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Alpbach: Politik und Jugend – ein Minenfeld

22.08.2012 | 18:36 |  von Matthias Auer, Bernadette Bayrhammer, Jeannine Hierländer und Martin Kugler (Die Presse)

Kritik und Proteste bei einer Debatte über das Generalthema des Forums "Erwartungen – die Zukunft der Jugend": Die Politik gelobt, die Interessen der Jugendlichen stärker berücksichtigen zu wollen.

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Alpbach. „Wenn ich in meinem Alter als Zukunftshoffnung der Partei gehandelt werde, dann läuft etwas falsch.“ SPÖ-Sozialminister Rudolf Hundstorfer, 60 Jahre alt, brachte auf den Punkt, was sich offensichtlich einige der Teilnehmer des diesjährigen Forum Alpbach dachten. Dass vier zumindest nicht mehr ganz jugendliche Herren auf dem Podium über die Zukunft der Jugend diskutierten – das war einigen dann doch zu viel.

„Es ist zynisch, dass die Jungen nur im Saal sitzen und Fragen stellen dürfen“, monierte etwa die Jugendaktivistin Katharina Serles von der „Initiativgruppe Alpbach Wien“. Ihr Protest trug Früchte: Immerhin überließ ihr Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl seinen Platz auf dem Podium. Neben Hundstorfer und Leitl diskutierten Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner und Landwirtschaftsminister Nikolaus Berlakovich (beide ÖVP). Das Thema: „Erwartungen – die Zukunft der Jugend“.

Durchgezogen hat sich bei den Debatten, dass es die Jugend heute nicht leicht hat. In Österreich finde man derzeit eine Jugend vor, die sich verbissen an die eigenen Träume klammere, aber die gesellschaftlichen Bedingungen durchgehend negativ einschätze, lautet der Befund von Bernhard Heinzlmaier, Vorsitzender des Wiener Instituts für Jugendkulturforschung. Bei allem stehe der eigene Nutzen im Vordergrund, argumentierte er bei der Eröffnung des Alpbacher Fachhochschulforums. Es gebe kein Denken im gesellschaftlichen Kontext, denn alle Kraftreserven würden vom Kampf um den eigenen Vorteil aufgebraucht. „Man vernetzt sich mit jenen, die dem Erreichen der persönlichen Ziele dienlich sind.“

Verantwortlich dafür sei eine durchgehende Ökonomisierung aller Bereiche – auch des Bildungssystems. Alles werde einem Nützlichkeitsdenken untergeordnet, daher seien Deutungswissen, reflektierendes Wissen und politische Urteilsfähigkeit unterrepräsentiert. Heinzlmaier erhebt daher die Forderung, dass öffentliche Förderungen für Unis oder Fachhochschulen von der Erfüllung des Bildungs- und Erziehungsauftrags abhängig gemacht werden sollten. Mit Bezug auf die Ökonomisierung kritisierte ÖH-Generalsekretär Peter Grabuschnig bei der Podiumsdiskussion des Fachhochschulforums das Verständnis des Studierenden als Kunden, das an den Fachhochschulen vorherrsche. „Das ist wie im Kino, wo ich mir ein Ticket kaufe.“

Heinzlmaier sieht auch noch einen anderen problematischen Aspekt: das heutige „Diktat der Selbstverwirklichung“. Er diagnostiziert bei vielen jungen Menschen ein „erschöpftes Selbst“, das daran verzweifle, aus eigener Freiheit alles selbst gestalten zu müssen.

 

„Kulturkrach“ am Arbeitsmarkt

Die Gestaltungsfreiheit sieht die Kommunikationsberaterin Elisabeth Pechmann von Ogilvy hingegen auch als Bereicherung an – wenn auch als Herausforderung für die Arbeitgeber. Momentan sorge die sogenannte „Generation Y“ – gemeint sind die Jahrgänge ab 1981 – für einen „Kulturkrach“ am Arbeitsmarkt.

Diese jungen Leute seien gut ausgebildet und vernetzt, sie wüssten, was sie wollen, seien aber gleichzeitig nicht länger bereit, althergebrachte (Unternehmens-)Hierarchien zu akzeptieren. Im Jahr 2020 werde jeder zweite Erwerbstätige ein „Ypsilon“ sein, so Pechmann. Umso wichtiger sei die Vermittlung zwischen den Generationen.

Die Politik hat in Alpbach immerhin gelobt, die Interessen der Jugendlichen stärker berücksichtigen zu wollen. Laut Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) wird ab September gemeinsam mit Jugendorganisationen eine Jugendstrategie ausgearbeitet, 2013 sollen erste Ergebnisse vorliegen. In drei Wochen soll der Gesetzesentwurf zum „Jugendcheck“ in Begutachtung geschickt werden. Dieser sieht vor, dass bei allen Gesetzen die Auswirkungen für die Jugendlichen berücksichtigt werden müssen. Besonders spannend könnte das wohl bei der Frage nach der Erhaltung der sozialen Systeme werden, so Mitterlehner. Er will zudem ein Zertifikat für ehrenamtliche Arbeit einführen, durch das Jugendliche „informell erworbene Qualifikationen“ auch bei der Arbeitssuche dokumentieren können.

