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Ratingagenturen: "Verkauften unsere Seele dem Teufel"

26.04.2010 | 12:04 |   (DiePresse.com)

Interne E-Mails der Ratingagenturen Moody's und Standard & Poor's zeigen, welchen Druck Banken ausübten, um gewünschte Bewertungen für komplexe Finanzprodukte zu erhalten.

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Im Zuge der Untersuchungen des US-Senats bezüglich der Ursachen der Finanzkrise sind brisante E-Mails an die Öffentlichkeit geraten. Seit 2005 waren Ratingagenturen demnach dem zunehmenden Druck von Banken ausgesetzt, berichtet die "Financial Times". Es ging dabei darum, wie sie Bewertungen von komplexen Finanzprodukten vorzunehmen hatten. Interne E-Mails der Ratingagenturen Moody's und Standard & Poor's zeigen: Wer lukrative Geschäfte mit Banken machen wollte, musste Kompromisse eingehen und interne Richtlinien ignorieren.

Ratingagenturen litten unter "Stockholm-Syndrom"

Ein hoher Moody's-Manager spricht im Zusammenhang mit der Vergabe von AAA-Ratings für Hypothekenschuldverschreibungen "entweder von einer inkompetenten Kreditanalyse" oder davon, dass "wir unsere Seele dem Teufel verkauft haben". Ein Standard & Poor's-Mitarbeiter sagt wiederum, das Hypotheken-Team sei den "Top-Emittenten von Wertpapieren derart verpflichtet gewesen, dass sie eine Art Stockholm-Syndrom gegenüber den Kunden entwickelt haben".

Stockholm-Syndrom
Darunter versteht man ein psychologisches Phänomen, bei dem Geiselnahme-Opfer ein positives emotionales Verhältnis zu ihren Entführern aufbauen. Dies kann dazu führen, dass das Opfer mit den Tätern sympathisiert und mit ihnen kooperiert

Ein anderer Moody's-Mitarbeiter erzählt einem Banker, dass seine Kollegen "ein paar Anpassungen bei ihrer Methodik vornehmen werden, die Ihren Leuten zugutekommen werden". Die Finanz-Nachrichtenagentur "Bloomberg" zitiert aus dem E-Mail eines Standard & Poor's-Analysten, wonach Goldman Sachs-Banker Druck auf ihn ausübten, um bei der Schaffung von "Collateralized Debt Obligations" (CDO's) während des Häuser-Booms niedrigere Standards anzulegen.

Als 2007 Michel Prada von der französischen Regulierungsbehörde AMF vor möglichen Interessenskonflikten der Ratingagenturen warnte, wurde er öffentlich als Spinner dargestellt. Privat sah das ein Standard & Poor's-Manager aber anders, berichtet die "Financial Times". "Wir klingen wie das Weiße Haus unter Präsident Nixon. Anstatt solche Dinge abzutun oder irgendwelche dunklen Motive zu unterstellen, sollten wir uns selbst fragen, wie wir so falsch handeln konnten". Sollte sein Unternehmen in Probleme kommen, hätten nicht die fehlende Ethik oder Gier schuld, sondern Arroganz.

Banken "hatten starke Eigeninteressen"

Indes attackiert Carl Levin, der demokratische Vorsitzende des Senatsausschusses, die Wall Street-Banken. Dieses hätten nicht neutral im Kundenauftrag agiert, lautet sein Vorwurf. "Sie hatten starke Eigeninteressen, riskante und komplizierte Finanzkonstrukte in den Markt zu drücken, die die Krise befördert haben", sagt Levin laut "Financial Times Deutschland".

Die Ratingagenturen seien dazu gebracht worden, die riskanten Finanzkonstrukte mit Bestnoten zu versehen, ehe sie an Investoren verkauft wurden. So sei das Risiko vergrößert und breit über die Finanzmärkte gestreut worden. "Allzu oft haben sie gegen die Instrumente gewettet, die sie selbst verkauft haben, und auf diese Weise auf Kosten ihrer Kunden profitiert", meint Levin der Zeitung zufolge.

(phu)

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13 Kommentare
Gast: opolis
27.04.2010 07:39
0 0

have they never ...

... heard about how to protect their mails, such as via www.opolis.eu? - assume they had wished they knew... :-)

Gast: hbm
26.04.2010 20:40
0 0

hab eh noch nie verstanden wieso jemand angaben von ratingagenturen ernstnimmt.

das ist so als wenn man der werbung glauben würde.

