Inflation: „Preisanstieg ist beängstigend“

Sollten auf hohe Inflation auch in Zukunft automatisch höhere Löhne folgen, würde dies Arbeitsplätze kosten, warnt das IV-nahe Wirtschaftsforschungsinstitut Eco Austria.

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(c) APA/BARBARA GINDL (BARBARA GINDL)

Wien/Hie. Obwohl die europäische Konjunktur im Keller ist, klettern die Preise munter weiter nach oben: Die Wirtschaftsleistung ist seit Jahresende sowohl in der Eurozone als auch in Österreich rückläufig. Dennoch stieg die Teuerung in der Eurozone im Februar auf 2,7 Prozent. In Österreich legten die Verbraucherpreise zuletzt stärker zu als im Durchschnitt des Euroraumes: Im Vorjahr war die heimische Teuerung im Schnitt um 0,8 Prozent höher als jene der Eurozone. Das Jahr 2011 brachte Österreich gar die höchsten Preissteigerungen seit 18 Jahren. Und trotzdem ist die Inflation dieser Tage kein besonders großes Thema in der wirtschaftspolitischen Debatte.

Nun schlagen Experten des Wirtschaftsforschungsinstituts Eco Austria Alarm: „Vor dem Hintergrund, dass wir uns in einer Rezession befinden, ist der Preisanstieg beängstigend hoch“, sagte Ulrich Schuh, Chef des von der Industriellenvereinigung gegründeten Instituts, am Donnerstag. Die Teuerung habe die Kaufkraft eines durchschnittlichen österreichischen Haushaltes im Vorjahr um 1200 Euro geschmälert. Bereits im vergangenen Jahr hätten die Preise die Weltkonjunktur abgewürgt. Wenn sich die Wirtschaft erholt, sei davon auszugehen, dass die Teuerung weiter anziehe.

Ursache seien die stark steigenden Preise für Energie und Rohstoffe. Dass diese in absehbarer Zeit sinken werden, hält Schuh für unrealistisch: „Man muss sich damit anfreunden, dass sich diese Tendenz fortsetzt. Der Ölpreis wird sich nicht stabilisieren.“

 

Zurückhaltung in Lohnrunden

Also müsse man anders gegensteuern – auch auf nationaler Ebene. Der Wirtschaftsforscher fordert deshalb ein Umdenken in der österreichischen Lohnpolitik: Die durch Energie, Öl und andere Rohstoffe importierte hohe Inflation dürfe den Arbeitnehmern nicht mehr automatisch abgegolten werden. In den jährlichen Lohnverhandlungen orientiert man sich in der Regel an der sogenannten Benya-Formel: Dabei werden die Teuerung des Vorjahres plus die Zuwächse in der Produktivität als Grundlage für die Lohnsteigerungen herangezogen. Von diesem Modell müsse man Abstand nehmen. Künftig solle stattdessen die Kerninflation (ohne Energie und Nahrungsmittel) die Basis für die Verhandlungen bilden – die Preistreiber sollten also herausgerechnet werden. Nur so könnten eine Preisspirale verhindert und die österreichische Wettbewerbsfähigkeit erhalten bleiben. Für die Arbeitnehmer bedeutet das niedrigere Lohnsteigerungen. Die Beschäftigung würde insgesamt aber profitieren, so Schuh.

 

Kritik an EZB-Politik

Damit vertritt Schuh das Argument, das auch die Arbeitgeber in den jährlichen Lohnrunden auf den Tisch legen: Dass zu hohe Lohnabschlüsse schlecht für die Volkswirtschaft seien, weil sie durch höhere Kosten der Wettbewerbsfähigkeit schadeten. Die Gewerkschafter halten dem in der Regel entgegen, dass zu niedrige Lohnsteigerungen das größere Übel seien – weil sie die Kaufkraft schwächten. Das sieht der Wirtschaftsforscher anders: „Es bringt nichts, wenn die Beschäftigten mehr haben und dafür die Arbeitslosigkeit steigt. Wir haben es in der Hand, durch vernünftige Lohnpolitik unbeschadet da herauszukommen.“

Eco Austria appelliert aber nicht nur an die Gewerkschaften, sondern auch an die Politiker. Die öffentliche Hand müsse sich bei der Erhöhung von Gebühren zurückhalten, um die Preise nicht weiter zu treiben, so die Experten. So fallen ab heuer etwa für Parken, Wasser, Müllentsorgung und Fahrscheine höhere Gebühren an. Dieser Entwicklung müsse umgehend Einhalt geboten werden, betonte Schuh.

Kritik übten die Experten auch an der Europäischen Zentralbank (EZB), die seit geraumer Zeit Staatsanleihen maroder Länder aufkauft und so den Markt mit Geld überschwemmt. Der niedrige Leitzins, an dem die Zentralbank in den letzten Jahren festhielt, heizt die Inflation zudem zusätzlich an. „Gewisse Maßnahmen der EZB geben großen Anlass zur Besorgnis“, so Schuh. Zwar sei es verständlich, dass die EZB vorübergehend eine höhere Teuerung akzeptiert, um die Wirtschaft anzukurbeln. „Aber Anleihen von Staaten zu kaufen, die de facto pleite sind, ist kein Kavaliersdelikt.“

Eco Austria rechnet damit, dass die Teuerung in Österreich heuer mehr als 2,5 Prozent betragen wird.

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Grafik: Die Presse. Quelle: Eco Austria, Eurostat

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.03.2012)

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