Wien. Warren Buffett hat vor wenigen Monaten mit einem Tabu gebrochen: Er hat angefangen, in Aktien von Technologiefirmen zu investieren. Konkret hat die Investorenlegende seit März IBM-Aktien im Umfang von rund zehn Mrd. Dollar erworben. Seitdem ist der Kurs des Technologiegiganten um elf Prozent gestiegen.
Doch wie interessant sind Aktien von Technologiefirmen wirklich? Und worauf müssen Anleger achten?
„Technologieaktien sind nicht gleich Technologieaktien“, sagt Dimitry Solomakhin von der Fondsgesellschaft Fidelity. Die Unternehmen müssten in verschiedene Kategorien unterteilt werden. Da gibt es zunächst die stark konjunkturabhängigen Konzerne, zu denen Solomakhin den Halbleiterhersteller Infineon zählt. „Die Firma hat ein gutes Geschäft und ist solide aufgestellt. Aber sie ist von der Nachfrage von Industriekonzernen als Kunden abhängig.“ Rutscht die Eurozone in eine Rezession, werde die Aktie darunter leiden. „Wird der Abschwung weniger dramatisch ausfallen, kann das Unternehmen attraktiv für einen Einstieg sein“, sagt Solomakhin. Der Aktienkurs des Unternehmens ist heuer bereits um rund 22 Prozent gefallen, das Papier hat sich zuletzt etwas besser gehalten als der europäische Euro-Stoxx.
Dann gibt es laut Solomakhin Wachstumswerte – wie Google. Der Internetkonzern konnte Umsatz und Gewinn in den ersten neun Monaten des Jahres steigern. Unter dem Begriff „value technology“, können wiederum besonders wertbeständige Unternehmen subsumiert werden. Darunter fallen dann Börsenschwergewichte wie Microsoft.
Freilich sind auch IT-Konzerne nicht vor Konjunkturabschwüngen gefeit. Die Analysten argumentieren jedoch, dass die Unternehmen aus der jüngsten Krise gelernt und hohe Cash-Positionen aufgebaut hätten. Allein Intel sitze auf über 8,5 Mrd. Dollar Kapital, sagt Bernd Kiegler von Raiffeisen Capital Management. Ein Aspekt, der im Zusammenhang mit IT-Konzernen auch häufig genannt wird: Schlechtere Zeiten veranlassen Unternehmen dazu, in den IT-Bereich zu investieren, um die Produktivität zu heben, sagt Bernhard Ruttenstorfer von der Erste Sparinvest. Schwieriger könne es aber für Firmen werden, die stärker abhängig von öffentlichen Aufträgen sind. Ruttenstorfer zählt dazu den US-Netzwerkausrüster Cisco. Doch wie hat sich der Sektor im heurigen Jahr generell entwickelt? Während der Index MSCI World (er spiegelt die globale Entwicklung auf dem Aktienmarkt wider) mit rund 15 Prozent im Minus liegt, beträgt der Rückgang des weltweiten Technologiesektors „lediglich“ neun Prozent.
Bessere Entwicklung in den USA
Die US-Technologiepapiere haben sich mit minus fünf Prozent etwas besser geschlagen. Nimmt man die Entwicklung seit dem Jahr 2007 unter die Lupe, hat einzig der US-Technologiesektor gewonnen – und zwar im Ausmaß von zehn Prozent.
„In einem mehrjährigen Vergleich sieht man, dass sich der Technologiesektor nicht schlechter als der Gesamtmarkt entwickelt hat“, sagt Kiegler. Die Technologieindustrie ist besonders in den USA stark ausgeprägt, Europa oder Japan spielen eine kleinere Rolle.
Unter den Techwerten gefällt Fondsmanager Kiegler vor allem Intel gut. Wer dort Mitte August eingestiegen ist, kann sich trotz der jüngsten Kursrückgänge über ein Plus von 18 Prozent freuen. Seit Jahresbeginn hat das Papier knapp neun Prozent gewonnen.
Das Unternehmen dürfte künftig stark vom Thema Cloud-Computing profitieren. Je mehr Daten ausgelagert werden, desto mehr Serverkapazitäten werden benötigt. Auch Oracle zählt Kiegler zu jenen „Flaggschiffen“, dessen Produkte überall zur Anwendung kommen. Generell sei es jetzt aber noch zu früh, um konjunktursensitive Unternehmen zu kaufen, sagt Kiegler. Lieber sollte man auf Technologieführer mit Weltmarktstellung setzen. [iStockphoto]
("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.11.2011)


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