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Blackberry ringt um das Vertrauen seiner Kunden

09.11.2011 | 18:19 |  MATTHIAS AUER (Die Presse)

RIM hat den Netzausfall noch nicht verdaut und sucht Wachstum in neuen Märkte. Für den kanadischen Konzern steht viel auf dem Spiel, denn die Zuverlässigkeit seines Netzwerks war stets das beste Verkaufsargument.

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Wien. Drei Tage lang saßen Millionen Blackberry-Nutzer im Oktober „auf dem Trockenen“. Vergebens warteten zigtausende Manager weltweit auf das rote Blinklicht, das ankommende E-Mails ankündigt. Zwei Tage kam auch vom Unternehmenschef kein Wort. Diesen Netzwerkausfall hat der kanadische Blackberry-Hersteller RIM bis heute nicht verdaut. „Wir suchen noch nach der genauen Ursache“, sagt RIM-Westeuropa-Chef Arnaud Bret zur „Presse“. Klar ist, dass ein Netzwerkverteiler ausgefallen ist. Keine Antwort hat das Unternehmen auf die Frage, warum das Back-up-System nicht reagiert hat.

Für den kanadischen Konzern steht viel auf dem Spiel, denn die Zuverlässigkeit seines Netzwerks war stets das beste Argument, einen Blackberry zu kaufen – gerade für Firmen. Nun verlassen die treuesten Kunden das sinkende Schiff, mutmaßen Beobachter seit Wochen. „Die Kunden waren enttäuscht“, räumt Bret ein. Viele würden RIM aber weiter vertrauen – immerhin war es der erste Ausfall in zwölf Jahren. Bis die Untersuchung der Ursache beendet ist, gibt es keine Tabus. Auch ein kompletter Umbau der zentralen Netzwerkstruktur ist auf dem Tisch. „Wir tun alles, damit es nicht mehr passiert“, versichert Bret. „Garantieren kann ich natürlich nichts.“

 

Eigenes Team für Österreich

Für RIM war der Netzausfall nur der letzte Rückschlag in einem Jahr, das mehr schlechte Nachrichten für die Kanadier bereithielt als nötig. Denn obwohl immer noch 70 Millionen Menschen auf Blackberrys schwören, kommt der Erfinder aller Smartphones mit seinen neuen Rivalen Google und Apple nicht zurecht. In immer kürzeren Abständen kommen Geräte auf den Markt, die mit der Software der beiden Giganten laufen. Neue Blackberrys verlassen hingegen nur zögernd die Fertigung.

Das schlägt sich auch in den Zahlen nieder: Im dritten Quartal halbierte RIM seinen Gewinn, erstmals setzte es auch einen Umsatzverlust. In wichtigen Märkten wie den USA verliert der Konzern stark Anteile, die Aktie stürzte seit Jahresbeginn um 68 Prozent ab.

Bret hat lieber andere Zahlen im Fokus: Zwar kann auch er den Einbruch von 24 auf neun Prozent Marktanteil in den USA nicht leugnen. In Ländern wie Spanien, Südafrika, Großbritannien oder Indonesien, Niederlanden sei RIM jedoch immer noch klare Nummer eins. Auch Österreich, wo das Unternehmen nun mit einem eigenen Team vor Ort ist, zählt er zu den „fünf Wachstumsmärkten in Europa“. Derzeit nutzen geschätzte 450.000 Österreicher Blackberrys.

Auch das Tempo, mit dem der Hersteller neue Geräte auf den Markt bringt, kritisiert er nicht und verweist auf neue Modelle, die vor wenigen Wochen eingeführt wurden. Es gelte dasselbe wie für die neue Software, die das Blackberry-Tablet Playbook zum Erfolg verhelfen soll. Angekündigt für diesen Herbst, wurde die Einführung mittlerweile auf Februar verschoben. Derzeit wolle man „mit nichts auf den Markt kommen, das nicht komplett wettbewerbsfähig ist“.

 

RIM wäre zerschlagen mehr wert

Fraglich ist allerdings, ob die Investoren so lange Geduld beweisen. An der Börse wurde RIM Anfang November nämlich erstmals seit Langem wieder unter seinem Buchwert gehandelt. Das Unternehmen ist an der Börse also weniger wert, als wenn es in einzelnen Stücken verkauft würde. Das ist Wasser auf die Mühlen jener Anteilseigner, die seit Wochen auf eine Ablöse der Führung drängen und die Firma am liebsten zerschlagen sehen würden. „Gut, dass wir derzeit nicht vom Kapitalmarkt abhängig sind und ausreichend Cash haben“, heißt es auch aus dem Unternehmen. „Sonst sähe die Zukunft für uns anders aus.“

Zur Person

Arnaud Bret ist der Westeuropa-Chef des Blackberry-Herstellers RIM. Österreich sieht er als einen der fünf Wachstumsmärkte für sein Unternehmen in Europa. Weltweit gerät der Smartphone-Pionier jedoch zunehmend unter Beschuss. An der Börse ist RIM seit Kurzem weniger wert, als wenn die Firma in Stücken verkauft würde. [RIM]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.11.2011)

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