Gast: Don Quichote
26.04.2010 16:56
1 0

Daß solche Gaunereien ...

... passieren konnten, ohne daß Branchen-Insider wie die europäischen Bank-Kapazunder davon Wind bekamen, kann ich einfach nicht glauben. Trotzdem verweisen sie mit unschuldigen Kinderaugen auf die bösen Rating-Agenturen, die ihnen den ganzen Zinnober eingebrockt hätten. Falls sie wirklich so blauäugig waren, gehörten sie umgehend ausgewechselt. Tatsache wird wohl sein, daß sie auf Teufel komm raus und wider besseres Wissen mitgezockt haben in der realistischen Annahme, vom Staat aufgefangen zu werden, falls es schiefgehen sollte.

Gast: trader
26.04.2010 15:20
0 0

na dann ..

short mco bei 24.90 :-):-)

Gast: Zenturion
26.04.2010 14:50
0 0

Verklagen und Schadensersatz fordern

So machen es die USA mit den deutschen Unternehmen. Warum machen wir es nicht? Es geht um Billionen. Dann wäre der USA-Laden sofort pleite. Außerdem käme dann heraus, daß diese Aktivtäten von ganz oben gedeckt waren.

Antworten Paco
26.04.2010 16:16
0 0

Re: Verklagen und Schadensersatz fordern


Nicht erfolgversprechend!

[...] Die Ratingagenturen bezeichnen sich nach amerikanischem Recht als „Journalisten“ und berufen sich auf das Recht der freien Meinungsäusserung. Damit unterliegen sie keinerlei Haftungspflichten. [...]

http://acemaxx-analytics-dispinar.blogspot.com/2010/03/ratingagenturen-ironische-wende-in-eu.html

Gast: Gast
26.04.2010 12:46
1 0

Geld regiert die Welt, somit Banken regieren die Welt.


Gast: das heisst
26.04.2010 12:24
1 0

auf deutsch, dass

die ratingagenturen bewusst und mit vorsatz falsche ratings vergeben haben!!!!

so und nicht anders muss das verstanden werden!!

das waere nach herkoemmlicher rechtsauffassung glatte beihilfe zum schweren gewerbsmaessigen betrug - darueber hinaus auch noch eine gefaehrdung der staatssicherheit!!!

doch die moody und co werken fleissig weiter und sacken monat fuer monat milliarden ein !!

doch das imperiale gesetz in den usa wird diese modernen raubritter schuetzen, da koennen sie sich sicher sein!!


Antworten antikarl
26.04.2010 14:00
1 0

Re: auf deutsch, dass

das glaube ich nicht: die Antwälte scharren schon mit dem Füßen. Da wartet ein ganz dickes Geschäft. In der USA laufen manchmal Dinge ganz anders als im Ösiland.

Antworten Antworten Gast: Karli katastrophski
26.04.2010 14:59
0 0

Re: Re: auf deutsch, dass

Sie sind aber schon sehr schlicht im Geiste...

ledebei
26.04.2010 12:23
2 0

oh wie verwunderlich?

hat irgendjemand je Zweifel gehabt, dass Ratingagenturen von Banken abhängig sind? In einer Zeit wo die überwiegende Anzahl der Banken an korrekten Ratings interessiert sind kann dies ja funktionieren, in einer Zeit wo selbst die Branchenriesen schwanken und Dreck am Stecken haben ist das Ergebnis wohl vorauszusehen.

Antworten Gast: Petzi
26.04.2010 13:28
1 0

Re: oh wie verwunderlich?

... abgesehen davon bezahlt der Kunde (Bank) ja für das Rating - ist also für das Einkommen der Rater verantwortlich - darin kein Abhängigkeitsverhältnis zu sehen ist etwas gutgläubig ;-)

Antworten Antworten Gast: strolchi
26.04.2010 15:19
0 0

Re: Re: oh wie verwunderlich?

na sehns .. und wenn der minister vom lobbyisten, und trauzugen der ihm am schreibtisch vis a vis sind, einen urlaub mit der katz bezahlt bekommt, die nebenbei an porsche von an anderen lobbyisten gegen die wand fährt, und zusätzlich noch gebrauchte golfschläger geschenkt bekommt dann gibt es noch immer eine gutgläubige .. und das ist halt die justizministerin :-):-):-)

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  • Kein Plan vom eigenen Geld
    Um das Finanzwissen in Europa ist es schlecht bestellt. 93 Prozent der Österreicher wünschen sich mehr Finanzbildung in der Schule.

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