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AUA-Verluste übersteigen halbes Grundkapital

20.02.2009 | 08:15 |  Von Gerhard Hofer (Die Presse)

Die AUA hat bereits mehr Verlust als ihr halbes Grundkapital wert ist. Die neue AUA-Spitze wiegelt aber ab - es sei nicht überraschend. Für 14. April musste eine Hauptversammlung einberufen werden.

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WIEN. Das Aktiengesetz ließ der angeschlagenen AUA keine andere Wahl. Am Donnerstag nach Börseschluss musste der Konzern eine sogenannte Ad hoc-Meldung absetzen. Inhalt: Der Verlust der Austrian Airlines AG im Jahr 2008 und im Jänner 2009 übersteigt die Hälfte des Grundkapitals von 264 Mio. Euro. Für diesen dramatischen Fall muss umgehend eine Hauptversammlung einberufen werden. Sie wird am 14. April stattfinden. Zeitgleich mit dieser Meldung traten die beiden AUA-Vorstände Andreas Bierwirth und Peter Malanik in Wien vor die Medien. Beschwichtigen, kalmieren, abwiegeln lautete die Devise.

Ergebnis nicht überraschend

Die Ad hoc-Meldung „klingt nach einer dramatischen Situation“, meinte Malanik. Doch tatsächlich sei „das Ergebnis nicht überraschend“. „Das wird auch die Lufthansa nicht überraschen“, beschwichtigte er.
Tatsächlich steuert der AUA-Konzern inklusive Abschreibungen und anderen Konsolidierungsschritten auf ein Minus von bis zu 500 Mio. Euro zu. Der Verlust von mindestens 132 Mio. Euro der Austrian Airlines AG bezieht sich lediglich auf den Flugbetrieb.

 

Nicht fliegen ist besser

 

Derzeit ist es für die Airline besser, wenn die Maschinen am Boden bleiben. Mittlerweile wurden Strecken nach Chicago und Bombay gestrichen. Mehrere Flüge nach Osteuropa fielen genauso dem Sparkurs zum Opfer, die die Verbindung nach Luxemburg und bald auch nach Nürnberg. Mit diesem Kahlschlag spart die AUA 115 Mio. Euro. Und das hat sie auch bitter nötig. Es gibt 225 Mio. Euro, „die von uns zu heben sind“, erklärte Andreas Bierwirth. Andernfalls riskiert die AUA, von der Lufthansa fallen gelassen zu werden. Somit müssen 110 Mio. Euro bei den Lieferanten und vor allem beim Personal eingespart werden. „Es gibt keine Alternativen“, sagt Bierwirth. Sollten diese Einsparungen nicht gelingen, dann könnte dies „das Platzen des Deals“ mit der Lufthansa zur Folge haben, gibt der AUA-Vorstand unumwunden zu. Derzeit wird mit Betriebsrat und Gewerkschaft über Lohnsenkungen und Einsparungen bei den Betriebspensionen verhandelt. Intern wird allerdings längst mit Kündigungen in empfindlichem Ausmaß gerechnet.

Brüssel prüft


Wenn Brüssel dem Deal zustimmt, wird die Lufthansa die marode rotweißrote Flugline samt einer 500 Mio. Euro-Mitgift der Republik übernehmen. Die AUA-Chefs sind davon überzeugt, dass die Wettbewerbshüter diese Mitgift nicht als verbotene Beihilfe werten werden. Denn andere Alternativen, etwa eine Redimensionierung auf eine regionale Fluglinie oder gar eine Insolvenz würden viel höhere Kosten verursachen, meint Malanik.

Doch vorerst ist der sichere Hangar der Lufthansa in weiter Ferne. Umsatzeinbrüche von 15 Prozent, hervorgerufen auch durch die Krise im Hauptmarkt Osteuropa, lassen viele Anleger daran zweifeln, ob die AUA die nächsten Monate überstehen wird. Ansonsten müsste die Aktie bei 4,49 notieren. Soviel will die Lufthansa im Falle einer Übernahme zahlen. Am Donnerstag lag der Kurs bei 3,33 Euro. Und die Ad hoc-Meldung wird heute wohl auch nicht gerade für Luftsprünge an der Börse sorgen.

("Die Presse" Printausgabe vom 20. Februar 2009)

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20 Kommentare
Crusader18
20.02.2009 12:23
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Mir ist völlig unklar, was sich diese Leute von der Lufthansa erwarten ?


Glauben sie wirklich, daß die Lufthansa diesen Partei-Privilegienstadel so weiterführen wie bisher ?

Das kann ich mir nicht vorstellen !

Und eine "Schrumpfung" könnte die AUA selbst durchführen, wenn es die Apparatschiks zuließen !


