Wien/Ag./Bloomberg. Die Schuldenkrise in der Eurozone setzt nicht nur ihren Mitgliedern, sondern auch der Gemeinschaftswährung Euro gehörig zu. Seit Jahresbeginn ist der Euro gegenüber dem Dollar um rund fünf Prozent auf 1,22 Dollar gefallen. Damit liegt die Währung auf einem Zweijahrestief.
Während Devisenhändler Klaus Görlitz von MM Warburg nicht ausschließt, dass der Euro infolge anhaltender Probleme noch weiter sinken wird, sind andere Experten der Meinung, die Abwärtsbewegung könnte vorerst gestoppt sein. Zumindest wenn es nach jenen Devisenstrategen geht, die in der Vergangenheit den Kurs des Euro richtig vorhergesagt haben. Demnach sehen jene fünf Institute, die Bloomberg-Daten zufolge die besten Währungsprognosen erstellt haben, den Euro zum Jahresende bei rund 1,26 Dollar. Beim Bankhaus Nomura ist man eher der Ansicht, der Euro werde in Richtung 1,20 Dollar fallen, um dann bei 1,1875 Dollar etwas haltzumachen.
„Angesichts des Auf und Ab der europäischen Schuldenkrise erwarten wir, dass die Dinge dieses Jahr eher besser als schlechter werden”, sagt wiederum Nick Bennebroek, Leiter der Devisenstrategie bei Wells Fargo. „Nicht nur die Entscheidungen der europäischen Regierungschefs waren positiv, zudem sehen wir weiterhin stützende Maßnahmen der Zentralbanken.“
Notenbanker wollen Lockerung
So wurde in der EU nicht nur die direkte Verwendung von Geldern aus den Hilfsfonds für Banken, sondern auch eine einheitliche Bankenaufsicht beschlossen. Einem Bericht des „Wall Street Journal“ zufolge soll diese die Geschäfte der 25 größten Institute überwachen. Die Aufsicht soll zwar bei der Europäischen Zentralbank angesiedelt werden, ihren Sitz soll sie aber in Brüssel haben. Nicht nur in der Eurozone versucht man unterdessen, der Krise Herr zu werden.
Vergangene Woche hat die Bank of England den Kauf von Staatsanleihen angekündigt. Und auch die Rufe nach einer weiteren Runde geldpolitischer Lockerungen innerhalb der US-Notenbank Fed wurden laut. Der Präsident der Chicagoer Notenbank, Charles Evans, sagte am Montag, dass die wirtschaftlichen Bedingungen eine extrem starke geldpolitische Anpassung rechtfertigen würden.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.07.2012)

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