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Diplomatie: Das türkische Dilemma

31.08.2010 | 18:42 |  CHRISTIAN ULTSCH (Die Presse)

Mit ihrer Öffnung zum Iran schuf die türkische Außenpolitik einen Konflikt mit den USA. Möglicherweise platzt der Kauf amerikanischer Drohnen, die das türkische Militär gegen Kurden-Rebellen einsetzen will.

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Alpbach. Die Türkei könnte es noch bitter bereuen, dass sie im UN-Sicherheitsrat gegen die Iran-Sanktionen und damit auch gegen die USA stimmte. Möglicherweise platzt der Kauf amerikanischer Drohnen, die das türkische Militär gegen Kurden-Rebellen einsetzen will.

Im US-Senat formiere sich eine Mehrheit dagegen, analysierte Albert Rohan, ehemals Generalsekretär des Außenamts, bei einer Diskussion in Alpbach. US-Außenministerin Hillary Clinton erachte die derzeitigen Beziehungen für derart schlecht, dass sie hochrangige türkische Diplomaten zu einer Klausur in Washington eingeladen habe, berichtete Rohan. Die Türkei und Brasilien waren deswegen nicht mit den Strafmaßnahmen gegen den Iran einverstanden, weil sie zuvor mit der Teheraner Führung einen Kompromissvorschlag zum Atomstreit ausgehandelt hatten.

Zur Entfremdung von den USA dürfte auch die neue türkisch-israelische Eiszeit beitragen. Ahmet Nuri Yurdusev, Professor für internationale Beziehungen in Ankara, bestätigte, dass es der Türkei im Moment schwer falle, ihr Verhältnis zu den verschiedenen Akteuren auszubalancieren: zu Armenien und Aserbaidschan, zu Israel und der Hamas, zum Iran und den USA.

Die türkische Außenpolitik ist im Umbruch. Es ist noch nicht so lange her, da lag die Türkei mit nahezu allen ihren Nachbarn im Clinch. Ende der 90er-Jahre überlegten Militärs, ob die Armee in der Lage wäre, zwei Kriege gleichzeitig zu führen: gegen Griechenland und Syrien. Doch dann forcierten Regierungschef Recep Tayyip Erdoğan und sein außenpolitischer Mentor Ahmet Davutoğlu ein neues Konzept, das schon die Vorgängerregierung eingeschlagen hatte: null Konflikte mit den Nachbarn. Auf einmal normalisierten sich die Beziehungen zu Syrern, Griechen und Iranern. Sogar einen Aussöhnungsversuch mit Armenien gab es.

 

Der Westen verliert die Türkei

Doch bei der Umsetzung des innovativen Konzepts hätten sich neue Konflikte ergeben, erklärte Shlomo Avineri, Professor an der Hebrew University in Jerusalem: und zwar die Verschlechterung der Beziehungen zu den USA und der Bruch mit Israel. Der dürfte seit dem Sturm auf das türkische Gaza-Aktivistenschiff „Mavi Marmara“ nicht mehr so leicht zu kitten sein. Als Vermittler zwischen Syrien und Israel habe sich die Türkei praktisch aus dem Spiel genommen, sagte Avineri. Und mit ihrer Annäherung an Iran und Hamas habe sich die Türkei auch von den sogenannten moderaten arabischen Regierungen entfernt.

Für Professor Yurdusev kein neues Phänomen: Ägyptens und Saudiarabiens Führung hätten Erdoğans AKP ohnehin nie sonderlich geliebt, weil sie zeige, dass Demokratie und Islam vereinbar seien. Der Westen verliert die Türkei, bemerkte Aydin Findikçi, Soziologieprofessor in München. Er empfahl der EU, die Beitrittsverhandlungen auszusetzen.

Findikçi hat ein grundsätzliches Problem mit Erdoğan. Denn für den türkischen Premier sei Demokratie nur eine Straßenbahn, aus der er wieder aussteigen werde, wenn er die Armee zurückgedrängt habe und die türkische Gesellschaft ungestört islamisieren könne. Gerald Knaus, Chef des Think Tanks ESI, widersprach leidenschaftlich. Unter Erdoğan sei die Türkei ziviler geworden. Das Land habe den Schritt vom Sicherheitsstaat zum Handelsstaat vollzogen.

