Al Jaber ändert Angebot, Suche nach Partner beginnt

12.05.2008 | 18:17 |  HEDI SCHNEID (Die Presse)

Die Verhandlungen zwischen der Staatsholding ÖIAG und Scheich Mohamed Bin Issa Al Jaber um eine Kapitalspritze im Volumen von 150 Mio. Euro gleichen immer mehr einem Feilschen auf dem Basar.

Wien. Während AUA-Präsident und ÖIAG-Vorstand Peter Michaelis auch am Samstag in der ORF-Radioreihe „Im Journal zu Gast“ von „vertrauensbildenden Maßnahmen“ sprach, um Al Jaber zu bewegen, zu seiner ursprünglichen Investitionszusage zurückzukehren, ändert der österreichisch-saudische Milliardär offenbar schnell seine Bedingungen.

Al Jaber will, wie die „Presse“ exklusiv berichtete (9. Mai), statt der ursprünglich gebotenen 20 Prozent die Sperrminorität (25 Prozent plus eine Aktie) an der AUA. Jetzt sei er allerdings auch bereit, dafür mehr zu zahlen – nämlich rund 200 Mio. Euro, erfuhr die „Presse“ am Montag aus dem Umkreis des Scheichs. Ob Al Jaber, wie im Vorvertrag vereinbart, bis Montag die Bankgarantie vorgelegt hat, ist nicht bekannt. Al Jaber sei als „mehrfacher Milliardär ein sehr vermögender Mann“, für den es kein Problem sein sollte, sich benötigte Mittel zu verschaffen, meinte Michaelis. Er stellte in Abrede, dass der Scheich bei den Verhandlungen die Spielregeln diktiere, und dementierte auch, dass Al Jaber als eine Bedingung für das Investment den Rücktritt von AUA-Boss Alfred Ötsch verlange.

Finanzminister Wilhelm Molterer (ÖVP) soll das neue Angebot goutieren, Michaelis dagegen nicht, womit weiter alles offen ist.


Börse reagiert positiv

Konkreter sind da schon die Indizien, dass die AUA doch einen strategischen Partner bekommen könnte. Nachdem Ötsch – ein glühender Verfechter der Eigenständigkeit der AUA – bei der Hauptversammlung am vergangenen Mittwoch erstmals eingeräumt hatte, dass die AUA einen strategischen Partner brauche, „wenn es nicht gelingt, nachhaltig Gewinne zu schreiben“, kündigte Michaelis nun Fakten an. Bei der nächsten Sitzung werde sich der Aufsichtsrat in einem „Strategie-Check“ mit der Frage nach einem möglichen strategischen Partner befassen. Wenn das Ertragspotenzial der AUA für einen Alleingang nicht ausreiche, dann ist eine solche Partnerschaft nicht auszuschließen, so Michaelis. Diese Option werde in regelmäßigen Abständen überprüft. Die Börse reagierte auf den Kurswechsel von Ötsch zur Linie von Michaelis sehr positiv: Die AUA-Aktie legte am Freitag um 2,70 Prozent auf 4,18 Euro zu.

Dem Vernehmen nach soll die ÖIAG schon einen Schritt weiter sein. Sie soll mit dem Ausloten möglicher Partner für die AUA schon begonnen haben – vor allem für den Fall, dass der Deal mit Al Jaber doch nicht zustande kommt, heißt es.

Indes ist die AUA einmal mehr zum politischen Thema geworden. Verkehrsminister Werner Faymann (SPÖ) macht sich – wie Molterer – für eine eigenständige AUA stark. Er fordert von der ÖIAG und der AUA ein Konzept, dass die AUA österreichisch bleibt. Eine Partnerschaft mit der Lufthansa lehnt Faymann ab.

Der Wirtschaftssprecher der Grünen, Werner Kogler, begrüßt hingegen das Umdenken bei ÖIAG und AUA. Man müsse sich rasch um einen strategischen Partner umsehen, da der Konzentrationsprozess in der Luftfahrt zeitlichen Druck auslöse, betonte Kogler.