Laut der am Dienstagabend präsentierten Jugend-Monitor-Befragung sind 80 Prozent der Jugendlichen weiterhin für die Zukunft optimistisch. „Ich kann das Klischee von der No-future-Generation nicht nachvollziehen“, kommentierte Meinungsforscher Peter Filzmaier.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.08.2012)

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15 Kommentare

die Zukunft der Jungen

sieht so aus, das jeder der das Licht dieser Welt erblickt bereits ein Sklave des Finanzkapitalsystems ist.

Amen.

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Die Jugend ist arm dran, ich beneide sie nicht!

Die werden all die politischen "Verbrechen" der Vergangenheit ausbaden müssen.

Nachdem es seit dem WK II nur aufwärts ging, werden Sie erstmals den Wohlstandsabbau miterleben.

Wer jung ist und gut ausgebildet, sollte sich in einem aufstrebenden Land um einen Job umsehen und vielleicht in 20 oder 30 Jahren wieder nach AT schauen. Ähnlich wie es der Franz Strohsack machte.


.

Ein Umlagensystem ist wie ein Pyramidenspiel. Ein Unsinn vom Anfang an.

Zum Anderen kommen noch zu viele ungerechtfertigte Zehrer hinzu.

* Mehrfachpensionsbezieher (damit meine ich nicht die, die sich eine Privatrente nebenbei eingezahlt haben)

* Frührentner, die noch arbeiten gehen könnten

* EU-Pensionsbezieher, die die Differenz zur EU-Rente hier kassieren-danke EU!

* Beamte, die mit fast vollen Bezügen in Rente gehen. Sie argumentieren ja immer damit, daß sie zu Lebzeiten zu wenig verdienen-damit bezahlen sie aber auch weniger ein-also wie soll das am Ende gehen?

Die Frage an die Verfechter des BGE-wie soll das funktionieren, wenn schon das Pensionssystem nicht funktioniert?

Antworten Gast: LJR
23.08.2012 10:00
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Re: .

Blödsinn, das Umlagesystem an und für sich ist die einzige sinnvolle Lösung. Alle anderen Modelle (dritte Säule) sind Abzocke (da schneiden nur die Banken mit) und Pyramidenspiel (siehe die Entwicklung von Pensionsfonds in den letzten 5 Jahren).
Das die Ungerechtigkeiten und Besserstellungen innerhalb des Umlagesystems beseitigt gehören und Nachhaltigkeitsdefizite (Demographischer Faktor "Kinderlosigkeit", Staatsverschuldung) einbezogen werden müssten ist allerdings klar.

Gast: Niedersachse
23.08.2012 08:18
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Erinnerungen an die Borg

Die Jugend ist vor allem gut vernetzt?


Gast: Markus Trullus
23.08.2012 08:02
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Suchen wir mal den Grund unserer Unfähigkeit!

"Diese jungen Leute seien gut ausgebildet und vernetzt, sie wüssten, was sie wollen, seien aber gleichzeitig nicht länger bereit, althergebrachte (Unternehmens-)Hierarchien zu akzeptieren.
Einverstanden!!!: dann: Selbstdisziplin, Fleiß und Ausdauer- und ein Entrepreneuer werden. Wenn so viele guten Ideen da sind... los, macht euere eigenen Unternehmen.. wie es die Finnen, die Dänen, die USA vormachen. Das geht nicht? Fragen sie mal bei Laura, die in jedem Selbstständigen den Leibhaftigen sehen.... Die SPÖ verhindert das mit allen Mitteln, weil jeder, der Ideen als Selbstständiger umsetzen will, hierzulande ein "böser Kapitalist ist". Das ist der Grund unseres Niedergangs!!!!

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...In Österreich finde man derzeit eine Jugend vor, die sich verbissen an die eigenen Träume klammere

Wen wundert es?! Viel hat man Ihnen an Zukunft ja nicht gelassen!
Wenn nach dem ESM und der bisherigen Familienpolitik jeder zukünftige Jugendliche, und es werden mehrere Generationen Jugendliche in diesem überalterten System alleine gelassen werden, nicht nur die von der SPÖ-ÖVP hinterlassenen Staatsschulden, Staatshilfen, Pensionsmassen und Sozialfälle abarbeiten müssen und das auch noch wissen, weil sie nicht mehr ganz so blöd zu halten sind wie wir damals mit einem politischem Staatssender und Rot-Schwarzen Schulen gehalten wurden, verstehe ich die die Tendenz zur Rettung der eigenen Haut! Wenn man selber dem ertrinken nahe ist, kann man auch keinen retten. Und sie trauen sich das auch zu äussern! Die erwartete Bringschuld der Jugend für die Verfehlungen der Vergangenheit steht in keiner Relation.

