WIEN. Das Aktiengesetz ließ der angeschlagenen AUA keine andere Wahl. Am Donnerstag nach Börseschluss musste der Konzern eine sogenannte Ad hoc-Meldung absetzen. Inhalt: Der Verlust der Austrian Airlines AG im Jahr 2008 und im Jänner 2009 übersteigt die Hälfte des Grundkapitals von 264 Mio. Euro. Für diesen dramatischen Fall muss umgehend eine Hauptversammlung einberufen werden. Sie wird am 14. April stattfinden. Zeitgleich mit dieser Meldung traten die beiden AUA-Vorstände Andreas Bierwirth und Peter Malanik in Wien vor die Medien. Beschwichtigen, kalmieren, abwiegeln lautete die Devise.
Ergebnis nicht überraschend
Die Ad hoc-Meldung „klingt nach einer dramatischen Situation“, meinte Malanik. Doch tatsächlich sei „das Ergebnis nicht überraschend“. „Das wird auch die Lufthansa nicht überraschen“, beschwichtigte er.
Tatsächlich steuert der AUA-Konzern inklusive Abschreibungen und anderen Konsolidierungsschritten auf ein Minus von bis zu 500 Mio. Euro zu. Der Verlust von mindestens 132 Mio. Euro der Austrian Airlines AG bezieht sich lediglich auf den Flugbetrieb.
Nicht fliegen ist besser
Derzeit ist es für die Airline besser, wenn die Maschinen am Boden bleiben. Mittlerweile wurden Strecken nach Chicago und Bombay gestrichen. Mehrere Flüge nach Osteuropa fielen genauso dem Sparkurs zum Opfer, die die Verbindung nach Luxemburg und bald auch nach Nürnberg. Mit diesem Kahlschlag spart die AUA 115 Mio. Euro. Und das hat sie auch bitter nötig. Es gibt 225 Mio. Euro, „die von uns zu heben sind“, erklärte Andreas Bierwirth. Andernfalls riskiert die AUA, von der Lufthansa fallen gelassen zu werden. Somit müssen 110 Mio. Euro bei den Lieferanten und vor allem beim Personal eingespart werden. „Es gibt keine Alternativen“, sagt Bierwirth. Sollten diese Einsparungen nicht gelingen, dann könnte dies „das Platzen des Deals“ mit der Lufthansa zur Folge haben, gibt der AUA-Vorstand unumwunden zu. Derzeit wird mit Betriebsrat und Gewerkschaft über Lohnsenkungen und Einsparungen bei den Betriebspensionen verhandelt. Intern wird allerdings längst mit Kündigungen in empfindlichem Ausmaß gerechnet.
Brüssel prüft
Wenn Brüssel dem Deal zustimmt, wird die Lufthansa die marode rotweißrote Flugline samt einer 500 Mio. Euro-Mitgift der Republik übernehmen. Die AUA-Chefs sind davon überzeugt, dass die Wettbewerbshüter diese Mitgift nicht als verbotene Beihilfe werten werden. Denn andere Alternativen, etwa eine Redimensionierung auf eine regionale Fluglinie oder gar eine Insolvenz würden viel höhere Kosten verursachen, meint Malanik.
Doch vorerst ist der sichere Hangar der Lufthansa in weiter Ferne. Umsatzeinbrüche von 15 Prozent, hervorgerufen auch durch die Krise im Hauptmarkt Osteuropa, lassen viele Anleger daran zweifeln, ob die AUA die nächsten Monate überstehen wird. Ansonsten müsste die Aktie bei 4,49 notieren. Soviel will die Lufthansa im Falle einer Übernahme zahlen. Am Donnerstag lag der Kurs bei 3,33 Euro. Und die Ad hoc-Meldung wird heute wohl auch nicht gerade für Luftsprünge an der Börse sorgen.
("Die Presse" Printausgabe vom 20. Februar 2009)

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