AUF EINEN BLICK

Die Verhandlungen zwischen der AUA und Scheich Al Jaber um eine Kapitalspritze gehen in die nächste Woche. Der Investor bietet jetzt mehr Geld – 200 Mio. Euro – für mehr Anteile. Indes forciert die ÖIAG die Suche nach einem strategischen Partner.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.05.2008)


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4 Kommentare
 
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Von Gast: Wüstensohn am 13.05.2008 um 13:43

Basar ...

"... gleichen immer mehr einem Feilschen auf dem Basar."--- was würde die Autorin wohl schreiben, wenn ein Russe, ein Holländer, Teutscher oder Yänkie als Investor sich um die marode AUA interessiert hätte. "Feilschen wie am Marktplatz" oder "Feilschen am Thing" ... oder "Feilschen wie am Saumarkt" ... pardon: Aber das Niveau von HEUTE oder ÖSTERREICH muss die PRESSE nicht kopieren. ein leicht rassistischer Beigeschmack - die Araber und Juden wollen eh nur handeln - ist verzichtbar, auch wenn es nur auf subtile Weise geschieht und manipulativ sein soll. Abgesehen davon: Ein Herr, der nicht aus der Wüste kommt, würde sich auch nicht gerne legen lassen. Offenbar haben die Herren Ötsch und Michaelis dem Herrn Al Jaber eine Mogelpackung andrehen wollen. Und nun will man der Welt sagen, dass Al Jaber es nicht schafft, die Bankgarantie herbei zu schaffen. Come on.

Von citoyen am 12.05.2008 um 20:14

Wer hat den Herrn F. gefragt?

Seine politische Wortmeldung, die bar jedes Wirtschaftsverständnisses ist, soll sich der Herr F. lieber sparen. Aufgrund welcher Kriterien lehnt er die LH ab? Muß wohl in irgendeinem sozialistischen Wirtschaftsmanifest stehen, oder sonst in einem anderen dünnen ideologischen Bändchen.

Der Vorstand soll alle Möglichkeiten prüfen, welche Allianz am ehesten für die AUA geeignet ist. Dem Standort Wien ist dabei besonderes Augenmerk zu geben.
Die Politiker sollen weiterhin gratis fliegen, aber sich sonst zurückhalten.

Antworten Von Gast: Vorausdenken am 12.05.2008 um 20:35

Unwirtschaftliche Teile zusperren, den Rest in die Tyrolean einbringen !

Unwirtschaftliche Teile zusperren, den Rest in die Tyrolean einbringen !

Schade dass die Manager noch immer so weiterwursteln wie all die Jahre als der Laden noch Verstaatlicht war.Die Fähigen haben alle einen golden Handshake bekommen und der Rest greift im Schnitt drei Jahre lang in die Kassa und wird dann geschasst. Super so ein Selbstbedienungsladen.Da braucht man nicht Lotto spielen mehr Glück kann man im Leben nicht haben. Schade nur dass es andere bezahlen müssen.Das Hauptproblem liegt darin dass die sog. Manager keine Airliner sind sondern Politisch einen Posten zugeschanzt bekommen haben. Bis die sich Einarbeiten ist die Tonne Treibstoff schon wieder um 30 Prozent oder mehr gestiegen. Vielleicht sollte man sich ein Beispiel am Wirtschaftlich positiven Teil der Firmengruppe, der Tyrolean nehmen. Dort ist die Kostenstruktur schlanker und soger die Verlustbringende AAS oder auch die Rheintalflug wurden nach der Integration Gewinnbringend.

Antworten Antworten Von Gast: Berja am 13.05.2008 um 15:59

Dafür müsste man aber den VP-Manager Ö.

als ersten rauswerfen. Und alle seine Pfründebrüder (und der SPÖ) mit dazu.

 
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