Wien/Ag./Nst. Der Volkswagen-Konzern integriert den Stuttgarter Sportwagenhersteller Porsche doch schneller als gedacht: Statt im August 2014 soll Porsche nun bereits zum 1. August dieses Jahres in das Unternehmen aus Wolfsburg eingegliedert werden. Bislang war der Deal an Steuerfragen gescheitert, die der Konzern jetzt aus dem Weg räumen konnte. Die Transaktion als solche überrasche nicht, wohl aber der Zeitpunkt, sagt Silvia-Quandt-Analyst Albrecht Denninghoff dazu.
Steuerfragen wurden geklärt
Konkret wird Volkswagen rund 4,5 Mrd. Euro an die Porsche Holding zahlen, um von dieser die zweite Hälfte des Sportwagengeschäfts (Porsche AG) zu übernehmen. Zusätzlich erhält die Holding eine VW-Stammaktie. Diese Konstruktion macht es dem Fahrzeughersteller möglich, das Geschäft als Umstrukturierung und nicht als Kauf zu werten. Für Letzteren wären nämlich hohe Steuerzahlungen fällig gewesen. VW-Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch sagte am gestrigen Donnerstag dazu, dass dennoch deutlich mehr als hundert Mio. Euro an Transaktionssteuern bezahlt werden müssen.
Zwischenzeitlich hatten VW und Porsche fusionieren wollen. Der Plan scheiterte allerdings an Porsche und den Risken, die sich das Unternehmen aufgebürdet hatte. Damit gemeint sind anhängige Schadenersatzklagen in Milliardenhöhe, die Investoren angestrengt haben, weil sie sich von Porsche falsch informiert fühlten. Porsche hatte ursprünglich versucht, Volkswagen zu übernehmen, und war damit kläglich gescheitert. Anleger warfen dem Unternehmen in diesem Zusammenhang vor, zu spät von Porsche über diese Pläne informiert worden zu sein.
Die Folge waren dann nicht nur Klagen, sondern auch Schulden in Milliardenhöhe. Im heurigen Februar ist Ferdinand Piëch vom Oberlandesgericht Stuttgart verurteilt worden, weil er bei den von der Firma eingegangenen und umstrittenen Optionsgeschäften seine „Kardinalspflichten“ als Aufsichtsrat verletzt habe.
Nachdem sich Porsche die VW-Übernahme nicht mehr leisten konnte, drehte VW den Spieß um und strengte die Übernahme von Porsche an. Einen Teil des Sportwagengeschäfts verleibten sich die Wolfsburger bereits Ende 2009 ein. Der Plan war dann, auch die zweite Hälfte zu übernehmen – dies wäre allerdings mit Steuernachzahlungen von bis zu 1,5 Mrd. Euro verbunden gewesen. Erst nach einer Wartezeit bis Mitte 2014 hätte der Deal steuerfrei über die Bühne gehen können. Um die Integration doch schneller voranzubringen, suchte VW fieberhaft nach einer Alternative – die nun gefunden wurde.
Einsparungen von 700 Mio. Euro
„Damit bringen wir eines der bedeutendsten Vorhaben in der Autobranche ins Ziel“, sagt VW-Vorstand Martin Winterkorn. VW hat sich vorgenommen, bis 2018 zum größten Autokonzern der Welt zu avancieren. Bislang rangieren noch General Motors aus den USA und der japanischen Toyota-Konzern vor VW.
Durch die Zusammenarbeit kann VW Synergien heben. Zuletzt hat das Unternehmen von Einsparungen von zumindest 700 Mio. Euro durch Kooperationen in mehreren Bereichen, unter anderem beim Einkauf und in der Produktion, berichtet. VW liefert beispielsweise Motoren für den Porsche Cayenne, Preisnachlässe waren wegen möglicher Klagen von Aktionären bisher aber nicht möglich.
Die VW-Aktie lag am gestrigen Donnerstag mit rund fünf Prozent im Plus.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.07.2012)


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