Wien. Während AUA-Präsident und ÖIAG-Vorstand Peter Michaelis auch am Samstag in der ORF-Radioreihe „Im Journal zu Gast“ von „vertrauensbildenden Maßnahmen“ sprach, um Al Jaber zu bewegen, zu seiner ursprünglichen Investitionszusage zurückzukehren, ändert der österreichisch-saudische Milliardär offenbar schnell seine Bedingungen.
Al Jaber will, wie die „Presse“ exklusiv berichtete (9. Mai), statt der ursprünglich gebotenen 20 Prozent die Sperrminorität (25 Prozent plus eine Aktie) an der AUA. Jetzt sei er allerdings auch bereit, dafür mehr zu zahlen – nämlich rund 200 Mio. Euro, erfuhr die „Presse“ am Montag aus dem Umkreis des Scheichs. Ob Al Jaber, wie im Vorvertrag vereinbart, bis Montag die Bankgarantie vorgelegt hat, ist nicht bekannt. Al Jaber sei als „mehrfacher Milliardär ein sehr vermögender Mann“, für den es kein Problem sein sollte, sich benötigte Mittel zu verschaffen, meinte Michaelis. Er stellte in Abrede, dass der Scheich bei den Verhandlungen die Spielregeln diktiere, und dementierte auch, dass Al Jaber als eine Bedingung für das Investment den Rücktritt von AUA-Boss Alfred Ötsch verlange.
Finanzminister Wilhelm Molterer (ÖVP) soll das neue Angebot goutieren, Michaelis dagegen nicht, womit weiter alles offen ist.
Börse reagiert positiv
Konkreter sind da schon die Indizien, dass die AUA doch einen strategischen Partner bekommen könnte. Nachdem Ötsch – ein glühender Verfechter der Eigenständigkeit der AUA – bei der Hauptversammlung am vergangenen Mittwoch erstmals eingeräumt hatte, dass die AUA einen strategischen Partner brauche, „wenn es nicht gelingt, nachhaltig Gewinne zu schreiben“, kündigte Michaelis nun Fakten an. Bei der nächsten Sitzung werde sich der Aufsichtsrat in einem „Strategie-Check“ mit der Frage nach einem möglichen strategischen Partner befassen. Wenn das Ertragspotenzial der AUA für einen Alleingang nicht ausreiche, dann ist eine solche Partnerschaft nicht auszuschließen, so Michaelis. Diese Option werde in regelmäßigen Abständen überprüft. Die Börse reagierte auf den Kurswechsel von Ötsch zur Linie von Michaelis sehr positiv: Die AUA-Aktie legte am Freitag um 2,70 Prozent auf 4,18 Euro zu.
Dem Vernehmen nach soll die ÖIAG schon einen Schritt weiter sein. Sie soll mit dem Ausloten möglicher Partner für die AUA schon begonnen haben – vor allem für den Fall, dass der Deal mit Al Jaber doch nicht zustande kommt, heißt es.
Indes ist die AUA einmal mehr zum politischen Thema geworden. Verkehrsminister Werner Faymann (SPÖ) macht sich – wie Molterer – für eine eigenständige AUA stark. Er fordert von der ÖIAG und der AUA ein Konzept, dass die AUA österreichisch bleibt. Eine Partnerschaft mit der Lufthansa lehnt Faymann ab.
Der Wirtschaftssprecher der Grünen, Werner Kogler, begrüßt hingegen das Umdenken bei ÖIAG und AUA. Man müsse sich rasch um einen strategischen Partner umsehen, da der Konzentrationsprozess in der Luftfahrt zeitlichen Druck auslöse, betonte Kogler.
Die Verhandlungen zwischen der AUA und Scheich Al Jaber um eine Kapitalspritze gehen in die nächste Woche. Der Investor bietet jetzt mehr Geld – 200 Mio. Euro – für mehr Anteile. Indes forciert die ÖIAG die Suche nach einem strategischen Partner.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.05.2008)
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