Kündigung des Generationenvertrags!

Zuallererst müssen die heute 15-30jähreigen den Generationenvertrag zur Altersversorgung mit den jetzt 40-55jährigen kündigen. Und ihnen klarmachen:
Freunde und Freundinnen, es ist an der Zeit, "dass jede Generation ihre Bedürfnise befriedigt, ohne die Chance zukünftiger Generationen einzuschränken" - Einfach sich dem Nachhaltigkeitsideen zu verpflichten.

Antworten Gast: Markus Trullus
23.08.2012 07:56
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Re: Kündigung des Generationenvertrags!

Nachsatz
Einer dieser Rentner meinte, er brauche keine Rente, wenn er das Geld, das er im Laufe seines Lebens an die Pensionsversicherung eingezahlt hätte, zurückbekomme. Dann mache er sich eigenverantwortlich seine eigene Rente... das ist doch Schwachsinn die Kündigung des Generationenvertrags!

Antworten Gast: Markus Trullus
23.08.2012 07:53
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Re: Kündigung des Generationenvertrags!

OK, erklären sie das dann mal einen Rentner, der durch das Umlagesystem seine ganze Arbeitszeit wie ein blöder in das System geblecht hat, um damals die Rentner zu erhalten. Jetzt soll plötzlich , wo er in den "Genuss" nicht reichender Minderrenten kommt, das System aufkündigen? So einfach geht das denn wohl nicht! So kann man den Generationenvertrag nicht kündigen!

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Re: Re: Kündigung des Generationenvertrags!

Umlagensystem?
Das ist leider ein typisches Pyramidensystem, eben gut getarnt. Aber jedes dieser Systeme geht einmal zu Ende. Diejenigen die am Schluss eingezahlt haben, schauen dabei durch die Finger. Das wird dieses Mal nicht anders sein.

Sie werden ihre nominell versprochene Pesnion bekommen, nur sie werden damit nichts mehr kaufen können.

Re: Re: Kündigung des Generationenvertrags!

habe ja auch geschrieben: Es wird den 40-55jährigen der Generationenvertrag gekündigt. Die haben dann noch 15-30 Jahre Zeit sich eine eigene Vorsorge aufzubauen. Sie müssen aber auch nichts mehr in das staatliche Rentensystem einzahlen.

Gast: Gast2
22.08.2012 22:44
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Generation Y

Der Absatz über die "Generation Y" ist hier in der Presse nur minimal verfasst. Im ORF oder im rosaroten Konkurrenzblatt ist die Darstellung viel ausführlicher: Dort werden die neuen Werte besprochen und begründet. Ein eigener Artikel widmet sich dort dem Thema.

Ich möchte daher ganz besonders älteren Personen ans Herz legen, sich mit dieser Thematik auseinanderzusetzen, da ansonsten die "Kulturunterschiede" nicht verstanden werden können.

Wichtig ist jüngeren Mitarbeitern vor allem ein offenes Kommunikations- und Diskussionsklima, eine Einbindung. Schweigend am Rand zuzusehen interessiert nicht.

Ein hartes Mitdiskutieren ist bei Generation Y selbstverständlich, wird aber von älteren Vorgesetzen meist als "Einmischen", "Aufmucken" oder "Zurückreden" komplett missverstanden.
Der psychologische Hintergrund: "Formale Hierarchien" zählen wenig. Entweder der Vorgesetzte kann seine Meinungen begründen, erläutern und vermitteln, oder er verliert in den Augen von "Y" seine Autorität komplett. Formaler Status hin oder her - er zählt einfach nichts.

Mit ihrer eigenen direkten Offenheit sind "Y"s selber auch kritikfähig.

Diskussionen werden "hart" und effizient geführt. Nicht "weich" (wie viele Endlosdiskussionen in den 1970ern).

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„Man vernetzt sich mit jenen, die dem Erreichen der persönlichen Ziele dienlich sind.“ eh richtig so oder würden sie ihre zeit verlieren mit menschen die nur luft im schädel haben und absolut keine ahnung von irgendetwas haben geschweige denn etwas erreicht haben?!


Antworten Gast: Gast2
22.08.2012 22:34
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Re: „Man vernetzt sich mit jenen, die dem Erreichen der persönlichen Ziele dienlich sind.“ eh richtig so oder würden sie ihre zeit verlieren mit menschen die nur luft im schädel haben und absolut keine ahnung von irgendetwas haben geschweige denn etwas erreicht haben?!

Wenn Sie Ihre soziale Verantwortung wahrnehmen wollen, dann sollten Sie sich auch mit "schwächeren" Mitgliedern der Gesellschaft auseinandersetzen. Und diesen Zeit widmen.