Wien/Reuters./Red. Im Angesicht der Eurokrise scheinen Schwellenländer an Attraktivität zu gewinnen. Und nicht nur das: Die Renditen von Staatsanleihen afrikanischer Staaten sind zum Teil geringer als die Aufschläge auf europäische Staatsanleihen.
So sind Dollar-Bonds aus Gabun beispielsweise mit 5,7 Prozent, jene aus Ghana mit 4,3 Prozent verzinst. Im Vergleich dazu haben italienische und spanische Anleihen mit einer Laufzeit von zehn Jahren längst die kritische Marke von sechs Prozent überschritten.
„Die Zinsen bei afrikanischen Staatsanleihen zeigen, dass sie als weniger riskant angesehen werden als Bonds aus manchen europäischen Ländern“, sagt Ravi Bhatia, Anleiheanalyst bei der Ratingagentur Standard & Poor's.
Die Grenzen zwischen Industriestaaten und Schwellenländern scheinen in dieser Hinsicht zunehmend zu verschwimmen. Diese veränderte Wahrnehmung sei ein wichtiger Treiber für die Schwellenmärkte, sagt Jerome Booth von Ashmore Investment Management.
Angaben des Fondsanalysten EPFR zufolge flossen in den ersten sechs Monaten dieses Jahres 23 Mrd. Dollar in die Anleihenmärkte der Schwellenländer. In Fonds, die auf Aktien aus diesen Staaten spezialisiert sind, wurden 14 Mrd. Dollar gepumpt. Umgekehrt zogen Investoren 22 Mrd. Dollar aus europäischen Aktienmärkten ab. Aus Rentenfonds wurden eine Mrd. Dollar abgezogen, im Jahr zuvor waren es allerdings 29 Mrd. Dollar gewesen.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.07.2012)

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