Im 19. Jahrhundert galt sie als das Symbol industrieller Macht: Kohle. Sie befeuerte die Hochöfen für die Produktion von Eisen und Stahl und trieb die Eisenbahnen an. Sogar der Energieverbrauch wurde in Steinkohle-Einheiten gemessen. Dann folgte der Niedergang: Mitte des 20. Jahrhunderts wurde sie vom Erdöl abgelöst, viele Kohlegruben mussten schließen.
Doch mittlerweile hat sich das Blatt gewendet. Der Chefökonom des Potsdam-Instituts für Klimofolgenforschung, Ottmar Edenhofer, warnt sogar vor der "weltweit größten Kohlerenaissance der Industriegeschichte", wie "n-tv.de" im März 2012 berichtete. "Wir haben einfach zu viele Kohlereserven weltweit, die relativ billig sind", sagte er.
Eine unerwünschte Folge des Atomausstiegs
Es gebe noch rund 15.000 Milliarden Tonnen CO2 im Boden - vor allem als Kohle, sagt Edenhofer. Allerdings dürften nicht mehr als 1000 Milliarden Tonnen davon in der Atmosphäre abgelagert werden. "Wenn wir so weitermachen ist die Atmosphäre in zwei oder drei Dekaden voll. Dann würde der Anstieg der globalen Mitteltemperatur um vier, fünf Grad wahrscheinlich".
Die weltweite Renaissance der Kohle hat mehrere Gründe. Einer liegt auf der Hand: "Das ist eine unerwünschte Folge des Atomausstiegs", sagt Greenpeace-Experte Gerald Neubauer zur Situation in Deutschland. Dort hat laut "n-tv.de" nach der Abschaltung von Atomkraftwerken die Verstromung von Braunkohle um 3,3 Prozent zugenommen. In Deutschland befinden sich sogar 23 neue Kohlekraftwerke in Bau oder Planung.
Umsiedlungen, um Kohleabbau zu sichern
Um ausreichend Braunkohle fördern zu können, werden in den nächsten Jahren daher rund 1000 Einwohner der Dörfer Atterwasch, Grabko und Kerkwitz in der Nähe des riesigen 3000-Megawatt-Kraftwerk in der deutschen Lausitz zur Umsiedlung gezwungen werden, berichtet "Die Welt".
Die Kohle wird nicht nur aufgrund des Atomausstiegs - infolge der Atom-Katastrophe im japanischen AKW Fukushima - auch in den nächsten Jahrzehnten bei der Stromgewinnung dringend gebraucht werden: Denn geht der Wind nicht oder scheint die Sonne nicht, erweist sich die alternative Stromgewinnung als höchst unzuverlässig.
China und Indien hängen von Kohle ab
Entscheidender ist aber, dass die zwei aufstrebenden Wirtschaftsmächte China und Indien bis heute in der Stromerzeugung überwiegend von der Kohle abhängen. China und Indien machen zusammen über 45 Prozent des weltweiten Kohleverbrauchs aus, bis 2030 werden sie für 80 Prozent des angestiegenen Verbrauchs verantwortlich sein.
Nach Berechnungen der Europäischen Kommission und der Internationalen Energieagentur (IEA) wird der Kohle-Anteil bei der Stromerzeugung in China 2015 rund 80 Prozent betragen, im Jahr 2030 rund 78 Prozent. In Indien wird der Wert laut dieser Prognose 2015 bei 67 Prozent und 2030 gar bei 71 Prozent liegen. Berücksichtigt sind darin alle staatlichen Maßnahmen und Politiken, die bis 2007 beschlossen wurden.
Greenpeace: "Die wahren Kosten der Kohle"
Unabhängig davon ist der Kohlebergbau eine schmutzige und gefährliche Angelegenheit, wie die Greenpeace-Studie "Die wahren Kosten der Kohle" zeigt. Ein paar Beispiele sind darin angeführt: "In Jharia, Indien, leben Tausende von Menschen in der Umgebung verfallener Kohlebergwerke unter grauenhaften Bedingungen, die durch unkontrollierbare Kohlebrände verursacht werden. In Russland haben Hunderte von Arbeitern wegen unsicherer Bergbaubedingungen Verletzungen erlitten oder sind ums Leben gekommen. In der Woiwodschaft Kujawien-Pommern in Polen hat der Bergbau zu einer drastischen Senkung des Wasserpegels im Ostrowski-See geführt."
Die Verfeuerung von Kohle trägt Greenpeace zufolge mehr zum Klimawandel bei als jeder andere fossile Brennstoff. Zudem ist die Kohleindustrie der größte einzelne Verursacher von Quecksilber-Emmissionen weltweit. Von den 2190 Tonnen Quecksilber, die jährlich emittiert werden, stammen mehr als die Hälfte aus Kohlekraftwerken.
"Ist das Blut?" wagte Etienne endlich zu fragen.
Bonnemort wischte sich mit dem Handrücken langsam den Mund ab.
"Das ist Kohle", sagte er. "Ich habe in meinem Leibe genug davon, um mich bis an das Ende meiner Tage zu wärmen. Und doch habe ich seit fünf Jahren keinen Fuß mehr in die Gruben gesetzt. Wie es scheint, habe ich die Kohle aufgespeichert, ohne es zu wissen. Bah! Das hält die Knochen zusammen!"
Kein anderer Rohstoff ist so billig
Dennoch dürfte sich auch im 21. Jahrhundert nichts an der zunehmenden Bedeutung von Kohle ändern. Das hat vor allem zwei handfeste Gründe. "Kein anderer fossiler Rohstoff ist in solchen Mengen vorhanden: Die Reserven reichen noch für Generationen. Keiner ist so vergleichsweise billig: Nur rund 5 Cent kostet es, eine Kilowattstunde Strom zu erzeugen; mit Sonnenkraft sind es etwa 40 Cent", schrieb der "Spiegel" 2010 in einem Beitrag unter dem Titel "Die Zukunft ist schwarz".


