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Europaparlament debattiert über Ausbau der Währungsunion

03.09.2012 | 07:06 |   (DiePresse.com)

EZB-Chef Draghi stellt sich den Abgeordneten des Europaparlaments. Spaniens Ministerpräsident will eine Fiskalunion in drei Stufen verwirklichen.

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Vor dem Hintergrund der Eurokrise wollen Europaparlamentarier heute, Montag, in Brüssel über der Ausbau der Währungsunion debattieren. Dazu wird auch Mario Draghi erwartet. Der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB) soll hinter verschlossenen Türen sprechen. Die Notenbank dürfte an diesem Donnerstag Einzelheiten zum neuen Programm zum Kauf von Staatsanleihen bekanntgeben. Die Aktion dürfte vor allem Papiere aus Spanien und Italien betreffen - beide Länder stehen seit Monaten unter dem Druck der Finanzmärkte.

Spaniens Ministerpräsident Mariano Rajoy will die Schuldenkrise mit einem dreistufigen Fahrplan in Richtung Fiskalunion lösen. Als Endpunkt schwebt ihm in fünf bis sechs Jahren die Ausgabe von gemeinsamen Staatsanleihen der Euro-Länder vor. Kurzfristig machte Rajoy am Wochenende Druck, das Problem der immer weiter auseinanderklaffenden Zinsen im Währungsraum zu lösen.

Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel trifft in der kommenden Woche Rajoy in Spanien. Das Land hat an den Euro-Rettungsschirm EFSF/ESM einen Antrag auf Hilfe bei der Sanierung seiner Banken gestellt. Unklar ist, ob Rajoy auch zur Staatsfinanzierung auf die Milliarden des IWF und seiner Euro-Partner zurückgreifen will, um den anhaltend hohen Zinsen am Finanzmarkt auszuweichen.

Warten auf EZB-Beschlüsse

"Ich werde die Beschlüsse der EZB abwarten und dann eine Entscheidung treffen, die für Spanien und den Euro gut ist", sagte Rajoy der "Bild am Sonntag". Die gegenwärtige Situation mit unterschiedlichen Zinssätzen lasse sich nicht auf Dauer aushalten. Während Anleger beim Kauf als sehr sicher geltender deutscher Papiere teils sogar Verluste in Kauf nehmen, muss Spanien für seine Staatspapiere nahezu sieben Prozent bezahlen.

Mittelfristig will Rajoy eine Fiskalunion in drei Stufen verwirklichen. Bis 2013/14 sollten die Euro-Länder Maßnahmen zur Annäherung ihrer Wirtschafts- und Steuerpolitik treffen. Bis 2015/16 sollte dann eine europäische Haushaltsbehörde zur Kontrolle der nationalen Staatshaushalte geschaffen werden. Im dritten Schritt bis 2017/18 sollten verbindliche Budget-Ziele für den gesamten Euro-Raum beschlossen werden. Dann könnten Unionsanleihen - auch Euro-Bonds genannt - ausgegeben werden.

Die Regierungschefs der Euro-Zone hatten im Juni vereinbart, bis zum Jahresende einen Fahrplan zum Aufbau einer "echten Währungsunion" zu entwerfen. Bausteine dazu sind eine Fiskalunion mit einer stärker verzahnten Haushaltspolitik und gemeinsamen Finanzierungsinstrumenten, eine Bankenunion mit gemeinsamer Aufsicht und eine bessere demokratische Kontrolle.

Der Präsident des Europaparlaments, Martin Schulz (SPD), unterstützte Rajoy. "Wir müssen die Zinslast der angeschlagenen Staaten Südeuropas verringern", sagte er dem "Spiegel". "Am besten ginge das mit Euro-Bonds." Wegen des Widerstandes der Bundesregierung kämen alternativ ein Altschuldentilgungsfonds der Euro-Länder oder eine Banklizenz für den ESM infrage. Dieser könnte sich dann bei der EZB Geld leihen, um Anleihen zu kaufen.

