22.05.2013 22:26 Merkliste 0

US-Börsenaufsicht: Vorsicht vor "ETNs"

12.07.2012 | 18:19 |   (Die Presse)

Auch wenn die Namen ähnlich klingen, sind "Exchange Traded Notes" weit weniger sicher als "Exchange Traded Funds", warnt die US-Behörde Finra.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Wien/Weber. Einmal mehr stiften drei Buchstaben aus der Finanzwelt bei Anlegern Verwirrung. So erfreuen sich Indexfonds, die täglich über die Börse gehandelt werden können – auch Exchange Traded Funds (ETFs) genannt –, großer Beliebtheit. Im Fahrwasser der Fonds haben sich auch andere Produkte mit ganz ähnlichen Namen verbreitet: ETCs (Exchange Traded Commodities) und ETNs (Exchange Traded Notes). Gemeinsam bilden die drei die boomende Gruppe der Exchange Traded Products (ETPs).

Die US-Finanzaufsicht Finra warnt Anleger aber davor, alles in einen Topf zu werfen. „Auch wenn die Namen womöglich ähnlich klingen, sollten Anleger verstehen, dass sich ETNs und ETFs in ganz wesentlichen Punkten unterscheiden“, schreibt die Behörde auf ihrer Internetseite (finra.org). Im Gegensatz zu einem ETF, also einem Indexfonds, sind ETNs nichts anderes als Schuldverschreibungen. Sie haben also aus rechtlicher Sicht viel mehr mit einem Zertifikat gemein als mit einem Fonds.

Der wichtigste Unterschied ist das Emittentenrisiko: Während das Fondsvermögen als „Sondervermögen“ klassifiziert ist und bei einer Pleite der Fondsgesellschaft nicht in die Insolvenzmasse übergeht, schaut ein Anleger mit einer ETN oder einem Zertifikat im Ernstfall durch die Finger. Im Gegensatz zu ETCs sind die „Notes“ auch weniger besichert. Das Risiko eines Totalausfalls ist bei ihnen also am höchsten.

Markt oft nicht "flüssig" genug

Investieren kann man mit ETNs sowohl in bekannte Indizes als auch in entlegene Winkel des Finanzmarkts. Mittlerweile gibt es ETNs auf alle möglichen Rohstoffe und verschiedenste Fremdwährungen. Ähnlich wie Zertifikate bieten ETNs auch die Möglichkeit, mit „Hebel“ zu investieren. Damit werden die Kursbewegungen verstärkt, sowohl Gewinne als auch Verluste fallen deutlich stärker ins Gewicht. Außerdem gibt es Produkte, mit denen Anleger „short gehen“, also auf Kursverluste spekulieren können.

Die Finra empfiehlt, sich den Index, den das Produkt abbildet, genau anzusehen. Dies gilt jedoch nicht nur für ETNs, sondern sollte auch oberste Devise beim Kauf eines Indexfonds sein. Daneben bestünde bei ETNs das Risiko mangelnder Liquidität – auch wenn die Produkte an der Börse gehandelt werden. Dem Anbieter einer ETN steht es frei, das Angebot jederzeit auszuweiten oder zu verknappen. Das kann sowohl Einfluss auf den Preis als auch auf die Liquidität des Produkts haben. Das heißt: Es kann nicht immer leicht sein, einen Käufer für das Wertpapier zu finden.

Daneben sollten Anleger auch die Kosten der Produkte im Auge behalten. Diese können sich deutlich voneinander unterscheiden – und sie haben einen größeren Einfluss auf die Performance, als viele glauben.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.07.2012)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

Mehr auf DiePresse.com