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Mir ist es klar

Für die Lufthansa ist die AUA ein über Jahrzehnte bodenlos schlecht geführtes Unternehmen mit einer Reihe von wertvollen Assets, die zu heben sind: Ostspezialist. Auch das Personal kann was. An der Qualität mangelt es ja nicht. Was immer gefehlt hat, ist eine politisch unabhängige Führung. Oder eine Führung , der man die Unabhängigkeit gewährt. Eine Lufthansa braucht sich nicht darum kümmern, dass der Flughafen die AUA über Jahrzehnte als Melkkuh sah. Und sie beim Service hängen ließ (Die schlechten Gepäcksverlustzahlen kommen daher, weil der Flughafen sehr sparsam an Personal ist, die AUA aber von Umsteigepassagieren lebt). Der Lufthansa kann es egal sein, dass bisher der Sprit überteuert beim österreichischem Unternehmen OMV gekauft werden "musste".
Lachen muss ich, wenn der Ötsch dafür geprügelt wird, weil er die Versäumnisse proporzgestählter Pseudomanager von vor 15 Jahren nicht in einem Jahr gutmachen konnte.

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Re: treffend formuliert !!!

Ich muß Ihnen gratulieren ! Der Ausdruck "proporzgestählter Pseudomanager" ist einfach herrlich ! Traurig ist nur, daß er erschöpfend die Qualitäten des letzten AUA Vorstandsvorsitzenden beschreibt: Die Genauigkeit der Geschäftsprognosen und die Professionalität der "Investor-Verhandlungen" qualifizieren Herrn Ötsch für diesen Titel !!

parapente
20.02.2009 10:54
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Jeder Privatbetrieb

hätte mit einem Verfahren wegen betrügerischer Krida mit unbedingter Strafe zu rechnen!

LUPO
20.02.2009 09:45
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Das Genossen Risiko

In ein Unternehmen mit sovielen Genossen an Bord zu investieren ist halt ein hoch riskantes Geschäft. Nach dem Gerede (haufenweise schöne Worte) kommt mal der Tag der Abrechnung und dann findet man meist nur schweigende Genossen, bis auf jene die halt kämpfen und marschieren und sich dann das nächste Opfer suchen. Bei sovielen Genossen im mittleren Management, kann das obere Management nicht viel ausmachen, denn die Mittleren stellt der Eigentümer Staat unter Denkmalschutz (die Oberen kassieren dafür Abfertigungen).

Also immer vorsichtig sein, wenn sie es mit einem denkmalgeschützten Mitarbeiter zu tun haben (gibt's auch ÖBB, ORF, Post, ...).

Antworten Gast: answeringmachine
20.02.2009 11:54
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Re: Das Genossen Risiko

hättest wohl gern. das waren die schwarzbraunen wirtschaftswunderwuzzi die diese firmen zugrundegerichtet haben.
wie sonst ist es möglich daß ein völlig kompetenzbefreiter ötsch noch vor einem jahr sagt daß die aua saniert ist.
oder als huber sich an der öbb selbst bereichert?

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Der Ötsch war - neben seinem Vorgänger - der erste, der in der AUA moderne Managementmethoden einführte.

Wer dort arbeitet, denkt sich seit zwei Jahren: Warum erst jetzt? Warum nicht schon vor zehn Jahren eine Marke bauen und nicht dem Zufall überlassen? Warum über Jahre kindische Werbeauftritte "like a smile in the sky", die woanders nicht einmal ins Kinderprogramm kämen? Warum nicht schon vor 15 Jahren eine Kundendienstkette definieren? Andere Unternehmen konnten das ja auch. Warum nicht die Mitarbeiter auf eine Unternehmensphilosophie einschwören?
Warum nicht von Haus aus den Namen AUA beseitigen. In der deutschen Sprache ein Wort, das den Ausruf nach einem schmerzhaften Unglück darstellt. Dem Ötsch gehört zur Abfertigung noch was dazu. Für den Mut diesen Karren in letzter Minute aus dem Dreck ziehen zu wollen. Positive, mutmachende Äußerungen gehören da auch dazu. Wo man doch weiß, dass sich die Politi k hierzulande als erste abputzt und man schneller Sündenbock ist, als man schauen kann.

LUPO
20.02.2009 13:22
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Re: Re: Das Genossen Risiko

Leider oder eigentlich zur Freude schreibe ich aus Erfahrung. Wie oben beschrieben, vom oberen Management mit ihren Abfertigungen, aber auch von den Genossen die weiter reden und alle Schuld von sich weisen. Sie dürften wohl auch zum Denkmalschutz gehören, also brav weiter machen, wie es der Parteiapparat (sozimachine) fordert.