Weil sich die Euro-Länder bisher nicht auf eine gemeinsame Strategie gegen hohe Zinsen einigen können, bleibt die Rolle des Retters in der Not an der EZB hängen. Sie hat sich bereits grundsätzlich zum Anleihen-Kauf bereiterklärt, aber nur, wenn die gestützten Staaten einen Hilfsantrag beim EFSF/ESM stellen und die damit verbundenen Auflagen in Kauf nehmen. Rajoy sagte, Spanien erfülle die beim Juni-Gipfel genannten Bedingungen bereits. Auch Italien wird als Kandidat für Stützungskäufe gehandelt. Der EZB-Kurs ist umstritten, vor allem die Bundesbank ist aus Inflationssorgen dagegen. Der SPD-Politiker Carsten Schneider sagte der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung", ohne Bundestagskontrolle wären die Käufe undemokratisch. Deutschland haftet mit rund 27 Prozent für die Bilanz der EZB.

OECD-Chefvolkswirt Pier Carlo Padoan sagte, die EZB solle am besten unbegrenzt Anleihen kaufen: "Je früher, desto besser." IWF-Vizechef David Lipton sagte bei einer Notenbanker-Konferenz in den USA, der EU-Gipfel und die Ankündigungen von EZB-Chef Mario Draghi hätten die Märkte beruhigt. Jetzt sei wichtig, dass Europa beginne, die Dinge auszuführen, die es beschlossen habe.

(APA/Reuters/dpa)

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51 Kommentare
 
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Gast: EUjebeobachter
03.09.2012 15:19
2 0

Demokratie ist die Raffinierteste Form des Kommunisssmus

Die empfangende Mehrheit bestimmt, was mit dem Geld der gebenden Minderheit zu geschehen hat. Nut gibt es halt immer weniger Geber, und immer mehr Nehmer. So endet das System sehr bald. Wie sagte man in der DDR? Der Letzte bitte, Licht abdrehen. Ach so, deshalb hat man in Europa schon die Gluehlampen verboten.

Gast: Raffzahn Schani
03.09.2012 14:35
1 0

Wo die Reise hingeht...


eh klar, noch mehr EU

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2012/09/03/barroso-eu-vertraege-muessen-erneuert-werden/

Unsere Politiker müssen sich jetzt deklarieren wo sie hinwollen. Ich kenne niemanden mehr, der von der EU nicht reichlich genug hat.


Selbst so gewählt...

Man muss dazu sagen, dass die derzeitige Situation von der Mehrheit der Bevölkerung gewählt ist.

Die ESM-Unterzeichner Grün-Schwarz-Rot haben mehr als fünfzig Prozent Zustimmung.

Man kann argumentieren, die Wähler werden von den Banken und deren gekauften Politiker und Medien manipuliert. Meiner Meinung ist diese Ausrede im Internetzeitalter nicht mehr gültig.

Ungerecht dabei ist nur, dass auch die Minderheit der Nichtverantwortlichen mit betroffen ist.

Re: Selbst so gewählt...

der esm wäre ja nicht so schlecht, wenn nicht staaten sondern privatbanken die haftung selbst übernehmen. trennung von staatshaushalt und privatbanken!

die Banken

sind derzeit beim ESM die Hauptbegünstigten.

Spekulation ohne Risiko, falls es schief geht zahlt der Steuerzahler.

Weil es ja so gut geht ...............


Verbeamtete Politiker,

inkl. deren Ableger in den Aufsichtsräten diverser Banken, welche eine der Hauptursachen der Krise sind, beraten, weiter wie seit Jahren, über eine Fortsetzung und Ausweitung der Krise, genannt "Krisenlösung".

Ein ähnlicher Diskussionswert, wie wenn Blinde eine neue Farbenlehre erstellen. Nur leider sehr viel teurer für die Einwohner der EURO-Mitgliedsländer.

