26.05.2012 17:59 | Meine Presse Merkliste 0

Goldman-Chef unter Beschuss: "Sie verkauften Scheiße"

28.04.2010 | 07:17 |   (DiePresse.com)

"Die Kunden haben verloren, Goldman hat gewonnen", wirft ihm Senator Carl Levin, Vorsitzender eines Untersuchungsausschusses, vor. "Wir haben nicht gegen unser Kunden gewettet", wehrt sich Bankchef Blankfein.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Die US-Investmentbank Goldman Sachs steht für ihr Verhalten in der Finanzkrise am Pranger. Senatoren nahmen am Dienstag mehr als zehn Stunden lang den Führungszirkel des Wall-Street-Hauses in die Mangel. Als Letzter musste sich Bankchef Lloyd Blankfein vor dem Ausschuss verantworten, der Licht ins Dunkel der Finanzkrise bringen soll.

"Kunden haben verloren, Goldman hat gewonnen"

"Die Kunden haben verloren, Goldman hat gewonnen", polterte der Ausschussvorsitzende Carl Levin. "Vieles, was sie ihren Kunden verkauft haben, nannten sie selbst Scheiße." Er bezog sich dabei auf interne E-Mails von Goldman-Bankern. Die US-Börsenaufsicht SEC wirft dem Institut sogar Betrug von Anlegern vor. Sie reichte vor zwei Wochen Klage ein.

Bankchef Blankfein widersprach vehement und betonte: "Das Vertrauen unserer Kunden ist nicht nur wichtig für uns, es ist essenziell für uns." Er wies den Vorwurf zurück, Goldman Sachs habe sich auf Kosten von Anlegern bereichert. "Wir haben sicherlich nicht gegen unsere Kunden gewettet." Die Bank habe genauso Geld am Immobilienmarkt verloren wie alle anderen.

"Goldman hat unmoralisch gehandelt"

Er widersprach damit dem Ausschussvorsitzenden Levin, der es als erwiesen ansieht, dass Goldman Sachs 2007 auf fallende Häusermärkte setzte, während die Bank ihren Kunden weiterhin Hypothekenpapiere verkaufte. Senator John McCain aus Arizona schlug in die gleiche Kerbe: "Es ist keine Frage, Goldman Sachs hat unmoralisch gehandelt." Beim Platzen der Immobilienblase wurden die Anlagen über Nacht praktisch wertlos.

Einer der Geschädigten soll die deutsche Mittelstandsbank IKB gewesen sein, die ein großes Rad am US-Häusermarkt gedreht hatte und vom Steuerzahler mit fast zehn Milliarden Euro vor dem Zusammenbruch gerettet werden musste. Goldman Sachs hatte ihr ein Sammelsurium (CDO) von Hypothekenkrediten verkauft - und ihr nach Ansicht der SEC verschwiegen, dass ein Hedgefonds die Auswahl der enthaltenen Papiere getroffen und anschließend auf ein Scheitern gewettet hatte.

"Ich verstehe, wie es aussehen muss"

"Die Transaktion war nicht derart gestaltet, dass sie scheitern musste", widersprach Fabrice Tourre. Er hatte das komplexe Geschäft eingefädelt und sich in internen E-Mails seiner eigenen Genialität gerühmt. Die IKB sei einer der weltweit erfahrensten Spieler auf dem Hypothekenmarkt gewesen, konterte er. Die SEC hat Tourre als einzigen Goldman-Banker persönlich verklagt.

Blankfein warb um Verständnis: "Ich verstehe, wie eine solche komplizierte Transaktion für manche Menschen aussehen muss. Sie fühlen sich bestätigt in ihrer Annahme, dass die Wall Street außer Kontrolle geraten ist." Er versuchte mehrfach, das Handeln von Investmentbanken zu erläutern. Dabei prallte er mit dem Ausschussvorsitzenden Levin zusammen, der die Geschäfte als sittenwidrig brandmarkte.

Betrugsvorwurf gegen Goldman Sachs

Die Krise hatte die Investmentbanken in Verruf gebracht. Es bildete sich der Stereotyp des gierigen Bankers heraus, der um seiner eigenen fetten Boni willen mit windigen Geschäften die gesamte Wirtschaft in den Abgrund reißt. "Es gibt viele Feindseligkeiten da draußen", stellte Senator McCain fest. Goldman gehe es sehr gut, während die Wirtschaft am Boden liege und Regionalbanken reihenweise umkippen würden.

