Wien/Brüssel/Red. Im März hatte EU-Kommissarin Viviane Reding erste Andeutungen gemacht: Sie überlege eine Gesetzespflicht für Unternehmen, einen bestimmten Frauenanteil in Aufsichtsräten zu haben. Die freiwillige Selbstverpflichtung habe nämlich im vergangenen Jahr nicht den gewünschten Erfolg gehabt. Jetzt, ein halbes Jahr später, wird Tempo gemacht: Es gibt laut „Welt am Sonntag“ bereits einen Gesetzesentwurf. Demnach sollen Aufsichtsräte künftig zu 40Prozent aus Frauen bestehen. Die Richtlinie soll für börsenotierte Unternehmen gelten und bis zum 1.Jänner 2020 umgesetzt sein.
Bei Verstößen droht Bußgeld, ein Entzug von Subventionen oder ein Ausschluss von öffentlichen Wettbewerben. Die Entscheidung über Sanktionen soll aber bei den EU-Mitgliedstaaten liegen. Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) sollen von den Regelungen ausgeschlossen werden – auch wenn sie börsenotiert sind: So seien Familienunternehmen mit weniger als 250Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von weniger als 50Mio. Euro ausgenommen, berichtet die Zeitung. Den Plänen müssen EU-Parlament und Mitgliedstaaten im EU-Rat zustimmen.
Österreich: Quote für Staatsfirmen
In Österreich hat sich die Regierung im vergangenen Jahr auf eine Frauenquote für Aufsichtsräte geeinigt – allerdings ausschließlich für staatsnahe Unternehmen. Bis zum Jahre 2013 sollen die Kontrollgremien in den Staatsbetrieben zu 25Prozent aus Frauen bestehen, bis 2018 soll die Quote 35Prozent erreichen.
Die Frauenquote gilt als Selbstverpflichtung in jenen 56österreichischen Unternehmen, bei denen der Staat zu 50 oder mehr Prozent Eigentümer ist. Sanktionen sind allerdings keine vorgesehen.
Im Oktober soll der Gesetzesentwurf für eine europaweite Frauenquote von EU-Kommissarin Reding vorgelegt werden. „Keiner mag Quoten“, hatte Reding noch im März gesagt, „aber ich mag, was Quoten bewirken.“ Ohne Gesetz „bräuchten wir Jahrzehnte, um dahin zu kommen, wo wir hin wollen“. In den deutschen börsenotierten Unternehmen, so ergaben jüngste Erhebungen, liegt die Frauenquote in Aufsichtsräten derzeit bei durchschnittlich 14Prozent.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.09.2012)


