Alpbach/ku. Es gibt nicht „das eine" Afrika. „In dem Bild, das in Europa und Amerika von Afrika gezeichnet wird, finde ich mich selbst nicht wieder", sagte Auma Obama, die Schwester des US-Präsidenten Barack Obama, bei ihrem Besuch in Alpbach. Die 54 Länder Afrikas seien sehr verschieden, es gebe sehr viele Gesichter Afrikas. „In Togo bin ich noch fremder als in Europa", betonte sie bei einer Veranstaltung des Management Clubs am Mittwoch.
Auma Obama ist in Kenia geboren und aufgewachsen und ging dann zum Studium nach Deutschland - sie spricht exzellent Deutsch und Englisch, schreibt Bücher und setzt sich weltweit dafür ein, dass zwischen den reichen Industriestaaten und den afrikanischen Ländern eine echte Partnerschaft entsteht.
Es sei ehrenwert, dass Europa die Wunden aus der Kolonialzeit wiedergutmachen wolle - doch bei jeder „Entwicklungshilfe" oder bei Investitionen in afrikanischen Staaten müsse man ehrlich sein: „Wer mit Geld kommt, der will etwas dafür. Die Menschen kommen letztlich nach Afrika, um Geschäft zu machen." Beide Seiten müssten sich das bewusst machen - und beide Seiten müssten sich darüber klar werden, welchen Wert ein Engagement habe. Europäer, die helfen wollen, müssten sich auf jeden Fall viel genauer über ein Land und seine Probleme informieren. „Oft heißt es: Ihr habt das und das Problem - und wir haben die Lösung. Zurück bleiben dann verrostete Brunnen ohne Menschen", so Obama.
Europäischer Perfektionszwang
Warum ist China in letzter Zeit in manchen afrikanischen Ländern so erfolgreich tätig - jedenfalls erfolgreicher als Europa? „Die Chinesen sind auf uns eingegangen." Es gebe in Europa und Amerika eine gewisse Faulheit, sich mit dem Kontinent Afrika in seiner Vielfalt zu beschäftigen. „Es ist einfacher, alles in einen Topf zu werfen", sagt Obama. Außerdem sei der Perfektionszwang kontraproduktiv: Bei einer Straße in Kenia etwa diskutiere man schon sein 20 Jahren mit Europa - und ständig gebe es neue Ideen, Genehmigungen, Änderungen et cetera. China habe hingegen innerhalb weniger Jahre eine Straße gebaut. „Besser eine schlechte Straße als keine Straße", so Obamas Kommentar.
Aber auch die afrikanischen Länder wüssten oft nicht, was sie wollen und welchen Wert ausländisches Engagement habe - sei es wegen Korruption oder einfach wegen Faulheit. „Wir Afrikaner müssen viel bewusster und aktiver sein", ist sie überzeugt. Obama will ihren Beitrag dazu leisten, indem sie jungen Menschen klarmachen will, welche Ressourcen sie haben. „Viele leben in ärmsten Verhältnissen in Städten, obwohl sie daheim am Land Grund besitzen." Die Leute sollten bemerken, dass das Land die Grundlage zum Leben sein könne. „Man sagt: Wer auf dem Land bleibt, der hat es zu nichts gebracht, der hat versagt." Das will sie ändern.
An der verbreiteten Armut im Land sei die Regierung mitverantwortlich. „Die Regierung erlaubt die Ungleichheit." In Nairobi zu leben sei genauso teuer wie in Europa, die Löhne seien aber viel niedriger, es gebe keine Wohlfahrtsprogramme. Eine Folge davon sei auch starker „Brain-Drain", die Abwanderung von gut ausgebildeten Menschen. „Die meisten, die nach dem Studium im Ausland zurückkommen, finden keinen Job und flüchten ein zweites Mal. Der Brain-Drain passiert zweimal."
Kein Kommentar zum Bruder
Über ihren Bruder wollte Auma Obama in Alpbach nicht sprechen. Nur so viel: Zum einen habe Barack die USA und das Bild Amerikas in der Welt verändert. Und zum anderen will sie sich diesmal - anders als im letzten Wahlkampf - nicht persönlich engagieren. Barack Obama ist Sohn der zweiten Frau seines Vaters, als dieser in den USA studierte. Der Vater ging dann zurück nach Kenia, Barack blieb bei seiner Mutter in Illinois.