Gast: Weltbummler
20.02.2009 08:48
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Aauuaa, es tut weh !!

Wer noch mitfliegt, ist selber schuld. Ich, persöhnlich,
gehe lieber zu Fuss.

Gast: AEIOU
20.02.2009 07:59
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Schön brav sanieren.

Vorerst den Augiasstall reinigen, die Kellerleichen entfernen, die ja schon bis unters Dach in die Vorstandsebene miefeln, noch eine "kleine" Mitgift von etlichen Millionen und die "Braut" ist wohlfeil. Nachbesserungen, vielleicht das eine oder andere Geschenk sollten den Bräutigam augenzwinkernd in Aussicht gestellt werden. Die Trauzeugen sind auch schon geschniegelt und harren auf das große Ereignis. Österreicher-Herz, was willst Du mehr.

Steininger
20.02.2009 02:54
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Derzeit ist es für die Airline besser, wenn die Maschinen am Boden bleiben

Aber geh! Es ist bestimmt besser wenn die Firma ihrem Unternehmenszweck nicht nahgeht.

Da kommt mir die Galle hoch!

Eine Firma die nicht handelt, in ihrem Feld, ist dem Untergang geweiht!

Warum nicht Kunden suchen die tatsächlich für die Leistung bezahlen.

Ich denke nicht daß eine Firma für die Nichterfüllung des Unternehmenszweckes lang vom Staat Geld bekommen soll! Da wär das Arbeitslosengeld (auch erhöht, meinetwegen) viel sinnvoller angelegt!

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Pleitegeier fliegen schneller als Jets


Es kommt wie es überall kommt wo die Gewerkschaften und die Politik "reinwirtschaften": Konkursreif!

Und jetzt rächt sich die EU-Hasserei unserer Dümmst-Politiker doppelt. Denn die Komission lässt sich da natürlich Zeit und wird ganz genau prüfen.

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So ist es

Faymann sagt nicht viel dazu. Eigentlich gar nichts. Sein Sprachrohr, die K rone, sagt umso mehr, aber das ist dann nicht mehr Meinung der Regierung. Und niemanden störts. Das ist erstaunlich.

Gast: Hans D.
19.02.2009 21:53
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schon im Dezember ...

war das halbe Grundkapital fort oder? In den Medien wurde schon in Dezember 475 Millionen Euro Verlust gemeldet. Das gibt es nicht, dass der Vorstand erst jetzt im Feburar zu dieser Erkenntnis gelangt. Bin auf die AUA-Bilanz 2008 sehr gespannt, insbesondere was da in der Position Eigenkapital steht.

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Vorstandsverantwortung ?

Hat eigentlich Herr Ötsch, dessen Vorschau auf 2008 eine "sanierte" AUA versprach, bei der einvernehmlichen Lösung seines Vertrages die Entlastung des Aufsichtsrates erhalten? Oder wurde in der Zwischenzeit die Staatsanwaltschaft eingeschaltet, um die Fehlinformation der Eigentümer, der Öffentlichkeit und der Mitarbeiter zu ahnden, die Beteiligung des Vorstandes an dem entstandenen Schaden durchzusetzen und Herrn Ötsch wegen vorsätzlichen Betruges hinter Gitter zu bringen ?
Oder gilt das Aktienrecht nicht für Proporzvorstände ?

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Re: Vorstandsverantwortung ?

Zu dem Zeitpunkt, als Ötsch das sagte, war die AUA auf einem guten Weg. Er hat damit auch die Mitarbeiter motiviert, sich ordentlich heineinzuhängen. Alles, was danach kam, war außenbestimmt.

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Re: Re: Vorstandsverantwortung ?

Wenn ein Vorstand seine Firma bzw. seine Branche so gut kennt, daß seine Prognosen nicht einmal für drei (3 !!!) Monate gelten, dann ist er fehl am Platze und gehört wegen Unfähigkeit abgelöst. Jeder Aufsichtsrat, der nach Vorliegen einer derartigen Situation still hält, macht sich mitschuldig und ist haftbar zu machen.

Antworten Gast: insider
19.02.2009 22:15
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Re: Vorstandsverantwortung ?

Schad- und Klagloshaltungsvereinbarung gibt es natuerlich !!

Lepanto
19.02.2009 20:38
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Ist eigentlich der Tatbestand der ...


... Konkursverschleppung noch strafbar?

bbss22
20.02.2009 12:05
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Strafrecht

Im Zusammenhang mit Gläubigerinteressen sind die Paragraphen 156 - 163 StGB interessant, sowie §292 a und b.

Schlagzeilen Wirtschaft