Warum findet eine massive Flucht aus dem Euro statt?...


....weil eine massive Inflationsgefahr besteht.

Diese Scheindiskussionen sind doch nur für den Pöbel, im Herbst wird Geld gedruckt ohne Ende.

Jupeidie und Jupeidaa, der Schuldenkasperl ist schon

wieder da ... !

Jetzt kommt die Superinflation und dann die Währungsreform.

Rette sich wer kann, nur wird das leider vor der nächsten Wahl nichts mehr, zumal auch die ÖVP zum "totalen Eurofanatiker" ohne wenn und aber mutiert ist.

Gast: lhlhj
03.09.2012 11:13
10 0

zeit aus dem verein auszutreten

bevor wir zur konkursmasse gehören...

die derzeitige vorgangsweise würde bei einem unternehmen vom handelsgericht wohl nur mehr mit zudrücken aller hühneraugen als "fahrlässige krida" bewertet werden.

Re: zeit aus dem verein auszutreten

...wenn die Inkompetenz der PolitikerInnen nur Fahrlässigkeit wären ginge es ja; aber die sind - denke ich - wissentlich opportunistisch und schlichtweg dumm.

Gast: Tragesel
03.09.2012 09:51
14 1

Undragbar

Könnte man den Draghi zum Goldmann zurückschicken anstatt ihn Finanzpolitik Europas machen zu lassen.

Gast: Pensador
03.09.2012 08:36
16 2

Sinkendes Schiff EURO

Auf der sinkenden Titanic namens EURO werden
nette Kamingespräche darüber gehalten, auf welche Farben man die Rettungsboote umstreichen sollte, um das Sinken zu verhindern.

Re: Sinkendes Schiff EURO

Die "netten Kamingespräche" zeigen jedoch nur, dass man noch immer keinen anderen Einfall hat, als mittels Ursache der Krise (Verschuldung) auch deren Lösung (noch höhere Verschuldung) zu versuchen.

Etwas, was schon im Ansatz gescheitert ist, wie auch die letzten Jahre dieser Art der "Krisenbewältigung" nur zu deutlich zeigen.

Antworten Gast: slkföds
03.09.2012 10:57
4 0

Keine Sorge

für die Passagiere der ersten Klasse werden schon genug Rettungsboote da sein ...
Farbe: Gold

Wie's dem Rest geht: Siehe Film "Titanic"

(was bleibt: die Hoffnung auf eine love affair in letzter Minute ..., die Männer auf diesem Kontinent ersaufen sowieso schon die längste Zeit)

Antworten Gast: Messalina-X
03.09.2012 08:48
4 1

Re: Sinkendes Schiff EURO

sehr gut formuliert

10 0

Hoffentlich bleibt es beim Sprechen

und es werden keine unumkehrbare Verhältnisse durch die Hintertür geschaffen.

20 1

Die Ziele machens aus

Wenn es das Ziel ist den Euro in seiner derzeitigen Form unter allen Umständen zu erhalten, dann ist die Handlungsweise oben wohl eine mögliche Strategie. Die Banken und Finanzinvestoren freuen sich. Siehe Reaktion der Aktienmärkte: die gehen nach oben. Das hat mit Stabilisierung nichts zu tun. Die Marktteilnehmer wetten einfach dass mehr Geld in die Aktienmärkte fließen wird. Wo soll das ganze Geld das die EZB und die FED drucken (werden) denn auch hin?

Wenn das Ziel aber ist das Vermögen der Österreicher zu schützen, dann ist die Vorgehensweise falsch. Unser Vermögen wird nicht nur durch die in den Rettungsschirmen verbratenen Steuergelder gefährdet. Nein, unser Geld auf unseren Sparbüchern wird durch finanzielle Repression vernichtet. Sie werden es sehen: in 5 Jahren können Sie sich weniger leisten. Der Wert, der Ihnen abgenommen wird, finanziert die Lücke in den Südländern. Die Frage, die man sich stellen sollte ist: bin ich bereit ärmer zu werden, damit die Länder, die sich verspekuliert haben, leichter aus der Krise kommen? Darum gehts nämlich. Jeder muss das für sich entscheiden, aber die Desinformation, die von der Politik betrieben wird, ist schändlich.