Der Betrugsvorwurf der SEC belastet die gesamte Bankenlandschaft. Die Börsianer befürchten teure Schadenersatzklagen und eine härtere Regulierung für alle Institut. Bei Goldman Sachs sind bereits die ersten Klagen eingegangen.

Banker: Politisch motiviertes Verfahren

Goldman Sachs gehört zu den absoluten Spitzenverdienern der Branche und zu einem der renommiertesten Häusern der Wall Street. Selbst in der Krise schrieb die Bank nach einem kurzen Einbruch schnell wieder Milliardengewinne. Das machte sie zum bevorzugten Ziel von Branchenkritikern. Viele Banker sprechen von einem politisch motivierten Verfahren.

US-Präsident Barack Obama versucht derzeit, seine Finanzmarkt-Reform voranzutreiben, mit der er die Banken zügeln und die Verbraucher schützen will. Die Branche und die oppositionellen Republikaner stehen dem Vorhaben aber kritisch gegenüber, weil sie zu starke staatliche Eingriffe befürchten. Am Dienstag musste Obama einen erneuten Rückschlag im Senat hinnehmen.

(Ag.)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo
Als Gast kommentieren

...oder einloggen um als registrierter Benutzer zu kommentieren (Vorteile dieser Variante)


Mit dem Absenden Ihres Kommentares erklären Sie sich mit den Forenregeln einverstanden.

*... Pflichtfelder

Sicherheitscode
(Was bringt das?)*



Schwer lesbar?
Neuen Code generieren

Verbleibende Zeichen

20 Kommentare
Gast: gast
29.04.2010 10:48
0 0

re: klingelts?....

what the f**** ist "mammon"

Gast: Benjamin Levi David Ariel
29.04.2010 10:44
0 0

klingelts?....

"man kann nicht gott und dem mammon dienen, vertraust du dem einen wirst du den anderen verfluchen..." iSdB

Gast: opolis
29.04.2010 06:07
0 0

have a feel ...

... they wished they protected and encrypted their e-mails with www.opolis.eu .... :-)

Gast: Eurrora
28.04.2010 17:54
0 0

Goldman -Chef Lloyd Blankfein und nicht Goldfein !

die presse.com 24.11.2009

Gast: Eurrora
28.04.2010 17:29
0 0

Hinter Gitter soll Goldfein und Konsorten landen.

Kürzlich hat Goldfein noch geprahlt : das Werk Gottes zu verrichten. Für wie DUMM darf man die Menschen verkaufen ohne das man eingesperrt wird ?

toranaga
28.04.2010 17:27
1 0

damit marx und lenin nicht doch noch recht bekommen sollten...


- ( was ich ohnehin befürchte, dass es letztendlich eintreffen wird ) -

trennt diese verbrecher vom rest der gesellschaft und zerschlagt diese monster-banken, diesen abschaum der gegenwart !!!

hl_1001
28.04.2010 13:48
1 0

DAS is Kapitalismus

Betrug ist das älteste Gewerbe der Welt und nur deswegen funktioniert der Kapitalismus. Es geht darum, den anderen besser übers Ohr zu hauen um sich selbst zu bereichern.

Antworten Gast: gast
28.04.2010 14:40
0 1

Re: DAS is Kapitalismus

man sieht, dass sie keine ahnung von wirtschaft haben... was sie da beschreiben nennt sich verzerrung des marktes im kapitalismus und ist keineswegs der gewünschte normalzustand

Antworten Antworten Gast: Grufti
28.04.2010 16:52
1 0

Re: Re: DAS is Kapitalismus

Ob gewuenscht oder nicht, es ist jedenfalls der Normalzustand.

Antworten Antworten Antworten Gast: Eh kloar
29.04.2010 06:31
0 1

Re: Re: Re: DAS is Kapitalismus

Lieber Grufti, lassen Sie mich raten : Sie haben es in diesem betruegerischen Normalzustand zu richtig viel gebracht ? Oder sind dass diese unguten grauslichen Nachbarn mit den dicken Autos die sicher alles erstohlen und erlogen haben ?
Selbstverstaendlich koennte diese ernuechternde Erkenntnis auch von Fachzeitschriften wie der Krone entspringen.

Gast: Gast
28.04.2010 12:25
0 0

Beruf nicht sorgfältig genug erlernt

Es gibt Leute die nach der Matura viele Jahre studieren müssen, um einen Beruf zu erlernen.

