Wien/Ag./Nst. „Wo Licht ist, ist auch Schatten“, sagt Zumtobel-Vorstand Harald Sommerer. Und er weiß, wovon er spricht: Der Gewinn des Vorarlberger Leuchtenkonzerns ist im vergangenen Jahr stark eingebrochen. Nach einem Jahresergebnis von 51,3 Mio. Euro im Geschäftsjahr 2010/2011 erzielte der Konzern heuer einen Überschuss von 16 Mio. Euro. Das ist ein Rückgang um rund 69 Prozent. Der Umsatz verbesserte sich indes um 4,2 Prozent auf 1,28 Mrd. Euro.
Für Erste Bank-Analyst Franz Hörl sind die Zahlen nicht überraschend, vielmehr im Rahmen der Erwartungen. Schließlich habe man die Schwierigkeiten des Unternehmens schon gekannt.
Schuldenkrise spürbar
Das schwache Geschäftsjahr ist laut Einschätzung von Zumtobel auf mehrere Faktoren zurückzuführen: Im vierten Quartal hat sich die Schuldenkrise bereits bemerkbar gemacht. Der Konzern musste parallel in konventionelle Technik und in LED-Technologie investieren. Im abgelaufenen Jahr wurden „70 Prozent der Forschungsausgaben für 14 Prozent des Erlöses aufgewandt“, sagt Sommerer. Zwar ist das Umsatzwachstum im LED-Bereich hoch, aber „die aggressiven Preise in dem Bereich drücken die Margen“.
Zudem litt das Komponentengeschäft (Lichtkomponenten, Lichtmanagementsysteme) unter dem schwachen Marktumfeld. Bei verschiedenen Produkten sei man weiters nicht so weit wie gewünscht. Warum? Analyst Franz Hörl interpretiert das so: „Der Konzern wollte wahrscheinlich zu viele Dinge auf einmal.“ Neben traditionellen Produkten musste sich Zumtobel auch auf die LED-Technik konzentrieren.
In Folge des Geschäftsjahres übt sich der Konzern in Zurückhaltung – konkrete Prognosen wurden keine ausgegeben. Zwar wurde der Branche ein Wachstum von jährlich vier Prozent vorhergesagt. Diese Annahme sei aber nicht mehr realistisch, sagt Sommerer. Daher schraube das Unternehmen auch seine mittelfristigen Ziele von zehn Prozent Wachstum jährlich zurück. „Den Kunden fehlt das Geld.“ Neue Vorgabe gibt es keine: „In dem jetzigen Umfeld, wo man nicht weiß, ob es den Euro in fünf Jahren noch gibt, ist das glaube ich nicht zielführend“, sagt Sommerer. Heuer sollte der Umsatz aber steigen.
Aktie ist schlechtester ATX-Wert
Für Aktionäre ist das Ergebnis zweifach bitter: Die Dividende wird auf 0,20 Euro gekappt, nachdem im Jahr zuvor 0,50 Euro ausbezahlt wurden. Weiters hat das Papier seit Jahreswechsel rund 24 Prozent an Wert verloren und ist damit der schlechteste Wert im Wiener Leitindex ATX. Am gestrigen Mittwoch lag das Papier bei rund acht Euro zeitweise um knapp sechs Prozent im Plus.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.06.2012)

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