Antworten Gast: svdsfad
03.09.2012 11:01
3 0

@bin ich bereit ärmer zu werden, damit die Länder, die sich verspekuliert haben, leichter aus der Krise kommen?

Besser:
Soll der durchschnittliche Arbeitnehmer hierorts für die Reichen, Mafia und Steuerbetrüger der Südländer bluten ?

(Wer hat schon hunderte Milliarden die derzeit aus Griechenland transferiert werden ...)

Antworten Gast: Messalina-X
03.09.2012 08:47
8 1

Re: Die Ziele machens aus

sehr guter Kommentar

bis 2017/18 sollten verbindliche Budget-Ziele für den gesamten Euro-Raum beschlossen werden

Die gute Nachricht: Man kann Zeit sparen, die verbindlichen Budget-Ziele gibt´s schon. Detailliertere Auskunft kann der Vertrag von Maastricht geben.

Die schlechte Nachricht: Hat bisher exakt niemanden interessiert. Wird in Zukunft niemanden interessieren.
Oder war das jetzt vielleicht doch die gute Nachricht?

Gast: pleiti
02.09.2012 19:05
23 1

Spanien ist total überschuldet

Spanien hat 1800 Mrd. Bruttoauslandsschulden, 1000 Mrd. Nettoauslandsschulden, eine negative Leistundbilanz, 443 Mrd. Target 2 Saldo minus, 375 EZB Kredite, rückläufige volkswirtschaftsliche Zahlen, 25 % Arbeitslosigkeit usw.

Spanien ist total überschuldet und gehört sofort raus aus dem Euro.

Rajoy träumt von einer Schuldenunion. Dafür gibt es in Europa keine Mehrheit.

Die Fehlkonstruktion Euro gehört aufgelöst.

Antworten Gast: Vogel Strauss
02.09.2012 20:10
13 0

Re: Spanien ist total überschuldet

Nachdem in Europa nun wieder die Roten das Sagen haben, wird er eine Mehrheit dafür kriegen ... keine Angst, die Euro-Bonds werden kommen. Auch Frau Merkel, der es nur um den Machterhalt geht, wird umfallen ...

16 0

Rajoy träumt von einer Schuldenunion. Dafür gibt es in Europa keine Mehrheit.

Bist Du dir da sicher, ist ja unser Grinsekanzler sogar dafür.

Gast: Blasius Bullenbeisser
02.09.2012 18:23
24 3

Der EU-Beitritt hat Österreich bis jetzt mehrheitlich Nachteile gebracht.

X Demokratieabbau
X Vergrößerung der Arm-Reich-Schere (Kaufkraftgewinne bei den höheren Einkommen, hohe Kaufkraftverluste bei den unteren und mittleren Einkommen)
X Unsinnige Verordnungen durch ausufernden Lobbyismus in Brüssel (Glühbirnenverbot, etc.)
X HAFTUNG FÜR DIE SCHULDEN ANDERER (MARODER) EU-LÄNDER

Antworten Gast: Vogel Strauss
02.09.2012 20:12
23 1

Re: Der EU-Beitritt hat Österreich bis jetzt mehrheitlich Nachteile gebracht.

Sie haben anscheinend unseren Experten wie Werner Faymann, Ewald Novotny etc. nicht zugehört - nein, wir haben keine Teuerung durch den Euro, die Rückkehr zum Schilling würde hunderttausende Arbeitsplätze kosten usw. usf. Bitte lesen Sie Krone, Heute u. Österreich und lassen Sie sich von unserem staatlichen Rotfunk berieseln und Sie werden glücklich grinsend und entspannt SPÖ wählen ...

 
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