 

Islamische Calvinisten

Die neue Nachbarschaftspolitik entspreche dem Ethos der „islamischen Calvinisten“ aus Mittelanatolien, die der jetzige Präsident Abdullah Gül verkörpere. Das Wichtigste für diese aufstrebende Klasse von Kaufleuten sei es, Handel mit den Nachbarn treiben zu können, auch mit ehemaligen Erzfeinden. An ein Ende der Beitrittsverhandlungen glaubt Knaus nicht. Für eine Suspendierung gebe es keine Mehrheit in der EU. Und Erdoğan werde schon allein darum am Tisch sitzen bleiben – schon allein deshalb, weil er glaube, dass viele Europäer ihn dort nicht sehen wollen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.09.2010)

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10 Kommentare
Gast: gast111
03.09.2010 21:49
0 1

"Strategiepartner" Türkei

wir brauchen eh keine türkei in der eu bzw der westen braucht keine türkei die sooo stolz auf ihr land sind haha...türkei und wichtiger verhandlungspartner zwischen dem westen und asien?meiner meinung nach braucht man nicht mehr mit der arabischen welt kommunizieren!wozu auch? truppen raus aus afghanistan und den geldhahn für afghanistan zudrehen! grenzen der EU 100% dicht machen und keine immigranten mehr reinlassen die unruhe stiften können und die europäische gesellschaft beim friedlichen miteinander stören!wir haben uns den demokratischen frieden wohlverdient und brauchen keine nicht integrierbaren moslems die meinen sich hier auf spielen müssen und dann nur in einem gut sind: den von unseren vorfahren hart erarbeiteten europäischen wohlstand auszunutzen! das eingesparte geld durch das beenden des afghanistan-krieges stecken wir in unsere verteidigungsanlagen und sind somit sicher vor irgendwelchen iranischen/islamistischen bedrohungen!! und dann kann es uns auch egal sein ob irgend ein taliban-regime an der macht ist und ob die sich da unten die köpfe einschlagen!!

Antworten Gast: Ghostwriter1114
06.09.2010 01:09
0 0

Re:

@
Nachdem sie uns aus der Weltgemeinschaft ausgeschlossen haben, müssen wir natürlich noch unser Öl verkaufen, sonst bombt ihr ja wieder bei uns da unten herum, oder wollen sie die Ölquellen samt der Angriffskrieg Armeen mitnehmen?Sie sind einer der dümmlichen Ergebnisse, der Jahrelangen Hetze gegen die Islamische Welt, an sich haben sie einen guten Denkansatz, nur hätte der Jahrhunderte vorher stattfinden sollen, nur dann hätten sie ja nicht unser Wissenaneignen können..um damit später Atombomgben und andere Mordwaffen zu bauen, mit denen sie weiterhin unsere Länder nach lust und laune Bombardieren oder eine Diktatur mit der anderen auszutauschen ...bspw zu installieren.

Gast: king Zaza
01.09.2010 19:40
0 1

Der Waffenkauf zeigt den Willen zum Frieden also =0

stärkste Armee?? 1.000.000 "Superhelden" mit einer der neusten Ausrüstung und dennoch kann sie keinen Krieg gegen die "UReinwohner" Kurdistans" bezwingen, trotz modernster Waffen, wie Heron und anderen Terroreinheiten wie JITEM, HIZBULLAH usw. Ist das nicht peinlich? Die Guerilla der Kurdischen Freiheitsbewegung Nordkurdistans mache gerade mal ein stärke von 4 bis 5.000 Leuten und sie kämpfen immer noch mit ihren AK47 und panzerfäusten aus den 80ern!
Statt soviel Geld in den Krieg zu stecken ws ja bekanntlich euer Hobby ist denn nur so befriedigt ihr auch euer nicht vorhandes Ehrgefühl, könntet ihr ja in den Frieden investieren, aber nein "Eier muss man haben" und die habt ihr nicht!

Gast: Türkoglu
01.09.2010 14:47
1 1

was baut ihr den schon ?

ihr seit doch nur Vasallen der DEUTSCHEN

Kommen die jetzt nicht in die EU? Echt schade.....


Gast: Türkoglu
01.09.2010 09:07
1 0

Das ich nicht lache...

... wir bauen die Drohnen selber.

Antworten Gast: Cheftrainer
01.09.2010 10:15
0 1

Re: Das ich nicht lache...

Na klar, die Türken bauen sich die BMW ja auch selber. Darum hat ja jeder Türke einen.

Antworten Gast: gast
01.09.2010 09:43
0 2

Re: Das ich nicht lache...

würde ich nicht tun .. das leben der türkischen soldaten ist ohnehin schon schwer genug .. und dann noch drohnen die ihnen selber auf den kopf fallen :-)

Antworten Antworten Gast: gastturk
01.09.2010 14:31
2 0

Re: Re: Das ich nicht lache...

Erbärmlich das du dich über die Türkische Armee hier lustig machst. Die Türkische Armee gehört zu den Stärksten Armeen. Ob du es glaubst oder nicht. Und ja wir können uns selber welche bauen, wir brauchen niemanden schon garnicht die Pleiteunion EU.


Antworten Antworten Antworten Gast: ichbins
02.09.2010 15:27
0 1

Na, wenn du das sagst...


... türkische Nationalisten habe ein unglaubliches Gespür um sich jedesmal aufs neue lächerlich zu machen machen.