Wien/B.l. Wohlhabende Österreicher haben gegenüber 2010 vor allem in einem Punkt ihre Anlagestrategie umgestellt: Sie verdoppelten ihre Cash-Positionen von 22 auf 44 Prozent. Das geht aus dem „Private Banking Report 2012“ der LGT Bank hervor. Dafür hat der Finanzwirtschaftsexperte Teodoro Cocca von der Johannes-Kepler-Universität Linz 103 Österreicher mit einem frei verfügbaren Anlagevermögen (ohne Immobilien) von mindestens 500.000 Euro und 155 Schweizer mit einem Geldvermögen von 900.000 Franken befragen lassen.
Das Ergebnis zeige, dass die Anleger vor allem über den Cash-Anteil und nicht über die Vermögenszusammensetzung streuten, stellt LGT-Österreich-Chef Meinhard Platzer fest. Dafür seien sie bereit, negative Realzinsen in Kauf zu nehmen. Während ein Drittel der Schweizer seit 2010 das Engagement im Euro reduziert hat, taten das nur neun Prozent der Österreicher. Beide Gruppen streuen ihr Vermögen relativ breit über verschiedene Anlageklassen (Aktien, Anleihen, Fonds, Rohstoffe, Derivate etc.) und Regionen. Doch drei Viertel der Österreicher und ein Viertel der Schweizer weisen einen „geringen Diversifikationsgrad“ bei den Währungen auf.
Österreicher mit Inflationssorgen
Auch bei den Anlagezielen unterscheiden sich Schweizer und Österreicher: Der Wunsch, mit dem Vermögen einen „inflationsbereinigten Wertzuwachs“ zu erzielen, ist bei Österreichern mit 46 Prozent stärker ausgeprägt als bei Schweizern (27 Prozent). Die Bewohner der Schweiz, die sich derzeit mit geringen Inflationsraten herumschlagen müssen, haben öfter den Markt als Vergleichsmaßstab im Auge: Jeder vierte Schweizer, aber nur jeder elfte Österreicher will in erster Linie die durchschnittliche Entwicklung des Marktes erreichen. Und 16 Prozent der Schweizer, aber nur sieben Prozent der Österreicher, wollen den Markt schlagen.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.06.2012)

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