben von Kurt Krenn - auch wenn die Einträge in jüngster Zeit seltener werden. Seit Jahren sitze der 74-Jährige im Rollstuhl, sein gesundheitlicher Zustand sei aber stabil. "Er ist sehr depressiv", meint Kern. Sein letzter Auftritt in der Öffentlichkeit war anlässlich der Präsentation der Festschrift "Der Wahrheit verpflichtet" zu seinem 70. Geburtstag.

Dauergast in den Medien

Geboren am 28. Juni 1936 in Rannariedl (Oberösterreich) verliert Krenn schon früh seinen Vater Karl, der als Soldat am 6. August 1944 gefallen ist. Nach der Matura am Realgymnasium in Schlierbach tritt Krenn 1954 in das Priesterseminar Linz ein. Von 1955 bis 1965 studiert er Philosophie, Theologie und Kirchenrecht in Rom, wo er am 7. Oktober 1962 in der Kirche Sant'Ignazio zum Priester geweiht wird. Es folgen mehrere Lehraufträge an unterschiedlichen theologischen Fakultäten, darunter München, Linz, St. Pölten und Regensburg, wo er ein Kollege von Joseph Ratzinger, dem heutigen Papst Benedikt XVI., ist.

1987 wird Krenn zum Wiener Weihbischof ernannt, sein konservativer Ruf eilt ihm aber voraus: Für seinen Weg zur Weihe im Stephansdom braucht er wegen am Boden liegender Demonstranten die Hilfe der Polizei. Am 15. September 1991 wird er schließlich zum St. Pöltner Diözesanbischof geweiht, damit nimmt die Zahl der Konflikte noch zu: Krenn legt sich mit den Äbten der niederösterreichischen Stifte an, kritisiert Kardinal Christoph Schönborn, streitet mit Pater Udo Fischer und bezeichnet als Kirchen-Volksbegehren sinngemäß als Irrtum. Dennoch - oder vielleicht gerade deshalb - ist er Dauergast in den Medien.

Der in konservativen Kreisen gut vernetzte Bischof kann sich lange gegen den breiten Widerstand behaupten, doch mit der Affäre im St. Pöltner Priesterseminar bröckelt schließlich sein Rückhalt im Vatikan: Fotos von einander küssenden Seminaristen und Berichte über Kinderpornografie tut Krenn zunächst noch als "Bubendummheiten" ab. Doch als Papst Johannes Paul II. im Juli 2004 den Bischof von Feldkirch, Klaus Küng, als Visitator (quasi als Aufpasser) nach St. Pölten schickt, zeichnet sich das Ende der Karriere Krenns ab. Am 29. September 2004 erklärt er seinen Rücktritt als Bischof - es ist zugleich sein Rückzug aus dem Rampenlicht.

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