Manche, vielleicht sogar Viele, hätten einige Lehrjahre mehr gebraucht um tatsächlich in der Wirtschaft Einsatzfähig zu sein.

Mit diesen Leuten, mit diesem Personal, machte Goldmann und Sachs seine Geschäfte...er nützte die Nichtvorhandene Intelligenz, dieser "Fachleute" aus, die bestimmt noch mehr als 10 Jahre gebraucht hätten, um in ihrem Beruf "firn" zu sein.

Dass die Gesellschaft für die Unfähigkeit dieses Personals bezahlen sollen, ist einfach unbegreiflich!

Die Löhne und Gehälter sollten nur noch bar ausbezahlt werden!!!

Damit der Kunde, womit die Bank groß geworden ist, und die Banken mit der Zeit völlig durchgedreht haben, größenwahnsinnig geworden sind, wieder zu schätzen gewusst wird.


0 0

Warum gibt es hier keine Reaktionen in der Presse

Oesterreich ist noch immer nicht im Klaren wer die grosse Wirtschaftsflaute heraufbeschwoerte.
Professor Black, einer der renommiertesten Oekonomieprofessoren sagte in seinem Gespraech mit Richard Quest, es handle sich um eine der groessten Wirtschaftskriminalitaet, in der gezielt Kunden beraubt wurden. Er wird auch im U-Ausschuss des U.S. Senats aussagen.
Dazu bemerkt ist, dass die SEC mehrere Firmen im Visier hat, die Derivatsgeschaefte gezielt ausfuehrten, und alle von dem Downfall profitierten, in Milliardenhoehe. Wer heute noch sein Geld in Fonds und Wertpapiere, auch Gold (wenn icht physisch) anlegt, ist kaum zu helfen. Es waren die Bankiers weltweit, die mittels Moody Rating den Anleger zu katastrophalen Anlagen veranlassten. Was ich schon lange behaupte, war, dass Moody genau so unter der Decke steckt, wie die Finanzhaeuser. Nun wird bekannt dass Moody 2009 AAA (Triple AAA) Wertpapiere klassifizierte, ueberbewertet, und welche in 2010 nur mehr junkpapers sind.
Goldmann Sachs ist nur die Spitze des Eisbergs. Unsere Anlage 'Spezialisten' sind dem nicht gewachsen. Sie kassieren Ihre Courtagen und dass ist genug fuer Sie.

LUPO
28.04.2010 11:35
0 0

„komplizierte Transaktion“

Kompliziert wird es nur, wenn man diese Spiele als legal darstellen will, sonst ist es ganz einfach, einfach Betrug.

0 0

"Gottes Werk" und "Blankfeins Beitrag"...

Der Name Blankfein ging vor einigen Monaten durch die Weltpresse mit seinem Sager, wonach er mit sienem Job "nur Gottes Werk" tue. Mit dem Gewinn von Goldmann & Sachs quasi das "Ansehen des Herrn steigere". Tatsächlich lautet jetzt die gegen ihn und seine Vorstandskumpane gerichtete Anklage, er hätte im Grund "nur Scheiße verkauft"! Und genau das trifft die Sache tatsächlich voll auf den Punkt!

Antworten Gast: Grufti
28.04.2010 16:58
0 0

Re:

Nun ja! Was erwarten Sie denn vonn Goldmann&Sachs, Blankfein und wahrscheinlich auch von Levin?

1 0

"Sie verkauften Scheiße"

Was sollen Scheißfiguren denn auch anderes tun?

Antworten Gast: Observer
29.04.2010 08:47
0 0

Re:

recommended reading:F.I.A.S.C.O.by Frank
Partnoy and Im Freien Fall (Freefall) by Joseph Stiglitz and maybe Der Moloch , these books give a very good insight re
financial problems of our times.

0 0

Thx!

I read "Freefall: America, Free Markets, and the Sinking of the World Economy" just a few months ago!

Gast: STFU
28.04.2010 07:32
0 0

herrlich

blöd sind sie nicht!

Respekt!

http://blog.fefe.de/?ts=b529a637

Antworten Gast: TT1
28.04.2010 08:11
0 0

Re: herrlich

Was hat die vollkommene Absenz von Moral und Gewissen mit technischer Intelligenz zu tun?

Mein Geld

  • Kein Plan vom eigenen Geld
    Um das Finanzwissen in Europa ist es schlecht bestellt. 93 Prozent der Österreicher wünschen sich mehr Finanzbildung in der Schule.

Hobbyökonom