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Zinskartell: Deutsche Bankenaufsicht wird aktiv

06.07.2012 | 18:21 |   (Die Presse)

In Deutschland laufen Ermittlungen gegen „mehrere Institute“. Die österreichische Finanzmarktaufsicht ist offiziell noch nicht aktiv.

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Wien/Jil. Nun ermitteln auch deutsche Behörden im Skandal um die Manipulationen des international bedeutenden Libor-Zinssatzes. Derzeit würden „mehrere Institute“ überprüft, sagte ein Sprecher der deutschen Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin). Der Hintergrund: Mehrere Banken dürften in den Jahren rund um die Finanzkrise 2008 den Libor-Zinssatz durch Absprachen manipuliert haben. Großbanken melden täglich die Zinssätze, zu denen sie sich (angeblich) finanzieren können, nach London, wo ein Durchschnittszinssatz ermittelt wird, der Libor – „London Interbank Offered Rate“.

 

Auch Euribor manipuliert?

Dieser Zinssatz hat gemeinsam mit ähnlichen Zinsfixings wie dem europäischen Euribor eine kaum zu bemessende Bedeutung, da praktisch alle Kreditprodukte und Derivate von diesen Zinssätzen beeinflusst werden können. Schätzungen gehen von einem Marktvolumen von 360 bis 900 Billionen Dollar aus. Eine Billion sind tausend Milliarden. In anderen Worten: Auch eine geringe Manipulation des Libor kann Banken unheimliche Gewinne einbringen.

Welche Banken im Visier der deutschen Aufsichtsbehörde stehen ist offiziell unklar. Sicher ist nur, dass auch von Behörden in den USA, Großbritannien, der Schweiz und Japan gegen die Deutsche Bank ermittelt wird – das einzige Institut aus Deutschland, das am Libor-Fixing beteiligt ist. Dass die BaFin gegen „mehrere“ Banken ermittelt, ist ein Hinweis darauf, dass es auch beim Euribor Absprachen gegeben haben könnte. An der Erstellung des Euribor sind auch zwei österreichische Banken beteiligt: Erste und RZB.

Die deutsche BaFin selbst verfügt jedoch nicht über eine Befugnis zur Strafverfolgung, sagte der Sprecher der Behörde. Derzeit ist nicht bekannt, ob bereits eine Staatsanwaltschaft in Deutschland in der Angelegenheit ermittle. Die österreichische Finanzmarktaufsicht ermittelt offiziell noch nicht in dieser Sache.

Als erste Großbank musste Barclays eine Strafe von 363 Mio. Euro an britische und amerikanische Behörden zahlen. Barclays-Chef Bob Diamond musste zurücktreten. Er hatte die systematische Manipulation des Zinssatzes durch Barclays-Händler eingestanden. Dass Barclays allein gehandelt hat, kann aufgrund des Fixing-Systems ausgeschlossen werden. Laufende Ermittlungen betreffen unter anderen die Deutsche Bank, JP Morgan, HSBC, Citigroup und Royal Bank of Scotland. Die Schweizer UBS hat schon vor Monaten mit den Behörden den Status eines Whistleblowers (Kronzeugen) ausverhandelt und darf nun mit einer geringeren Strafe rechnen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.07.2012)

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14 Kommentare

Interessant

Und warum die Bafin alleine und nicht die Bafin gemeinsam mit der Staatsanwaltschaft?

Ein Scherz sind ja auch die Strafzahlungen in GB. Da muss sich keiner persönlich strafrechtlich verantworten, ein paar hundert Mio Strafe - ein lächerlicher Betrag angesichts der Gewinne aufgrund jahrelanger Manipulationen - und das wars.

Unglaublich, was sich Banken erlauben können, die Politik agiert wie das Kaninchen vor der Schlange.

Gast: Bilderberger Report
07.07.2012 17:26
1 0

Die deutsche Bank und ihre politische Union

ist eine Schüssel voller Würmer am Tisch der europäischen Bürger.

4 0

In Deutschland laufen Ermittlungen gegen „mehrere Institute“. Die österreichische Finanzmarktaufsicht ist offiziell noch nicht aktiv.

war denn die hiesige FMA jemals aktiv ????

Sogar als die Krise längst eintraf, kam man von dort zu hören: "unsere Banken sind allesamt bestens aufgestellt und dergleichen Müll mehr; wie heute bestens durc hdiverse immer noc hlaufende Rettungsprogramme(Forderungen) bekannt, stimmte nicht einmal ein Promill davon !!!

Wann wollen oder sollen die Herr- und Damenschaften dort oben denn wach werden ?!
Solange es dafür Supergagen gibt, jedenfalls niemals !

Gast: Förderer der Reichen
07.07.2012 14:54
1 0

0.5% an den Staat 1,5% an die Banken

das ist mein jährlicher Kapitalverlust. Die kleinen Sparer zahlen schon ihre Kapitalsteuer. die Milliaräre noch nicht.

Gast: b754
07.07.2012 14:16
0 1

ackermann der mann merkels oder umgekehrt

für sie gilt die unschuldsvermutung

Gast: Zahlensysteme
07.07.2012 11:31
1 0

Eine Billion sind tausend Milliarden.

...das gilt wenn es eine europäische Billion ist. Bei der amerikanischen Billion ist es erst eine Milliarde.

Re: Eine Billion sind tausend Milliarden.

Das ist ein deutscher Artikel, somit ist das, geistige Gesundheit des Autors vorausgesetzt, eine klare Sache.

Die österreichische Finanzmarktaufsicht ermittelt offiziell noch nicht in dieser Sache.

Wer würde das in dieser Bananenrepublik auch erwarten!

Die große Lawine!

Die meisten Unternehmen verhandeln ihre Kredit Konditionen über einen Aufschlag auf den Euribor.

Dieser Aufschlag wird in den Kreditvertrag genommen. Daraus ergeben sich die jährlichen Zahlungen an die Banken.

Wenn sich nun herausstellt, dass der Euribor manipuliert wurde, werden die Unternehmen Milliarden an Kredit Zahlungen zurück fordern.

Viel Spaß liebe Banken!

Re: Die große Lawine!

Das will ich sehen, dass das Unternehmen von Hinz und Kunz bis zum Höchstgericht um ein paar bps Spread kämpft und dabei das wahrscheinlich x-fache des Schadens hineinpumpt. Weiters ist die Haftung der Kreditgebenden Institute (insbesondere derer am Fixing nicht beteilgten) absolut unklar.

Gast: Unsere seriösen Dienstleister
06.07.2012 22:22
6 0

Am Bankschalter

müssen sich die Angestellten das Lachen verkneifen, bei der Drohung man wechsle die Bank. Na wen wundert das noch.

...

nein sowas machen die Banken nicht!!!!
mir widerstrebt es verbrecher zu retten...

Gast: b754
06.07.2012 19:28
4 2

vielleicht kriegen sie ackermann noch dran


Re: vielleicht kriegen sie ackermann noch dran

Der hat sicher nix gewußt davon