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Kapitalmarkt: Kaum noch Börsengänge im Juni

27.06.2012 | 18:25 |   (Die Presse)

Nach zwei starken Monaten wagten sich im laufenden Monat weder in Europa noch in den USA viele Firmen an die Börse. Die Schuldenkrise schreckt sie ab.

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Wien/Weber. Im April und im Mai dieses Jahres konnten sich die Börsen dieser Welt noch über regen Zulauf freuen. Die Beratungsgesellschaft Ernst & Young zählte in diesen beiden Monaten weltweit 173Börsengänge. Mit ihnen wurden insgesamt 36Mrd. Dollar erlöst.

Ganz anders sah es im laufenden Monat aus. Im Juni gab es nur noch 33Börsengänge, die zusammen sechs Mrd. Dollar brachten. Besonders krass fiel der Einbruch in Europa aus: Hier gab es erstmals seit 20Jahren in einem Monat keinen einzigen Börsengang (IPO) mit einem Volumen von über 100Mio. Dollar. In den USA wagte im Juni kein einziges Unternehmen den Gang an die Börse. Grund für die Zurückhaltung ist die Schuldenkrise, die sich in den vergangenen Wochen zugespitzt hat. Die Nervosität an den Aktienmärkten ist wieder deutlich gestiegen, was die Erlöse aus einem Börsengang schwerer vorhersagbar macht.

 

Heuer kein Börsengang in Wien

An Österreich ging diese Entwicklung nicht vorbei. Hier gab es im ganzen laufenden Jahr noch keinen Neuzugang an der Börse. „Ob sich 2012 noch ein Fenster für Börsengänge auftut, ist fraglich, aber wenn, dann müssen die Firmen schnell reagieren“, befindet Eva-Maria Berchtold, verantwortliche Partnerin von Ernst & Young in Österreich.

Der weltweit aktivste IPO-Markt ist China, allerdings auf einem deutlich niedrigeren Niveau als im Vorjahr. Im gesamten zweiten Quartal gingen in China 71Unternehmen an die Börse und erlösten dabei 8,2Mrd. Dollar. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres hatte es noch 108Börsenneulinge im Gesamtwert von 20,4Mrd. Dollar gegeben.

Ob sich die Lage heuer noch bessert, hänge stark von der Entwicklung der Schuldenkrise ab, so die Experten von Ernst & Young. „Wir sollten das Jahr 2012 noch nicht abschreiben“, sagt Berchtold. „Der Kapitalbedarf der Unternehmen ist groß, zudem werden sie sich noch stärker in Richtung Kapitalmarkt orientieren müssen, da die Banken bei der Kreditvergabe zurückhaltender sein werden.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.06.2012)

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