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Die Marke AWD könnte beerdigt werden

03.07.2012 | 18:14 |   (Die Presse)

Die Schweizer AWD-Mutter Swiss Life will den umstrittenen Finanzvertrieb umbenennen. Nach zahlreichen Klagen ist das Image schwer angekratzt, auch die Geschäfte laufen nicht mehr wie früher.

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Der Schweizer Versicherungskonzern Swiss Life erwägt, sein Tochterunternehmen AWD umzubenennen. Bis Ende November will man eine endgültige Entscheidung fällen, berichtet die „Financial Times Deutschland“ unter Berufung auf „Versicherungskreise“. Käme es so weit, würde einer der umstrittensten Namen der Finanzbranche der Vergangenheit angehören.

Swiss Life hat den Finanzvertrieb im Jahr 2007 von dessen Gründer, Carsten Maschmeyer, übernommen. Seither haben sich die Geschäfte nicht gerade zum Positiven entwickelt. 2007 verzeichnete der Strukturvertrieb noch einen Umsatz von 718 Mio. Euro. 2011 waren es noch 561 Mio. Euro. Im ersten Quartal 2012 ging der Umsatz noch einmal um 18 Prozent zurück. Laut „FTD“ soll sich der Trend im zweiten Quartal fortgesetzt haben.

Ein Sprecher der Österreich-Sparte des AWD sagte, man kommentiere prinzipiell keine Spekulationen. Würde der AWD umbenannt, würde dies wahrscheinlich auch auf den heimischen Ableger zutreffen: „Wir hatten immer eine Ein-Marken-Strategie.“

 

Verkäufer verlangen Neuanfang

Druck verspürt Swiss Life von mehreren Seiten. Zum einen fordern die Wirtschaftsprüfer mit immer größerer Vehemenz, eine Abschreibung auf den Firmenwert des AWD vorzunehmen. Dass dies nötig ist, bestritt ein Swiss-Life-Sprecher: „Dafür sehen wir zu diesem Zeitpunkt keine Notwendigkeit“, wird er zitiert.

Zum anderen machen auch führende Verkäufer Druck in Richtung Neustart. Die Berichterstattung über zahlreiche Schadenersatzforderungen und Klagen ist offenbar nicht gerade förderlich für das Neugeschäft. Der AWD verkauft Anlageprodukte und Versicherungen gegen Provision. Auch die Entlohnung der Mitarbeiter beruht auf dem Provisionsprinzip. Eine Delle im Verkaufsgeschäft bekommt das Unternehmen also auf jeder Ebene zu spüren.

Dabei erntete der Vertrieb in der Vergangenheit zahlreiche Negativschlagzeilen. In Österreich betrifft die Kritik vor allem den massenhaften Vertrieb von Immofinanz- und Immoeast-Aktien, die als mündelsichere Geldanlage unters Volk gebracht wurden. Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) hat in der Sache fünf Sammelklagen für 2500 Geschädigte eingebracht. Der Streitwert beläuft sich auf 40 Mio. Euro.

Momentan beschäftigt die Gerichte noch die Frage, ob der VKI mit einem Prozessfinanzierer zusammenarbeiten darf. Dieser erhält im Erfolgsfall einen Teil der erstrittenen Summe. Der AWD hatte dagegen geklagt – und in erster Instanz verloren. Im März schaltete der VKI noch einen Gang hoch, indem er Strafanzeige gegen AWD-Gründer Maschmeyer einbrachte.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.07.2012)

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