Wien/Ag./Nst. Der angeschlagene finnische Handyhersteller Nokia ist im zweiten Quartal tief in die roten Zahlen gerutscht. Am gestrigen Donnerstag gab das Unternehmen einen Quartalsverlust von 1,41 Mrd. Euro bekannt, nach minus 368 Mio. Euro im Vorjahreszeitraum. Der Umsatz reduzierte sich ebenso, und zwar um ein Fünftel. Im Vergleich zu den heurigen ersten drei Monaten kletterten die Erlöse jedoch.
Die Aktie des Konzerns war im Zuge der Ergebnispräsentation stark nachgefragt worden. Das Papier verteuerte sich zeitweise um 18Prozent. Für die Aktie war es der größte Anstieg seit 2001. Analysten führen den Kurssprung unter anderem auf die erhöhten Barmittelbestände, aber auch auf die Zahlen zur Auslieferung des neues Smartphones Lumia zurück. Dieses wurde im zweiten Quartal vier Millionen Mal verkauft, nachdem im Vorquartal zwei Millionen Einheiten abgesetzt worden waren. Vor Kurzem hatte Nokia bekannt gegeben, den Preis für sein Gerät in den USA zu halbieren.
„Das Unternehmen hat es geschafft, die Lumia-Verkaufszahlen seit dem vergangenen Quartal zu verdoppeln. Wenn sie diesen Schwung beibehalten, könnte das den Weg zur Erholung bereiten“, sagt Nick Dillon von Ovum. Die Zahl seiner Smartphone-Verkäufe konnte Nokia unterm Strich aber nicht steigern, im Gegenteil: Der Absatz brach gegenüber dem Vorjahr um 39Prozent ein. Die Nachfrage nach „einfachen“ Handys zog indes leicht an.
Arbeitsplätze fallen weg
Aber: Die in der Branche viel beachtete operative Marge sank in der Handysparte von zuvor plus 7,3 auf minus 9,1Prozent. Nach rund 14 Jahren an der Spitze musste Nokia heuer zudem seine Position als Weltmarktführer an Samsung abtreten. Die Finnen haben den Trend zum Smartphone verschlafen und hinken nun Samsung und Apple deutlich hinterher.
Von den drei großen Ratingagenturen wird der Konzern bereits auf Ramschniveau eingestuft. Vor wenigen Tagen hatte der Hersteller zudem den Abbau von weltweit 10.000 Arbeitsplätzen bis Ende 2013 sowie die Stilllegung zweier Standorte bekannt gegeben. „Nokia handelt, um es durch diese Übergangsphase zu schaffen“, sagt Konzernchef Stephen Elop nun.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.07.2012)


WirtschaftswachstumDas Plus und Minus der EU-Länder im ersten Quartal
KreativDie Welt der Werbung
Cash-KaiserDiese Firmen horten am meisten Bargeld
''Plagiarius''Dreisteste Fälschungen ausgezeichnet